Mehrfamilienhaus (Foto: dpa)

Viele Saarbrücker leben in zu teuren oder zu kleinen Wohnungen

  15.06.2021 | 13:18 Uhr

Rund 27.800 Saarbrücker Haushalte lebten 2018 in zu teuren oder zu kleinen Wohnungen. Das ist das Ergebnis einer Studie zu Wohnverhältnissen in deutschen Großstädten. Insgesamt hat sich die Lage am Wohnungsmarkt für Mieter in der saarländischen Landeshauptstadt in den letzten Jahren aber etwas entspannt.

Die saarländische Landeshauptstadt gehört nach den Ergebnissen einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderteten Studie zu den zehn untersuchten Städten mit der größten Verbesserung der Wohnungsmarktsituation.

2006 hatten noch 69,6 Prozent der Haushalte in einer Wohnung gelebt, die nicht der im Sozialrecht vorgegebenen Mindestwohnfläche entsprach oder mehr als 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens kostete. Obwohl sich die Lage seither entspannt hat, lebten 2018 immer noch 59,29 Prozent der Haushalte in einer zu kleinen oder zu teuren Wohnung.

Einkommensschwache Haushalte besonders betroffen

Auch bundesweit gibt es zwar eine leichte Entspannung am Wohnungsmarkt, was laut den Studienmachern daran liegt, dass die Einkommen im Untersuchungszeitraum stärker gestiegen sind als die Wohnkosten. Mehr als die Hälfte der rund 8,4 Millionen Haushalte in deutschen Großstädten wohnten 2018 jedoch noch in zu kleinen oder zu teuren Wohnungen.

Besonders betroffen von der Situation sind laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einkommensschwache Haushalte. In Haushalten an der Armutsgrenze, die maximal 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Großstädter zur Verfügung haben, betrage die Mietbelastung im Mittel rund 46 Prozent. Mieterhaushalte mit einem hohen Einkommen von mehr als 140 Prozent des mittleren Einkommens müssten hingegen im Mittel nur knapp 20 Prozent für die Warmmiete ausgeben.

Die Saarländische Armutskonferenz hatte zuletzt darauf hingewiesen, wie steigende Mieten vor allem Empfänger von Grundsicherung belasten. Ein Grund dafür: Die Grenzwerte, bis zu denen das Sozialamt die Miete zahlt, stimmen immer seltener mit den realen Preisen überein. 

Mehrere Maßnahmen notwendig

Um die Situation zu verbessern, könne ein mehrgleisiger Ansatz helfen, erklärt Stadtsoziologe Dr. Andrej Holm von der Humboldt-Universität. Unter anderem sollten bestehende Mietpreise geschützt und der soziale Wohnungsbau mit Mietbindungen gestärkt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei auch die Einkommenssituation der Mieterinnen und Mieter. Ohne wirksame Maßnahmen zur Auflösung des weit verbreiteten Niedriglohnsektors sei eine soziale Wohnversorgung in den Großstädten nicht zu gewährleisten, so der HU-Forscher.  

Zur Studie

Für die Studie hat die Berliner Humboldt-Universität untersucht, wie sich die Wohnverhältnisse zwischen 2006 und 2018 in 77 deutschen Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern und Einwohnerinnen verändert haben. Als Basis diente den Forscherinnen und Forschern der Mikrozensus 2018, der die neusten verfügbaren Daten zu Wohnverhältnissen liefert. Alle vier Jahre werden in der Haushaltsbefragung Daten zu den Wohnbedingungen erfasst.

Als zu teuer gilt eine Wohnung dann, wenn Warmmiete und Nebenkosten mehr als 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens umfassen. Besonders problematisch ist das für Haushalte mit niedrigem Einkommen, weil dann nur noch wenig Geld für andere Lebensbereiche übrig bleibt. Als angemessene Größe wurde die im Sozialrecht als solche ausgewiesene Quadratmeterzahl pro Kopf eines Haushaltes zugrunde gelegt.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 15.06.2021 berichtet.

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