leere Geldbeutel (Foto: (c) dpa)

"Entlastungspaket reicht bei Weitem nicht"

  28.04.2022 | 16:41 Uhr

In Deutschland steigen die Preise wie seit 40 Jahren nicht mehr. Das sogenannte "Entlastungspaket" soll vor allem Familien mit niedrigen Einkommen helfen. Doch das reicht bei Weitem nicht, sagt Manfred Klasen von der Saarländischen Armutskonferenz im SR-Interview.

Das Bundeskabinett hat wegen der stark gestiegenen Energiepreise ein milliardenschweres Entlastungspaket beschlossen. Unter anderem soll die Energiesteuer auf Kraftstoffe befristet für drei Monate gesenkt werden.

Video [aktueller bericht, 28.04.2022, Länge: 2:33 Min.]
Schwierige Finanzlage des Saarlandes

Einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige sollen zum Ausgleich der hohen Energiekosten eine Pauschale von einmalig 300 Euro brutto bekommen. Außerdem wird das Kindergeld einmalig um 100 Euro pro Kind angehoben und Empfänger von Sozialleistungen erhalten einmalig 100 Euro.

Vor allem Sozialverbände üben daran Kritik. Hintergrund ist, dass von dieser Pauschale nur Erwerbstätige profitieren, nicht aber beispielsweise Rentner.

"Reicht bei Weitem nicht"

Auch Manfred Klasen von der Saarländischen Armutskonferenz übt im SR-Interview deutliche Kritik: Vor allem bei den Beziehern von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe reichten die Beträge "bei Weitem nicht", um die jetzt anfallenden Kosten zu decken. "Wir gehen davon aus, das man 500 bis 1200 Euro im Jahr brauchen würde, um die Kosten zu decken. Das wäre angemessen und notwendig."

Armutskonferenz: "100 Euro im Monat für Leistungsbezieher wären angemessen und notwendig"
Audio [SR 3, Moderation: Renate Wanninger, 28.04.2022, Länge: 02:29 Min.]
Armutskonferenz: "100 Euro im Monat für Leistungsbezieher wären angemessen und notwendig"

Für Menschen die bereits am Existenzminium lebten und die keinerlei Reserven haben, seien die jetzigen Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie nicht zu stemmen. "Das ist eine Katastrophe", so Klasen. Es brauche eine Erhöhung der Sozialleistungen. Die Erhöhung im letzten Jahr um ein paar Euro sei "ein Witz" gewesen und könne die Kostensteigerung nicht auffangen.

Mehr Menschen könnten in Armut abrutschen

Große Sorgen macht sich der Experte auch um die Menschen, die momentan noch knapp über der sogenannten "Armutsgrenze" leben, die also aktuell noch keine Sozialleistungen erhalten. Diese seien besonders gefährdet, durch die aktuellen Preissteigerungen komplett in die Armut abzurutschen. Vor allem Rentner seien besonders gefährdet, weil sie die Erhöhungen aus eigener Kraft tragen müssten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 28.04.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja