Das Gebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Homburg (Foto: Imago Images /Becker & Bredel)

Entschädigung für Opfer des UKS-Missbrauchsskandals geplant

Thomas Gerber   02.06.2021 | 07:02 Uhr

Die Opfer des mutmaßlichen Missbrauchsskandals an der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie können mit einer finanziellen Wiedergutmachung rechnen. Allerdings nicht in Form eines klassischen Entschädigungsfonds.

Finanzielle Wiedergutmachung gehört nach Angaben von Regierungssprecher Alexander Zeyer (CDU) zum Arbeitsauftrag der vom Aufsichtsrat des Uniklinikums eingesetzten Unabhängigen Aufarbeitungskommission.

Wiedergutmachung für UKS Missbrauchsopfer geplant
Audio [SR 3, (c) SR 3 Thomas Gerber, 02.06.2021, Länge: 00:56 Min.]
Wiedergutmachung für UKS Missbrauchsopfer geplant

Am Rande der Vernehmung der Justiziarin der Uni-Klinik war im Untersuchungsausschuss auch die Rede von einem Opferfonds. Einen klassischen Fonds zur Entschädigung der Opfer kann und wird es laut Zeyer nicht geben, da das Ermittlungsverfahren gegen den beschuldigten Assistenzarzt nach dessen Tod eingestellt worden war.

Konkrete Straftaten und Opfer seien deshalb nicht festgestellt worden. Trotzdem sei eine finanzielle Wiedergutmachung notwendig, sagt der CDU-Abgeordnete Herrmann-Josef Scharf im Untersuchungsausschuss. Viele der kleinen Patienten des inzwischen verstorbenen Assistenzarztes der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie litten noch immer unter dessen sexuell motivierten Untersuchungsmethoden, verweigerten bis heute Arztbesuche.

Klinikleiter beschuldigt

In der Vernehmung der UKS-Justiziarin war am Dienstag erneut deutlich geworden, dass der damalige Klinikleiter treibende Kraft war, die Vorfälle unterm Deckel zu halten. Von ihm sei sie beauftragt worden, die Staatsanwaltschaft von ihrem Vorhaben abzubringen, die Eltern zu informieren.

Zwar wäre die UKS selbst dazu eigentlich verpflichtet gewesen, aber es gebe im Gesetz Ausnahmen von der Regel. Und auf diese Ausnahme - aus medizinisch-therapeutischen Gründen auf eine Information zu verzichten - setzte der Klinikchef selbst: Er warnte vor einer nachträglichen Viktimisierung.

Dass der Klinikchef in der Sache befangen sein könnte - es ging ja um das Ansehen seiner Person und seiner Klinik - kam der Juristin damals nicht in den Sinn. Heute, sagte sie, würde sie vermutlich einen externen Experten hinzuziehen.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 02.06.2021.

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