Für die Umwelt: Junge Leute bauen in Luxemburg ein ‚Erdschiff‘ (09.11.2020)

Ein Haus aus Lehm und Glasflaschen

Beitrag von Marc-André Kruppa / Onlinefassung: Cathy Huyer   15.11.2020 | 19:56 Uhr

Sie bestehen aus recycelten Materialien, Zivilisationsmüll wie Autoreifen und Naturprodukten wie Lehm: Erdschiffe oder Earthships. Die Ökohäuser sind in der Energiegewinnung und Wasserversorgung völlig autark. In Luxemburg wird seit einem Jahr ein Erdschiff gebaut – von einer Gruppe Jugendlicher.

Das Prinzip des Erdschiffs basiert auf der Idee eines völlig Energie-autarken und nachhaltigen Gebäudes. So ist die Südfassade eines solchen Hauses meistens aus Glas, um die Wärme des Sonnenlichts einzufangen. Zur Wärmespeicherung dienen oft mit Erde gefüllte Autoreifen. Als Baumaterialien werden entweder recycelter Zivilisationsmüll wie Flaschen und alte Autoreifen verwendet oder natürliche Stoffe wie Hanf, Lehm und Holz.

Entwickelt wurde die Idee des Erdschiffs in den 70er Jahren von dem amerikanischen Architekten Michael Reynolds, und zunächst wurden auch die meisten Erdschiff-Projekte in den USA realisiert. Mittlerweile gibt es weltweit Häuser, die nach Erdschiff-Modell gebaut wurden. In Deutschland existiert bisher ein solches Öko-Haus in Baden-Württemberg.

Jugendliche errichten das Haus

Seit einem Jahr wird nun auch in Luxemburg ein Erdschiff gebaut und zwar von der Jugendinitiative „Zentrum für Ökologisches Lernen“. Das luxemburgische Model-Projekt wird nicht von Ingenieuren und Architekten gebaut, sondern von einer Gruppe Jugendlicher, die das Haus vom ersten Stein an Stück für Stück selbst errichten.

Auch beim Luxemburger Erdschiff setzt man auf eine verglaste Fassade. Der Strom wird durch Solarzellen auf dem Dach gewonnen. Hier wird auch das Regenwasser gesammelt, das dann als Trinkwasser und zum Duschen verwendet wird.

Jeder, der sich für Nachhaltigkeit interessiert, kann bei dem Projekt mitmachen. Ziel ist, dass die Jugendlichen zum einen handwerkliche Tätigkeiten kennenlernen und zum anderen mehr über ökologische Bauweise und Nachhaltigkeit erfahren.

Diskussionsort für Nachhaltigkeit

Wenn es fertig ist, soll das Erdschiff ein Diskussionsort für alle werden, denen Nachhaltigkeit und Ökologie wichtig ist. Für Annik Meiers, Mitglied der Projektleitung soll das Projekt dazu anregen Dinge kritisch zu hinterfragen, "zum Beispiel über die Reifen, die wir hier verwenden, die sind immer noch ein Problem in unserer Gesellschaft. Die Recycling-Prozesse sind bei Reifen noch nicht so gut, und darüber sollte man mal nachdenken."

Sarah El F'arah ist von dem Projekt begeistert. Sie hat als Flugbegleiterin und Tourismusagentin gearbeitet, ist aber durch die Coronakrise arbeitslos geworden. Nun arbeitet sie am Erdschiff mit: "Hier lerne ich etwas und treffe neue Leute." Wie Sarah geht es den meisten jungen Leuten hier. Sie sind fast alle entweder auf Jobsuche oder befinden sich in einer beruflichen Umorientierungsphase.

Bis das Luxemburger Erdschiff fertig gebaut ist, können noch alle interessierten Jugendlichen mithelfen.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung „Wir im Saarland – Grenzenlos“ am 9.11.2020 berichtet  

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