Nachhaltige Kleidung (Foto: Imago/Mike Schmidt)

Faire und nachhaltige Kleidung: Auch im Saarland?

David Differdange   06.12.2018 | 06:30 Uhr

Wer umweltbewusst lebt, sucht oftmals gezielt nach fair oder nachhaltig und ökologisch produzierter Kleidung. Längst ist nachhaltige Mode keine Nische mehr, zahlreiche Geschäfte führen Marken wie das Kölner Modelabel Armedangels. Im Saarland sind es vor allem kleine Einzelhändler, die sich mit dem Thema beschäftigen.

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"Wir gehören im Saarland zu den Pionieren und haben von Anfang an auf faire Mode gesetzt", sagt Ludwig Gassim, genannt "Munni". Er ist Besitzer des "Loup Store" am St. Johanner Markt. Der Laden führt Marken wie Organication, Thokk Thokk und Armedangels. Nicht alle Produkte im "Loup Store" sind sowohl fair als auch nachhaltig. Doch Ware aus Niedriglohnländern sucht man in den Regalen vergeblich. Die europäische Herkunft seines Sortiments ist Munni sehr wichtig. "Bei Portugal denkt man nicht direkt an einstürzende Fabrikhallen", sagt er. "Ich finde es außerdem sympathisch, wenn Unternehmen hier Steuern zahlen. Das mache ich schließlich auch." Früher war Munni in Skaterläden tätig. Irgendwann sei er von vielen Produkten "qualitativ nicht mehr überzeugt" gewesen. So entstand die Idee eines Concept Stores, der 2011 eröffnet wurde. Faire Marken dafür hat Munni auf Modemessen, wie der Ethical Fashion Week in Berlin, ausgesucht.

Karte: Faires Saarbrücken (Foto: Ludwig Gassim)
Eine Karte mit fairen und nachhaltigen Produkten liegt in den Saarbrücker Geschäften aus.

Am Anfang sei es schwierig gewesen von dem Geschäft zu leben, erzählt er. Mittlerweile gebe es aber auch bei der Kundschaft in der Region reges Interesse an Kleidung abseits der großen Ketten. In allen Bereichen sei in Saarbrücken die Nachfrage nach fairen Produkten gestiegen. Munni hat deshalb eine Karte der Saarbrücker Innenstadt entworfen, auf der faire und nachhaltige Restaurants, Cafés und Geschäfte eingezeichnet sind. "Menschen, die zum Einkaufen nach Saarbrücken kommen, suchen ihr 'Shoppingerlebnis' eher nicht in der Bahnhofsstraße", meint Munni. "Hier kommt auch mal eine Gruppe Mädels rein, die den 'Armedangels'-Schriftzug gesehen haben." Außerdem gingen viele Leute immer mehr nach Modezertifikaten und seien "richtig gut informiert".

Händlern und Konsumenten suchen ihren Weg durch das "Label-Labyrinth"

Ähnlich sieht das Jessica Mohr, Inhaberin des Ladens "Zweigesicht", eine Straße weiter. 2011 hat Mohr das Geschäft eröffnet. Sie führt ausschließlich faire Mode für Frauen, darunter die Label UVR Connected und Blutsgeschwister aus Berlin. "Man wird von vielen Kundinnen schon gelöchert", sagt sie. "Die sind in dem Bereich sehr belesen und wissen, worauf sie beim Kauf achten müssen." Sie selbst müsse sich immer wieder auf dem Laufenden halten, was die Zertifizierung ihres Sortiments angehe. Broschüren von NGOs und Testergebnisse würden helfen, sich in diesem "Label-Labyrinth" zurechtzufinden. Denn viele große Marken, erklärt Mohr, würden bewusst nur Teile ihrer Kollektionen als "öko" und "fair" bewerben.

Hinweisschild in einem T-Shirt mit dem Logo der Global Organic Textile Standard (GOTS). (Foto: Imago/Thomas Trutschel)
Voraussetzung für das GOTS-Siegel: Einhaltung der Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation, sowie die Verwendung von mindestens 70 Prozent Bio-Naturfasern.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace gibt in ihrem diesjährigen Bericht zu Textillabeln nur drei Zertifikaten Bestnoten. Die Labels "Best" und "Global Organic Textile Standard" (GOTS) vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN), sowie das "Made in Green"-Label von Oeko-Tex entsprechen laut Greenpeace den höchsten sozialen und ökologischen Anforderungen.

Die Bundesverbraucherzentrale führt außerdem noch Fairtrade Cotton und die Fair Wear Foundation als vorbildlich auf. Die Fair Wear Foundation entwickelt mit ausgewählten Unternehmen eine Verbesserung der sozialen Bedingungen in den Produktionsländern. Jessica Mohr von "Zweigesicht" setzt bei der Auswahl ihrer Produkte ein Fair Wear Foundation- oder GOTS-Siegel voraus.

"Vieles bleibt schwer zu kontrollieren"

Auch beim Saarbrücker Modelabel Schwerelosigkite spielen faire Produktion und vor allem Upcycling eine große Rolle. Schwerelosigkite stellt Mützen, Shirts und Hoodies für ein junges Publikum her. Am Anfang habe die Idee gestanden, Teile von alten Surf- und Sportdrachen – sogenannten Kites –  als Aufnäher und Logo auf Kleidung zu verwenden, erklärt Mitbegründer Peter Arnold. Mittlerweile würden aus Kites sogar Accessoires wie Gürtel und Taschen gefertigt. Hersteller stellen Schwerelosigkite hierfür alte Prototypen und Reklamationen zur Verfügung. "Auch Kunden können uns alte Kites verkaufen", erklärt Arnold. Trotz GOTS-Siegel gibt er sich zurückhaltend, was faire Produktion angeht: "Vieles bleibt für uns leider schwer zu kontrollieren."

Nach eigenen Aussagen macht sich das Team von Schwerelosigkite an den Produktionsstätten in der Türkei und Portugal regelmäßig ein Bild von den Arbeitsverhältnissen. "Wir sehen dort dann unsere Stoffe und Vorlagen: So sind wir sicher, dass der Hersteller den Auftrag nicht an andere Unternehmen weitergibt", betont Arnold. Eine Produktion außerhalb Europas habe man schon vor Gründung der Marke im Jahr 2005 ausgeschlossen. Die heutigen Kunden von Schwerelosigkite seien "sehr anspruchsvoll" und würden durchaus kritische Fragen stellen. Positiv angekommen sei da die Entscheidung, die Ware beim Versand nicht mehr einzeln in Plastik zu verpacken, verrät Arnold. Dieser ökologisch sinnvolle Schritt habe jedoch fast zwei Jahre gedauert: Hersteller und Logistikunternehmen hatten Bedenken angemeldet.

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