Demonstration zum Earth overshoot Day (Archivbild) (Foto: picture alliance / Zoonar | MARTIN VON CREYTZ)

Natürliche Ressourcen für dieses Jahr aufgebraucht

Anne Staut   28.07.2022 | 08:41 Uhr

Die Weltbevölkerung lebt auf Pump: Alle natürlichen Ressourcen der Erde für dieses Jahr sind nämlich schon jetzt aufgebraucht. Um seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, kann jeder auch im Alltag etwas tun.

Der Erdüberlastungstag fällt in diesem Jahr auf den 28. Juli. Ab heute verbrauchen die Menschen mehr natürliche Ressourcen, als ihnen für dieses Jahr eigentlich zur Verfügung stehen würden. Nach Berechnungen des Global Footprint Network benötigen die Menschen derzeit rund 1,75 Erden.

In Deutschland ist die Situation sogar noch gravierender. Würden die Ressourcen der Erde zu gleichen Anteilen auf alle Länder gemäß der Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner verteilt, hätte Deutschland seinen Anteil im Jahr 2022 bereits Anfang Mai aufgebraucht, heißt es auf der Website des Umweltbundesamtes. Wenn jedes Land so viele Ressourcen verbrauchen würde wie Deutschland, sei die Landfläche von mehr als drei Erden notwendig.  

Klima-Tipps für den Alltag

Um ressourcenschonender zu leben, kann jeder Einzelne mithelfen. Einsparmöglichkeiten gibt es etwa in den Bereichen Mobilität, Energie oder auch beim Einkauf, sagt der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Saarland, Christoph Hassel.

Er empfiehlt zum Beispiel das Auto öfter stehen zu lassen und kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu bewältigen oder auch den Öffentlichen Personennahverkehr öfter zu nutzen.

"Der ÖPNV ist oft besser als sein Ruf", so Hassel. Er hofft deshalb auch, dass eine Anschlussregelung für das Neun-Euro-Ticket gefunden wird, um den ÖPNV noch attraktiver zu machen. Im städtischen Bereich könnte man zudem auch auf Carsharing-Angebote zurückgreifen.

Ressourcenschonend leben und einkaufen

Doch auch zuhause kann man einiges tun, um Energie zu sparen und klimaneutraler zu leben. Einige Tipps sind etwa:

  • Licht ausschalten, wo es nicht benötigt wird
  • Standby-Geräte ausschalten
  • LED-Leuchten einsetzen
  • Raumtemperatur um ein Grad senken

"Größere Einsparungen sind durch energetische Sanierungen möglich", so Hassel. Er rät dazu entsprechende Beratungsangebote etwa der Verbraucherzentrale zu nutzen.

Auch beim Einkauf lassen sich einige einfache Regeln beachten:

  • Produkte kaufen, die sich reparieren lassen
  • Auf Mehrweg statt Einweg setzen
  • Bio, regional und fair einkaufen (kurze Transportwege, weniger Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln)
  • Geräte wie etwa Rasenmäher zusammen mit Nachbarn kaufen und gemeinsam nutzen

Wer schauen will, wie viel CO2 er verbraucht, kann dafür den entsprechenden Rechner des Umweltbundesamtes nutzen.

Aufgabe auch für Politik

Ein Umdenken muss jedoch nicht nur beim Einzelnen, sondern auch bei Politik und Unternehmen stattfinden. Die Bundesregierung müsse klare gesetzliche Vorgaben in die Wege leiten, die den planetaren Grenzen Rechnung trügen: Für den Ressourcenschutz, die Energieeffizienz und den Bodenschutz, so der Vorsitzende des BUND Deutschland, Olaf Bandt.

Gefordert werden unter anderem ein generelles Tempolimit auf Autobahnen sowie gesetzliche Vorgaben für die energetische Modernisierung von Gebäuden oder auch den geringeren Einsatz von energieintensiven Düngemitteln in der Landwirtschaft.

Ähnlich äußert sich die Organisation Germanwatch. Ihrer Ansicht nach tragen Deutschland und die EU "eine besondere Verantwortung, ihren ökologischen Fußabdruck nachhaltig zu reduzieren."

Die EU müsse ihre Unternehmen verpflichten, Verantwortung zu übernehmen und ihre Geschäftsmodelle an den planetaren Grenzen und der Achtung der Menschenrechte auszurichten.

Erdüberlastungstag rückt weiter nach vorne

Laut Germanwatch verbrauchte die Weltbevölkerung 1970 zum ersten Mal mehr Ressourcen, als auf der Erde für dieses Jahr vorhanden waren. 2000 rückte der Erdüberlastungstag vom Dezember in den September.

Seit 2018 fällt er bereits auf Ende Juli. Ausnahme war das Jahr 2020. Wegen der Coronapandemie waren die Ressourcen in diesem Jahr den Berechnungen nach erst später aufgebraucht.

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