Samuel Yeboah (Foto: SR)

Neue Ermittlungen im Fall Yeboah

Thomas Gerber   05.08.2020 | 17:34 Uhr

Die Ermittlungen zum Tod des Asylbewerbers Samuel Yeboah, der 1991 bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Saarlouis ums Leben kam, werden neu aufgerollt. Die Bundesanwaltschaft geht nach SR-Informationen dem Verdacht des Mordes aus rechtsextremistischen Motiven nach.

Nachdem die saarländischen Behörden einen rassistischen Hintergrund zwar nicht ausgeschlossen, aber immer auch in alle Richtungen ermittelt hatten, ist für den Generalbundesanwalt nunmehr klar: Der Brandanschlag auf das Asylbewerberheim in der Saarlouiserstraße in Fraulautern hatte einen rechtsextremistischen Hintergrund. Dafür gebe es, wie es aus Karlsruhe heißt, gravierende Anhaltspunkte.

"Neue Erkenntnisse belegen offensichtlich, dass Rechtsextreme Samual Yeboah ermordet haben"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen / Thomas Gerber, 06.08.2020, Länge: 02:40 Min.]
"Neue Erkenntnisse belegen offensichtlich, dass Rechtsextreme Samual Yeboah ermordet haben"

Neue Erkenntnisse

Neue Erkenntnisse hätten zu diesem Ergebnis geführt. Da es sich um eine „staatsschutzspezifische Tat von besonderer Bedeutung“ handele, habe der Saarbrücker Generalstaatsanwalt die Sache an die Bundesanwaltschaft weitergegeben. Welche neuen Erkenntnisse vorliegen, dazu wollte sich die Bundesanwaltschaft auf SR-Anfrage nicht äußern.

Ermittelt aber wird nun wegen Mordes an dem damals 27 Jahre alten Ghanaer Samuel Yeboah und wegen 18-fachen versuchten Mordes. Denn in dem ehemaligen Hotel in Saarlouis waren in der Brandnacht des 19. September 1991 insgesamt 19 Asylbewerber untergebracht. Yeboah erlag seinen schweren Verbrennungen, zwei Bewohner konnten sich nur mit einem Sprung aus dem Fenster retten und zogen sich Knochenbrüche zu.

Vorwürfe an Behörden

Im Umfeld des Tatorts hatte es weder ein Bekennerschreiben, noch Nazischmierereien gegeben. Linke Gruppierungen hatten den Behörden aber immer wieder vorgeworfen, dem Verdacht einer politisch motivierten Tat nicht intensiv genug nachgegangen zu sein.


Hintergrund

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.08.2020 berichtet.

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