Als der Krieg über uns gekommen war (Foto: Bildarchiv Historisches-Museum-Saar)

Militarisierung an der Saar

Michael Schmitt/red  

Schon lange Zeit bevor der Erste Weltkrieg begann, waren preußische Truppen im Saarrevier stationiert, obwohl eine große Ablehnung gegen sie herrschte. Aber Offiziere und andere militärische Würdenträger gehörten trotzdem bald zum alltäglichen Bild der Saarbrücker.

In Saarbrücken und Saarlouis waren bereits seit 1814/15 preußische Truppen stationiert. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts stieg ihre Zahl. 1887 kam eine Infanteriebrigade nach Saarbrücken. Es folgten 1896 und 1898 zwei weitere Kavallerieeinheiten. Allein in Saarbrücken waren damit rund 2750 Soldaten stationiert. Die Präsenz des Militärs gehörte bald zum Alltag in der Region.      

In den preußischen Saarkreisen überwog allerdings bis weit über die Mitte des 19.Jahrhunderts hinaus die Ablehnung des Militärs. Viele waren gegen die dreijährige Wehrpflicht. Zwar ermöglichte der Militärdienst vielen jungen Arbeitern ein Ausbrechen aus der Enge ihrer Lebensverhältnisse, die Militärzeit blieb wegen ihrer Zumutungen aller Art aber trotzdem unbeliebt. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 änderte sich diese Einstellung gegenüber Preußen. Das preußische Militär kam als Befreier, beendete eine kurze französische Besetzung Saarbrückens. Preußen bestimmt viele Lebensbereiche.                    

Beziehungen zwischen Preußen und saarländischen Familien

Hinzu kamen verwandtschaftliche Beziehungen zwischen wichtigen Militärangehörigen und preußischen Beamten einerseits und Mitgliedern der Industriellenfamilien an der Saar andererseits. 

Waren es in den oberen Schichten verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Menschen in der Region und den Preußen, waren es bei den Arbeitern sozioökonomische Abhängigkeiten. Der Staat hatte immer mehr Lebensbereiche beeinflusst. Er war Arbeitgeber unter anderem in Bergwerken, Schulbehörde der Kinder und durch das Prämienhaussystem Kreditgeber für das Eigenheim. Wer das System kritisierte und für eine Verbesserung der eigenen Lage kämpfte, war schnell mit dem Existenzverlust bedroht. Das zeigte unter anderem die Erfahrung des Bergarbeiterstreiks von 1889 bis 1892.

Die Bedeutung der Kriegsvereine

Eine wichtige Instanz für die Vermittlung der militaristischen Einstellungen waren auch an der Saar die Kriegervereine. Sie basierten auf der Ideologie des Kameradschaftsgefühls. 

Verbunden wurden die Mitglieder unter anderem durch ihre gemeinsame Erfahrung der Militärzeit. In den Jahren vor dem Weltkrieg entstanden in diesen Vereinen auch paramilitärische Aktivitäten. Die Vereine boten zudem reumütigen Bergleuten nach dem großen Streik 1889 bis 1892 Hilfe an. So setzten sie sich dafür ein, dass ihre Mitglieder wieder von der Bergbehörde eingestellt wurden.

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