Eva Lippold (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Mama, eigentlich ist Quarantäne doch cool"

  11.03.2020 | 16:15 Uhr

Auch im Saarland müssen nun immer mehr Menschen in häusliche Quarantäne. SR-Kollegin Eva Lippold hat es ebenfalls getroffen: Ihr 10-jähriger Sohn geht auf eine der beiden Schulen im Regionalverband, die vorsorglich geschlossen wurden. Wie es der Familie in der häuslichen Quaratäne geht, erzählt sie hier.

SR: Wie geht es euch denn?

Eva Lippold: Ach eigentlich geht es uns ganz gut. Wir sind bis auf einen kleinen Schnupfen gesund und machen uns auch keine großen Sorgen, jedenfalls nicht um uns. Ich habe von der Schließung gestern abend gegen kurz vor 22.00 Uhr von der Klassenlehrerin per SMS erfahren. Kurz danach kam dann die Info, dass eben eine Lehrerin der Schule infiziert sei. Wir wissen aber bis jetzt nicht wer das ist. Daher wissen wir auch nicht, ob mein Sohn mit ihr Kontakt hatte.

Wie hat dein Sohn darauf reagiert?

Lippold: Als ich ihm das erzählt habe, war er noch ganz verschlafen. Aber nach zwei Sekunden ging ein breites Grinsen über sein Gesicht und er hat sich gefreut, dass er nicht zur Schule muss. Seine einzige Sorge war, ob seine Klassenlehrerin betroffen ist. Aber da konnte ich ihn beruhigen.

Meine einzige Sorge waren erstmal meine Eltern. Meine Mutter hat nämlich gerade eine schwere Krankheit hinter sich, mein Stiefvater hatte einen Schlaganfall. Mein Sohn hat vorgestern erst bei ihnen übernachtet. Da hatte ich schon so ein schlechtes Gefühl. Und anschließend haben wir auch gesagt, dass wir jetzt erstmal die nächsten Wochen Abstand halten. Aber dass mein Kind dann so schnell in Quarantäne landet, damit haben wir natürlich nicht gerechnet.

Wie ging es denn heute Morgen weiter? Wisst ihr schon Genaueres von der Schule?

Lippold: Im Grunde wissen wir kaum etwas, außer das, was der Regionalverband an die Öffentlichkeit gegeben hat. Die Kinder sind vorerst in Quarantäne und wir Angehörigen auch. Heute Morgen ploppte bei mir dann als erstes die Frage auf: Was ist mit dem Hund? Darf ich überhaupt noch mit dem raus? Ich habe die Runde dann gedreht und dabei streng auf Abstand zu anderen Passanten geachtet.

Danach habe ich dann erstmal rumtelefoniert. Ich wollte eigentlich nur wissen, muss ich mich jetzt krankschreiben? Und ich wollte veranlassen, dass meine Eltern getestet werden. Aber die Hausärztin wollte das nicht, weil sie meine Mutter noch montags gesehen hat und die da noch quietschfidel war. Sie hat mich an die Corona-Notfallnummer verwiesen, die wiederum an das Gesundheitsamt und so weiter.

Wie ging es aus?

Lippold: Vorerst wird niemand getestet, wir sollen abwarten. Und wenn mein Sohn Kontakt zu der Infizierten gehabt hat, dann kommt das Gesundheitsamt selbst auf uns zu. Das andere Ergebnis ist, dass ich nicht krank geschrieben werde, aber auch nicht höhere Gewalt mich am Ausüben meiner Arbeit hindert lag, weil die Quarantäne nämlich nur für die Kinder gilt, sie uns Eltern aber nur empfohlen ist.

Zum Glück habe ich so nen tollen Arbeitgeber, der unbürokratisch Eltern der Kinder in Quarantäne vier Tage bei Lohnfortzahlung freistellt. Ich kann nur hoffen, dass alle betroffenen Eltern solche Arbeitgeber haben.

Wie haben das denn die anderen Eltern aufgenommen?

Lippold: Ich bin noch gar nicht so richtig dazu gekommen, mit denen zu sprechen. Eine Mutter hat mir geschrieben, dass sie heute getestet werden, weil bei ihr eine Vorerkrankung vorliegt und ihre Tochter hustet und Halsweh hat. Aber in der WhatsApp-Gruppe der Klasse, geht es total relaxt zu. Ich hatte erwartet, dass spätestens heute Morgen die Fragen und Panikmeldungen aufploppen, aber überhaupt nichts. Einer hat gefragt, ob die Kinder alle getestet werden. Darauf kam die Antwort der Elternsprecherin das wir abwarten sollen.

Wie geht es jetzt bei euch weiter?

Lippold: Na ja, langweilig ist die Quarantäne bisher jedenfalls nicht. Seit gestern ist nämlich auch mein Freund hier, der aus der frisch erklärten Roten Zone Grand Est kommt. Er lebt in der Nähe von Nancy. Und diese Nachricht hat uns gerade fast mehr schockiert als die Schulschießung. Was das konkret für uns heißt, ob er morgen zurück fährt, ob und wann wir uns dann wiedersehen, das wissen wir alles noch gar nicht. Und das wird sich wahrscheinlich auch ständig ändern.

Jedenfalls hat der dann, während ich telefoniert habe, mit meinem Sohn einen Zug aufgebaut, der hier seit Weihnachten rumsteht. Meinen Eltern geht es auch gut. Die haben keinerlei Symptome, und meine Mutter meinte: Super, dann kann ich endlich all die Dinge zuhause machen, die sonst liegenbleiben. Und mein Sohn sagte eben: Mama, eigentlich ist Quarantäne doch cool. Und zu essen haben wir auch genug. Ein Regal haben wir auch schon an die Wand gedübelt. Also wir warten jetzt erstmal ab.

Vielen Dank Eva, wir wünschen euch natürlich, dass es so bleibt und ihr keine Symptome bekommt!

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