Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: dpa Bildfunk)

Zwei Saarländer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Caroline Uhl   19.09.2021 | 08:29 Uhr

Im Zusammenhang mit einer der größten Missbrauchsermittlungen in Deutschland sind bisher zwei Saarländer verurteilt worden. Bei Ermittlungen zum Missbrauchskomplex von Bergisch Gladbach waren die Behörden auf die Männer aus dem Saarland aufmerksam geworden. Beide sitzen jetzt im Gefängnis.

Seit fast zwei Jahren ermitteln Beamte aus Nordrhein-Westfalen in dem Komplex, der in Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm. Es geht unter anderem um Kindesmissbrauch und um die Verbreitung von Videos und Fotos, auf denen sexualisierte Gewalt gegen Kinder zu sehen ist. Das Material könnte in hunderten Chatgruppen mit zum Teil fast 2000 Teilnehmern verbreitet worden sein.

Bei der Auswertung der Daten fanden die Ermittler aus Nordrhein-Westfalen Hinweise auf Verdächtige aus ganz Deutschland sowie auf Verdächtige aus sechs weiteren europäischen Ländern. Weit über 300 Tatverdächtige haben die Beamten mittlerweile identifiziert.

Zahlreiche Taten eingestanden

Im Rahmen dieser Arbeit wurden sie auch auf einen heute 23-Jährigen aus dem Saarland aufmerksam. Im Juli vergangenen Jahres nahm ihn die Polizei fest. Wie die Staatsanwaltschaft dem SR nun auf Anfrage mitteilte, wurde der Mann im Februar zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Nach Angaben des Landgerichts sah es die zuständige Kammer als erwiesen an, dass der Mann zwei Kinder schwer sexuell missbraucht hat, eines davon 30 Mal. Mehrfach machte er demnach auch Aufnahmen seiner Taten, die er dann verbreitete.

Laut Staatsanwaltschaft hat der Verurteilte noch weitere Taten zu Lasten weiterer Opfer eingeräumt. Diese Verfahren seien aktuell noch nicht abgeschlossen.

Anderen Männern Zugriff verschafft

Ein zweiter Mann aus dem Saarland, auf den die Polizei ebenfalls im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu Bergisch Gladbach aufmerksam wurde, wurde den Angaben zufolge im März zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Auch dieses Urteil ist rechtskräftig.

Das Landgericht kam zu der Einschätzung, dass der heute 65-Jährige sich unter anderem des sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 30 Fällen schuldig gemacht hat. Außerdem sah es die Kammer als erwiesen an, dass er anderen Männern Zugriff zu kinderpornografischem Material verschafft sowie selbst solches besessen hatte.

Mehr als zehn Prozesse allein in NRW

Vor knapp einem Jahr hatte das Kölner Landgericht einen zentralen Angeklagten im Gesamtkomplex Bergisch Gladbach zu zwölf Jahren Haft mit Sicherungsverwahrung verurteilt. Insgesamt wurden nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft alleine in Nordrhein-Westfalen bisher zwölf Männer rechtskräftig – zu teilweise langen Haftstrafen – verurteilt. Zwei weitere sitzen in NRW noch in Untersuchungshaft.

Der Missbrauchskomplex von Bergisch Gladbach ist neben den Fällen aus Lügde und Münster eine von drei großen Missbrauchsermittlungen aus der jüngsten Vergangenheit – mit Dutzenden Opfern und zahlreichen, oft bis heute noch nicht identifizierten Tätern.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 19.09.2021 berichtet.

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