Ein Kind mit Maske liest in einem Buch. (Foto: Imago Images/Panthermedia)

Fragen und Antworten für Familien in Corona-Quarantäne

  04.10.2020 | 08:40 Uhr

Immer mehr Schulen und Kindergärten im Saarland sind von Quarantänemaßnahmen betroffen. Wenn Kinder plötzlich zuhause bleiben müssen, stellen sich für die betroffenen Familien viele Fragen. Wir haben die häufigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Warum muss nicht immer die ganze Familie in Quarantäne?

Laut dem Kreisgesundheitsamt Neunkirchen hat das rechtliche Gründe. Der Leiter des Amtes, Oliver Schöne, sagte im SR, in Quarantäne würden nur Personen geschickt, die als "Kontaktperson 1" definiert seien. Das heißt, die Person hatte direkten Kontakt mit einem Infizierten, der zeitlich ausgereicht hätte, um sich selbst infizieren zu können. Die Kontaktpersonen der "Kontaktperson 1" wiederum würden nicht in Quarantäne geschickt. Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage.

Hatte also ein Kind Kontakt zu einem positiv getesteten Mitschüler, wird es in Quarantäne geschickt. Hatten seine Eltern mit dem positiv getesteten Schüler keinen Kontakt gilt für sie keine Quarantäne. Anders sieht die Sache aus, wenn das eigene Kind selbst an Corona erkrankt ist.

Muss das Kind in Quarantäne Schulaufgaben erledigen?

Ja. Das saarländische Bildungsminsterium betont: Bei einer Quarantäne-Anordnung durch das zuständige Gesundheitsamt sind die Schüler zwar von der schulischen Präsenzpflicht befreit, aber das Lernen von zuhause ist dann dem Präsenzunterricht gleichgestellt. In diesem Fall erfüllen die Schüler ihre Schulpflicht, indem sie die häuslichen Lernangebote wahrnehmen.

Wie wird das Lernen von zuhause organisiert?

Gibt es für eine Schule eine Quarantäneanordnung, so unterstützt das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) die betroffene Schule dabei, für die Schüler digital gestützten Unterricht zu organisieren. Nach Angaben des Bildungsministeriums kann das LPM Endgeräte für das Lernen von zuhause zur Verfügung stellen, wenn der Schule nicht ausreichend Geräte zur Verfügung stehen. Hierfür bestehe beim LPM eine Notfallreserve von insgesamt 1000 Endgeräten.

Bekommen Eltern Kinderkrankengeld wenn sie ihr Kind in Quarantäne betreuen müssen?

Nicht automatisch. Ist das Kind erkrankt, erhalten Eltern, die zur Betreuung des Kindes zuhause bleiben müssen, Kinderkrankengeld. Diese Regelung gilt für Eltern von Kindern bis zwölf Jahre.
Allerdings ist das bei einer angeordneten Quarantäne eher selten der Fall: Denn häufig muss das Kind zwar zuhause blieben, zeigt aber selbst keine Krankheitssymptome. In diesem Fall darf der Kinderarzt keinen sogenannten "Kinderkrankenschein" ausstellen.

Gibt es finanzielle Entschädigungen für Eltern, die Kinder in Quarantäne betreuen?

Ja. Wenn die Schule oder Kita aus Gründen des Infektionsschutzes geschlossen wird und Eltern ihrer eigenen Erwerbstätigkeit nicht nachgehen können, weil sie ihr Kind betreuen müssen, so haben sie nach dem Infektionsschutzgesetz Anspruch auf eine Entschädigung für den Lohnausfall. Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des entstandenen Verdienstausfalls und höchstens 2016 Euro monatlich.

Die Auszahlung der Entschädigung übernimmt bei Arbeitnehmern in der Regel der Arbeitgeber für einen Zeitraum von maximal sechs Wochen. Der Arbeitgeber kann bei der zuständigen Behörde einen Antrag auf Erstattung stellen. Im Saarland ist dafür das Ministerium für Gesundheit und Soziales zuständig. Die Anträge gibt es online unter: www.ifsg-online.de.

