Euro-Geldscheine (Foto: picture alliance/dpa/Robert Schlesinger)

Mehr als ein kleiner Unterschied

Karin Mayer   10.03.2021 | 12:04 Uhr

Frauen im Saarland verdienen im Durchschnitt 20 Prozent weniger als Männer. Der Einkommensunterschied zwischen beiden Geschlechtern ist damit größer als im Bundesdurchschnitt – ein Thema für Gewerkschaften, Landespolitik und Wirtschaftsorganisationen am Equal Pay Day im Saarland.

Wer bundesweit die Durchschnittslöhne von Männern und Frauen vergleicht, kommt auf 18 Prozent Lohngefälle – weniger als im Vorjahr. Grund sind aber nicht höhere Einkommen von Frauen, sondern Einkommensverluste und Kurzarbeit im Corona-Jahr 2020. Im Saarland verdienen Männer einen durchschnittlichen Stundenlohn von 21,51 Euro, bei Frauen sind es 17,12 Euro.

Video [aktueller bericht, 10.03.2021, Länge: 3:09 Min.]
Legen Frauen besser Geld an?

Über die Jahre haben sich die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen kaum geändert. Im Jahr 2006 lag der unbereinigte Gender Pay Gap bei 23 Prozent. „Das liegt auch an der hohen Teilzeitquote“, sagt Pia Müller, Landesbezirksfrauensekretärin bei Verdi Rheinland-Pfalz-Saarland.

Bereinigter Pay Gap bei sechs Prozent

Alle vier Jahre wird der bereinigte Unterschied im Einkommen von Männern und Frauen berechnet. Er vergleicht die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in gleichen Berufen, mit gleicher Qualifikation und Arbeitserfahrung. 2018 lag die bereinigte Lohnlücke bei sechs Prozent.

Fast die Hälfte der Frauen arbeitet nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Teilzeit, aber nur zehn Prozent der Männer im Saarland haben Teilzeitjobs. Dadurch verstärkt sich der Lohnunterschied. Denn Teilzeit-Stundenlöhne sind laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) um 17 Prozent niedriger als Vollzeitstundenlöhne. Wichtiger Ansatz in der Frauen- und Gleichstellungspolitik für Verdi-Gewerkschaftssekretärin Pia Müller: Die Arbeitszeit muss anders verteilt werden.

Geringer bezahlte Ausbildungsberufe

Der Verband der Metall- und Elektroindustrie (ME Saar) verweist auf die Berufswahl. Junge Frauen entschieden sich noch immer für Ausbildungsberufe, die später nicht gut bezahlt werden. Deshalb setze sich der Verband dafür ein, das Interesse von Frauen für naturwissenschaftlich-technische Berufe zu stärken. Hier seien auch Schulen und Familien gefragt.

Ein gesellschaftliches Thema ist laut ME Saar, dass Frauen häufiger für die Kinderbetreuung die Arbeitszeit reduzieren. Der Verband schlägt vor, die Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu verbessern.

Tarifvertrag mindert Lohnlücke

„Tarifverträge helfen, die Lohnlücke zu verringern“, berichtet Pia Müller von Verdi. In tarifgebundenen Branchen fielen die Unterschiede kleiner aus.

Das Problem: Frauen arbeiten häufig in Bereichen ohne Tarifvertrag. Sie sind seltener Gewerkschaftsmitglieder. „Teilzeitbeschäftigte haben oft keinen Raum, sich gewerkschaftlich zu organisieren“, sagt Müller.

Politik ist gefordert

Helfen würden allgemeinverbindliche Tarifverträge. Die scheitern aber meist an der Zustimmung der Arbeitgeber. Die Politik könnte die Weichen dafür stellen, dass allgemeinverbindliche Tarifverträge einfacher zustande kommen können, so Müller.

Die Arbeitskammer des Saarlandes verlangt eine echte Aufwertung von frauendominierten Berufen. Zwar habe es bei den Gesundheitsberufen bereits Verbesserungen gegeben, Corona-bedingte Sonderzahlungen seien aber nicht ausreichend.

Die Saar-Grünen verlangen eine Bundesratsinitiative des Saarlandes für gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) will sich für echte Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern einsetzen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 10.03.2021 berichtet.



10.03.2021, 12:30 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es: Männer im Saarland verdienen im Durchschnitt 20 Prozent mehr als Frauen. Korrekt ist: Frauen verdienen im Durchschnitt 20 Prozent weniger als Männer. Der Unterschied ergibt sich daraus, welcher Wert als Ausgangsbasis benutzt wird. Im Falle des Gender Pay Gaps ist das der Verdienst der Männer. Wird der Durchschnittsverdienst der Frauen als Ausgangsbasis genommen, verdienen Männer 26 Prozent mehr.

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