Innenansicht: Weltladen (Foto: SR)

Wie im Saarland fair gehandelt wird

Christine Pfeiffer   21.04.2019 | 09:00 Uhr

Sich verantwortungsvoll zu ernähren - das bedeutet für viele Menschen auch, genau nachzuvollziehen, wo Lebensmittel herkommen. Hier kommt der faire Handel ins Spiel. Doch der einzige Fairtrade-Großhandel in der Region muss schließen. Wie geht es jetzt weiter für die Weltläden im Saarland?

Kaffee, Kakao, Bananen - typische Produkte, die Verbraucher aus sogenanntem fairen Handel beziehen können. 3000 davon gab es beim Fair-Handelszentrum Südwest in Saarbrücken Malstatt. Weltläden oder kirchliche Aktionsgruppen haben sich hier mit Waren eingedeckt. Doch damit ist Schluss. Die frühere Geschäftsführerin Anna Weinmann muss den Laden abwickeln: "Es ist ein komisches Gefühl, die Regale sich nach und nach so leeren zu sehen. Man merkt, dass es jetzt zu Ende geht."

Den größten Umsatz habe man mit Lebensmitteln gemacht. Doch die gibt’s längst im Supermarkt. "Die meisten Produkte im fairen Handel werden mittlerweile auch dort gekauft. Nur noch acht Prozent gehen laut Umfragen in die Weltläden", sagt Weinmann.

WimS: Erfolg muss erfinderisch machen (18.04.2019)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 18.04.2019, Länge: 05:05 Min.]
WimS: Erfolg muss erfinderisch machen (18.04.2019)

Faire Arbeitsbedingungen auch vor Ort

Der Weltladen in Dillingen hat das zu spüren bekommen. Seit November stand er leer, weil er nicht mehr vom Fair-Handelszentrum beliefert wurde. Stefan Dewes von der VHS Dillingen hat dafür gekämpft, dass es weitergehen kann. Mit Erfolg, er konnte eine Zusammenarbeit mit einem großen Importeur für faire Produkte vereinbaren. 

Dabei geht es nicht nur um faire Arbeitsbedingungen in den Produzentenländern, sondern auch vor Ort: "Das Besondere ist, dass wir hier faire Produkte mit fairer Ausbildung kombinieren", erklärt Dewes. "Das heißt, wir haben zum einen Auszubildende und Umschüler von der Agentur für Arbeit, die eine Umschulung machen in einem besonderen Umfeld. Und zum anderen die fairen Produkte, die eben auch dazu passen, weil wir hier die Arbeitsbedingungen verbessern. Beides zusammen ergibt diesen Fairen Laden."

Dass faire Waren und faire Arbeitsbedingungen zusammengehören, darauf legt auch Gertrud Selzer von der Aktion 3. Welt Saar Wert. Der zugehörige Weltladen in Losheim ist ein Pionier der Bewegung, 36 Jahre gibt es ihn schon: "Gerechtigkeit ist nicht teilbar, also das heißt, man muss natürlich auch gucken, wie sind die Arbeitsbedingungen hier." Dass die fairen Produkte vermehrt in Supermärkten angeboten werden, beobachtet sie genau: "Wenn fairer Handel in einem Supermarkt angeboten wird, dann muss man natürlich auch gucken, wie werden die Arbeiter und Arbeiterinnen in diesem Supermarkt behandelt und wie geht es ihnen. Also das heißt, man muss zumindest gewerkschaftliche Standards einhalten."

WimS: Gerechtigkeit schmackhaft machen (18.04.2019)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 18.04.2019, Länge: 04:57 Min.]
WimS: Gerechtigkeit schmackhaft machen (18.04.2019)

Weltläden weiten Angebot aus

Um sich trotz der Konkurrenz durch die Supermärkte behaupten zu können, setzen viele Weltläden auf eine Ausweitung des Angebots. "Wir haben schon seit einiger Zeit neben dem fairen Handel aus dem Süden auch fair gehandelt Produkte aus der Region, das sogenannte Bliesgau-Regal und worauf wir zukünftig einen Schwerpunkt legen wollen, wäre der Bereich Kunsthandwerk", sagt Albert Jaeger vom Weltladen St. Ingbert.

Außerdem will das Team des Weltladens St. Ingbert einen Ort schaffen, an dem Besucher Schönes entdecken, eine Tasse Kaffee trinken und sich wohlfühlen können. Auch der Weltladen Losheim setzt auf persönliche Begegnungen und Austausch. Kritische Themen diskutieren, fachkundig beraten und die Geschichte hinter den Produkten erklären - das Thema Bildung spielt dabei eine große Rolle.

Was die Zukunft der Weltläden allgemein angeht, ist Stefan Dewes aus Dillingen angesichts von Veränderungen nicht bange. "Es gibt eine bestimmte Produktpalette, die jetzt natürlich in den Supermärkten zu erhalten ist, das war ja ein großer Wunsch von denen, die in der Szene tätig sind. Aber: Es gibt die besonderen Produkte, die es exklusiv im Weltladen gibt und da muss man nochmal ein bisschen mehr für werben und sein Augenmerk drauf legen, dass es da noch etwas Besonderes gibt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Wir im Saarland - das Magazin" im SR Fernsehen am 18.09.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen