Hinter einer Lupe ist der Schriftzug «Vermisste Person» auf einem Fahndungsaufruf auf einer Internetseite zu sehen (Foto: dpa/Jens Büttner)

Nicht jede Vermisstenmeldung sollte geteilt werden

Sandra Schick   06.04.2019 | 08:35 Uhr

Im vergangenen Jahr sind im Saarland insgesamt rund 1700 Vermisstenfälle registriert worden. Weil Soziale Netzwerke eine wichtige Rolle bei Fahndungen spielen können, will die saarländische Polizei diese künftig aktiv für die Fahndung zu nutzen. Allerdings sollten Nutzer beim Teilen von Vermisstenmeldungen Vorsicht walten lassen.

Kein Tag vergeht, an dem auf Facebook nicht irgendwelche Meldungen über vermisste Personen - häufig Kinder und Jugendliche - die Runde machen. Ein Klick und schnell ist der Beitrag geteilt. Man möchte ja helfen. Dass ein Teilen solcher Meldungen aber nicht immer sinnvoll ist, darauf weist Mimikama, der Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, hin.

Vermisstenmeldungen kreisen oft jahrelang durchs Netz - auch wenn die gesuchten Personen schon längst nicht mehr vermisst werden. Dafür gibt es nach Angaben des Vereins mehrere Gründe: "Zum einen werden Suchmeldungen schnell von vielen Nutzern geteilt und erreichen somit eine hohe Zahl von Personen", sagt Andre Wolf, Pressesprecher von Mimikama. Werde eine Suchmeldung später wieder aufgehoben, weil die Person gefunden wurde, teile das aber kaum jemand. "Wir haben Fälle, in denen erreicht die Aufhebungsmeldung nur ein Zehntel der Reichweite der ursprünglichen Suchmeldung", sagt Wolf. Das bedeutet: Die Tatsache, dass die Person gefunden wurde, verbreitet sich nicht. Ein weiterer Punkt: Die ursprünglichen Suchmeldungen werden von den Nutzern oft nicht gelöscht. Solange sie aber noch online sind, verbreiten sie sich weiter.

Saar-Polizei arbeitet an technischer Lösung

Weil Facebook und andere Soziale Netzwerke aufgrund ihrer Reichweite für die Polizei hilfreich sein können, will auch die saarländische Polizei ihr Engagement dort ausweiten. Die Beamten wollen aber zunächst die Vorausetzungen dafür schaffen, dass ihre Suchmeldungen nicht ebenfalls jahrelang durchs Netz geistern. Derzeit wird nach Angaben der Landespolizeidirektion an einer technischen Lösung gearbeitet, um Vermisstenmeldungen auf einer eigenen Polizei-Plattform einstellen zu können. Diese Suchmeldungen sollen dann mit einem Link auf Facebook und in anderen Sozialen Netzwerken gepostet werden. "So ist gewährleistet, dass die Daten nach Fahndungsende umgehend gelöscht und die Bilder nicht weiter im Netz verbreitet werden", sagt Melanie Morbach vom Landespolizeipräsidium.

Nicht jede Vermisstenmeldung ist auch tatsächlich eine

Häufig erscheinen auf Facebook aber Vermisstenmeldungen, die überhaupt nicht von der Polizei erstellt wurden, sondern von Privatpersonen. Hier sollten Nutzer ganz besondere Vorsicht walten lassen, sagt Andre Wolf. Die Polizei gibt nach eigenen Angaben nur selten öffentliche Fahndungen heraus und nur wenn es die Gefahrenlage erfordert. Das bedeutet: Für die gesuchte Person muss Gefahr für Leib und Leben bestehen. Privatleute würden eine Vermisstensuche aber auch häufig für eigene Zwecke missbrauchen, sagt Andre Wolf.

"Das können zum Beispiel Familienstreitigkeiten sein, in denen die gesuchte Person vielleicht gar nicht gefunden werden will." Auch Sorgerechtsstreitigkeiten, bei denen sich ein Partner mit den Kindern abgesetzt habe, kämen immer wieder vor. "Man weiß oft nichts über die Hintergründe von privaten Suchmeldungen, daher sollten Nutzer mit dem Teilen sehr vorsichtig sein." Sein einfacher Rat: Vermisstenanzeigen nur teilen, wenn sie offiziell von der Polizei erstellt wurden oder zumindest eine offizielle Vermisstenanzeige bei der Polizei vorliegt.

Vermisstenfälle im Saarland
Jahr Fälle
2014 1699
2015 1765
2016 2019
2017 1925
2018 1736

Quelle: Polizei Saarland

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 06.04.2019 berichtet.

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