Ein Kind kontrolliert seinen Blutzuckerwert. (Foto: IMAGO / PA Images /Collins)

Keine Hilfe für Kinder mit Diabeteserkrankung

mit Informationen von Lisa Krauser   10.07.2021 | 11:58 Uhr

Wenn kleine Kinder an Diabetes erkranken, stellt das die ganze Familie vor eine große Herausforderung. Denn die Kinder merken oft gar nicht, dass sie in eine Über- oder Unterzuckerung kommen und brauchen deshalb Unterstützung im Alltag. Um die nötige Hilfe zu erhalten, müssen die Familien oft lange kämpfen.

Familie Keck aus St. Ingbert hat zwei Kinder im Alter von drei und sechs Jahren. Beide sind an Typ1-Diabetes erkrankt. Dabei produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr.

Hilfe im Alltag notwendig

Keine Hilfe für Kinder mit Diabeteserkrankung
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 10.07.2021, Länge: 03:12 Min.]
Keine Hilfe für Kinder mit Diabeteserkrankung

Die Krankheit bestimmt den Alltag der Familie. Auch beim Spielen müssen die Eltern regelmäßig die Blutzuckerwerte der Kinder überprüfen. Sie berechnen auch die Insulinmenge, die die Pumpen an den Beinen der Kinder abgeben sollen. Selbst können die beiden das noch nicht, weil sie dafür noch zu klein sind.

Um den Kindern einen möglichst normalen Alltag zu ermöglichen, kämpfen die Kecks inzwischen seit Monaten um Betreuungskräfte, die die Kinder in die Kita und die Grundschule begleiten – bislang ohne Erfolg. "Die können ohne Betreuung nirgends hin und diese Betreuung wird uns verweigert", erzählt die Mutter, Daniela Keck. Derzeit begleitet sie ihre Kinder deshalb noch zur Kita – eine Dauerlösung ist das jedoch nicht.

Streit um Kostenübernahme

Bislang lehnen die möglichen Kostenträger die Übernahme der Kosten für eine Dauerbetreuung ab. Die Krankenkasse verweist darauf, dass es sich um eine Integrationsleistung handele, für die die Kasse nicht zuständig sei. Medizinisch notwendig sei nur eine punktuelle Kontrolle, also etwa jemand, der zweimal am Tag vorbeikommt. Nur das könne die Krankenkasse zahlen. Für die Integrationsleistung müsse hingegen der Träger der Sozialhilfe aufkommen.

Die Familie Keck mit ihren Kindern. (Foto: SR)

In diesem Fall wäre das das Landesamt für Soziales. Dort widerspricht man jedoch der Aussage der Krankenkasse. Die geforderte Unterstüzung sei keine Integrationsleistung, sondern eine medizinische Leistung und müsse daher von der Krankenkasse übernommen werden.

Eltern verfassen Brandbrief

Daniela und Stefan Keck haben inzwischen beim Landessozialgericht geklagt. Ihr Anwalt Matthias Meyer vertritt bundesweit Familien mit diabeteskranken Kindern. Viele kämpfen mit dem gleichen Problem. Denn Streit um die Zuständigkeit gebe es mit manchen Krankenkassen und sozialen Trägern immer wieder. Dass ein Anspruch auf die Leistung besteht, sei klar. Nur wer für die Kosten aufkommen müsse, das entscheiden die Sozialgerichte der Länder unterschiedlich, so der Fachanwalt für Sozialrecht.

Gemeinsam mit anderen betroffenen Eltern im Saarland haben die Kecks außerdem einen Brandbrief geschrieben – unter anderem an das saarländische Sozialministerium. Das verweist zwar weiter auf die Krankenkassen. Man wolle aber mit den Beteiligten eine Lösung suchen, verspricht Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU).

Diabetesgesellschaft sieht Nachholbedarf

Die Deutsche Diabetesgesellschaft hatte im vergangenen Jahr einen großen Nachholbedarf bei der Inklusion von Schülern mit Diabetes Typ 1 im Saarland beanstandet. Das saarländische Gesundheitsministerium hatte die Kritik zurückgewiesen.

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Wie gehen Betroffene mit Diabetes um?
Weltweit, auch in Deutschland, leiden immer mehr Menschen an Diabetes. Darauf macht der Weltdiabetestag am 14. November aufmerksam. SR.de-Reporter Felix Schneider leidet an Diabetes Typ-1. Er schildert, wie er von seiner Erkrankung erfuhr und wie er damit lebt.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Mittag" am 10.07.2021 berichtet.

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