Bekommen Eltern in Quarantäne weiter ihren Lohn?

Gilt die Quarantäne nicht nur für das Kind, sondern auch für die Eltern und dürfen diese wegen angeordneter Quarantänemaßnahmen nicht am Arbeitsplatz erscheinen, haben sie durch das Infektionsschutzgesetz ebenfalls einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung.

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes liegt dieser in den ersten sechs Wochen auf Höhe des Arbeitsentgeltes und danach auf Höhe des gesetzlichen Krankengeldes. Der Arbeitgeber kann das Entgelt wie bei einer Krankheit sechs Wochen fortzahlen und sich das Geld dann von den Behörden zurückerstatten lassen. 

Müssen Arbeitnehmer während der Quarantäne arbeiten?

Bei dieser Frage muss man zwischen tatsächlich erkrankten und nicht erkrankten Arbeitnehmern unterscheiden.

Ist der Arbeitnehmer während der Quarantäne nicht erkrankt, dann ist er arbeitsrechtlich dazu verpflichtet, zu arbeiten. Die Arbeit darf nicht unter dem Vorwand der Quarantäne verweigert werden. Ist normales Arbeiten für den Arbeitnehmer von zuhause aus nicht möglich, kann der Arbeitgeber ihm auch Arbeiten auferlegen, die er innerhalb der Quarantäne erledigen kann.

Ist der Arbeitnehmer hingegen tatsächlich infiziert und auch krankgeschrieben, so ist er nicht verpflichtet, zu arbeiten.

Müssen zuhause spezielle Hygienemaßnahmen ergriffen werden?

Das Bundesgesundheitsministerium rät dazu, dass alle Haushaltsmitglieder konsequent wichtige Hygienemaßnahmen einhalten. Besteht allein für ein Kind die Quarantänepflicht, sollte in Abhängigkeit vom Alter des Kindes versucht werden, so gut wie möglich die Maßnahmen einzuhalten.

Zu den Maßnahmen gehört beispielsweise, sich möglichst in unterschiedlichen Räumen aufzuhalten oder diese zeitlich getrennt zu nutzen, Abstand zu halten und Körperkontakt zu vermeiden.

Wie können Eltern ihrem Kind in der Quarantäne-Zeit helfen?

Das Bundesgesundheitsministerium rät, dem Kind regelmäßig die Möglichkeit zu geben, über Telefon, Internet oder soziale Medien mit Freunden oder vertrauten Verwandten zu kommunizieren. Wichtig sei es auch, eine neue Struktur für den Tag zu schaffen, wenn Schule, Sportverein und andere regelmäßige Gewohnheiten wegfallen. Dazu können feste Zeiten zum Essen, Lernen oder Spielen gehören.

Da Kinder Zeit anders wahrnehmen als Erwachsene, kann es hilfreich sein, einen Kalender zu malen, in dem man gemeinsam jeden Tag der Quarantäne abstreicht. Dann wird die Zeitspanne greifbarer für das Kind. Zum Stressabbau wird zu Bewegungsspielen geraten wie etwa Gummitwist oder Seilspringen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz rät dazu, Kindern in altersgerechten Worten die aktuelle Situation zu erklären. Zudem sollten Eltern sich eine positive Grundhaltung bewahren, um dem Kind Zuversicht und Sicherheit zu vermitteln. Unsichere Kinder könnten sonst durch die Situation verängstigt werden.


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Video [aktueller bericht, 28.09.2020, Länge: 3:16 Min.]
Eltern fühlen sich mit Quarantäne-Chaos überfordert
Im Saarland sind zurzeit rund 2000 Schüler und Lehrer in Quarantäne. Dazu kommen etwa 120 Kita-Kinder und Erzieher. Für viele Eltern ist das eine große Belastung. Auch für Isabelle Flätchen, die Mutter eines Fünfjährigen. Sie kritisiert wie viele Eltern die Quarantäne-Organisation des Gesundheitsamts.

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