Fieberthermometer (Foto: pixabay/leo2014)

Warum das Coronavirus uns so beschäftigt

  27.02.2020 | 17:41 Uhr

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland immer mehr aus. Behörden bereiten sich auf einen größeren Ausbruch vor, gleichzeitig warnen Experten vor Panikmache. Warum auch größere Präventionsmaßnahmen ihre Rechtfertigung haben, erklärt das Robert-Koch-Institut.

Während die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell als mäßig eingeschätzt wird, so handelt es sich auf globaler Ebene um "eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation", so das Rki auf seiner Internetseite. Man habe es bei der Lungenerkrankung Covid-19 "mit einer schweren Krankheitsform zu tun", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, das sei viel, sagte Wieler.

Video [aktueller bericht, 27.02.2020, Länge: 3:30 Min.]
Informationen zum Coronavirus

Grippe versus Corona

Coronavirus: So bereiten sich Behörden im Saarland vor
Audio [SR 3, Kerstin Gallmeyer, 27.02.2020, Länge: 03:51 Min.]
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Während man über die saisonale Grippe relativ viele Erkenntnisse und auch jedes Jahr angepasste Impfstoffe hat, ist das neue Coronavirus noch nicht so gut erforscht. "Viele Eigenschaften des SARS-CoV-2 sind momentan noch nicht bekannt", so das RKI. "Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung liegen gegenwärtig nicht genügend Daten vor", heißt es auf der Internetseite des RKI. 

Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neuartige Coronavirus laut Robert Koch-Institut (RKI) tödlicher als die Grippe. Wie viel höher die Sterberate ausfalle, werde man nach dem Ende der Epidemie sehen, sagte Institutspräsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Nach bisherigen Zahlen würden ein bis zwei Prozent der Infizierten sterben - das seien deutlich mehr als bei der Grippe.

Warum werden Züge gestoppt und Schulen geschlossen?

"Panik ist eine durchaus menschliche Reaktion"
Audio [SR 3, Interview Gerd Heger / Reinhard Stockmann, 04.03.2020, Länge: 05:40 Min.]
"Panik ist eine durchaus menschliche Reaktion"

Die massiven Anstrengungen auf allen Ebenen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes verfolgen bislang das Ziel, einzelne Infektionen in Deutschland so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus dadurch so weit wie möglich zu verzögern. Ziel dieser Strategie ist es, in Deutschland Zeit zu gewinnen, um sich bestmöglich vorzubereiten und mehr über die Eigenschaften des Virus zu erfahren, Risikogruppen zu identifizieren, Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen vorzubereiten, Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen, antivirale Medikamente und die Impfstoffentwicklung auszuloten, so das RKI. 

Auch soll ein Zusammentreffen mit der aktuell in Deutschland laufenden Influenzawelle soweit als möglich vermieden werden, da dies die Kapazitäten von Krankenhäusern und Ärzten an ihre Grenzen bringen könne.

Wie sieht es mit Medikamenten aus?

RKI-Präsident Lothar Wieler sagte, es sei problematisch, dass es bislang keine Medikamente gebe, die nachweisbar helfen. Auch die Entwicklung eines Impfstoffes werde noch Monate dauern. Rein zeitlich sei es angesichts der aufwändigen Verfahrens und sich anschließenden Tests kaum noch zu schaffen, noch in diesem Jahr ein Mittel auf den Markt zu bringen.

Werden Löhne weiter gezahlt, wenn Behörden und Betriebe wegen des Coronavirus' schließen müssen?

Wird ein Betrieb wegen des neuen Coronavirus' auf behördliche Anweisung geschlossen, muss Beschäftigten im Regelfall das Gehalt weitergezahlt werden. Laut Bundesarbeitsministerium ist der Arbeitgeber grundsätzlich weiter zur Entgeltzahlung verpflichtet - auch wenn er seine Mitarbeiter wegen außerbetrieblicher Gründe nicht beschäftigen kann. Der Arbeitgeber trage hier das Betriebsrisiko. Wer wegen Verdachts auf Infektion isoliert wird und deshalb einen Verdienstausfall erleidet, bekommt eine Entschädigung. Arbeitnehmer erhalten von ihrem Arbeitgeber maximal sechs Wochen lang den Nettolohn auch in der Isolation ausgezahlt – das jeweilige Bundesland erstattet dem Arbeitgeber die Beträge.

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