Der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz bei einer Wahlkampfveranstaltung (Foto: IMAGO / Hartenfelser)

Täuschte NPD-Chef Kleinanleger?

Caroline Uhl   13.09.2021 | 06:00 Uhr

Hat der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz aus Völklingen Geld von Kleinanlegern für sich und sein Umfeld abgezwackt? Diesen Verdacht legen Recherchen von Zeit Online nahe.

Wegen des Anfangsverdachts der Untreue, des Bankrotts und der Geldwäsche ermittelt die Saarbrücker Staatsanwaltschaft gegen den Saarländer Frank Franz, wie die Behörde dem SR bestätigte.

Ende März gab es deshalb bereits Durchsuchungen in den Wohnungen von Franz und dessen Ehefrau in Hessen und im Saarland sowie in Geschäftsräumen in Bremen. Im Zentrum steht eine Verlagsgesellschaft mit Namen Optimaten, deren Geschäftsführer Franz seit der Gründung 2012 bis kurz vor ihrer Insolvenz im Jahr 2016 war.

Täuschte NPD-Chef Frank Franz Kleinanleger?
Audio [SR 3, Caroline Uhl, 13.09.2021, Länge: 00:44 Min.]
Täuschte NPD-Chef Frank Franz Kleinanleger?

Den Recherchen von Zeit Online zufolge steht unter anderem der Verdacht im Raum, dass eine Tochterfirma der Optimaten Geld von Kleinanlegern eingesammelt hat. Dieses soll dann zweckentfremdet zuerst an Franz‘ Verlag und von dort in sein Umfeld abgeflossen sein.

Anlegern war den Recherchen zufolge offenbar nicht naheliegend erkennbar, dass ihr Geld in einem Unternehmen eines NPD-Funktionärs landete.

Verbindungen zum AfD-„Einflüsterer“

Bei all dem beteiligt gewesen sein soll auch der umstrittene Politikberater Tom Rohrböck, der zuletzt als „Einflüsterer“ einer Reihe von AfD-Politikern für Schlagzeilen gesorgt hatte. Auch er ist nach SR-Informationen einer der Beschuldigten in dem Ermittlungsverfahren der Saarbrücker Staatsanwaltschaft.

Franz' Optimaten-Verlag soll Rechnungen in Höhe von insgesamt rund 130.000 Euro an dessen Ehefrau gezahlt haben, sowie an eine Gesellschaft mit Sitz im Saarland. Gegründet 2013, hatte die „Nebel und Vergeltung Verlag GmbH“ ihren Sitz in Homburg, als Geschäftsführerin ist eingetragen: Rohrböcks Ehefrau.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei den Rechnungen, die im Namen von Franz' Ehefrau sowie von der GmbH ausgestellt und von Franz‘ Optimaten-Verlag bezahlt worden sein sollen, um Scheinrechnungen gehandelt haben könnte.

Auf diesem Wege soll Geld aus Franz‘ Verlag in dessen Umfeld abgeflossen sein. Der letztliche Verwendungszweck ist demnach unklar.

NPD: Weniger Zuspruch, weniger Einnahmen

Seit dem Jahr 2014 ist Frank Franz Bundesvorsitzender der rechtsextremen NPD. Die Partei verliert seit Jahren an Bedeutung. Ihre Mitgliederzahl hat sich laut Verfassungsschutzbericht zwischen 2010 und 2020 mit zuletzt noch 3500 Mitgliedern fast halbiert.

Bei Bundestagswahlen schwand ihr Zuspruch seit 2005 von Wahl zu Wahl. Und auch bei den Einnahmen ging es zuletzt kontinuierlich nach unten: Laut Rechenschaftsbericht haben sich die Gesamteinnahmen der Partei zwischen 2010 und 2019 fast halbiert.

Finanzierte der NPD-Bundeschef über das Verlagskonstrukt also möglicherweise auch seine politischen Aktivitäten – oder die seiner Partei? Die Staatsanwaltschaft sieht dafür bisher „keine konkreten Hinweise“. Frank Franz und Tom Rohrböck äußerten sich auf SR-Anfrage bisher nicht.

Im Januar hatte Franz über die Internetseite der NPD die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren als "falsch" zurückgewiesen.

Franz Autor auf Rohrböck-Portalen

Franz' mutmaßlicher Vertrauer Tom Rohrböck hatte vor gut zehn Jahren zeitweilig in Homburg gelebt. Er war bis 2011 auch knapp ein Jahr lang Mitglied der Saar-FDP gewesen und verfügte über Kontakte bis in die damalige Parteispitze hinein. Zeitgleich hatte er SR-Recherchen zufolge bereits Kontakt zu Vertretern verschiedener rechtsextremer Organisationen.

Auf einer Onlineplattform, die Rohrböck seinerzeit von Homburg aus betrieb, waren Texte unter dem Namen von Frank Franz veröffentlicht. Er war damals bereits saarländischer Landeschef der NPD.

Rohrböck seinerseits beschrieb schon 2010 auf dieser Plattform seine Vorstellung einer neuen deutschen Rechten nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ. Zudem war er Gastgeber des berüchtigten Monopoly-Abends, bei dem Vertreter der Saar-FDP mit Franz an einem Tisch ein Gesellschaftsspiel spielen sollten.

Zuletzt hatte Rohrböck für Schlagzeilen gesorgt, weil er laut Recherchen von NDR, WDR und Zeit vor allem Bundestagsabgeordnete der AfD in großem Stil politisch beraten und dabei möglicherweise massiven Einfluss auf die Ausrichtung der Partei genommen hatte. Der saarländische AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth gab auf Anfrage des SR an, Rohrböck nicht zu kennen.

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