Blaulicht der Polizei (Foto: picture alliance/Fotostand/K. Schmitt)

Nach spektakulärer Entführung: Saar-Polizei sucht nach weiteren Tätern

Thomas Gerber   10.03.2023 | 14:46 Uhr

Im Januar haben ein Restaurantbesitzer aus Saarlouis und ein Fitnessstudio-Beitreiber aus Saarbrücken einen Frankfurter Musikmanager entführt. Nach ihrer Festnahme sucht die saarländische Polizei nach weiteren Tätern. Nun sind weitere Details zu dem spektakulären Fall bekannt geworden.

Die Polizei geht in dem spektakulären Entführungsfall nach SR-Informationen inzwischen nicht mehr von zwei, sondern von insgesamt vier Tätern aus. Sie sollen ihr Opfer, bei dem es sich um einen erfolgreichen Manager aus der Deutsch-Rap-Szene handeln soll, Ende Januar wegen eines geplanten Drogengeschäfts in einen Hinterhalt gelockt haben.

In der Nähe eines abgelegenen Anwesens nahe Neu-Isenburg bei Frankfurt sollen sie dann gegen 18.20 Uhr über den 41-Jährigen hergefallen sein und ihn mit Faustschlägen und Tritten traktiert haben.

Danach verschleppten sie ihn nach Saarbrücken. Nach der Festnahme der beiden mutmaßlichen Haupttäter, die die Entführung geplant haben sollen, suchen die Ermittler nun nach zwei an der Tat beteiligten Männern. Dabei soll es eine erste heiße Spur geben. Wohin die führt, war zunächst nicht zu erfahren.

"Inzwischen geht man von vier Tätern aus"
Audio [SR 3, Moderation: Gerd Heger, 10.03.2023, Länge: 03:48 Min.]
"Inzwischen geht man von vier Tätern aus"

Orientierungslos durch Sturmhaube

Zum Kidnapping liegen dem SR inzwischen weitere Informationen vor. Die vier mutmaßlichen Entführer sollen demnach, nachdem sie den 41-Jährigen überwältigt hatten, ihn in einen Mercedes gesetzt und fixiert haben.

Nach Angaben des Opfers wurde ihm eine Sturmhaube übers Gesicht gezogen, so dass er zunächst nicht mitbekommen habe, wohin die Fahrt ging. Seinen eigenen Wagen – ein Mercedes AMG im Wert von rund 70.000 Euro – fuhr offenbar einer der Kidnapper nach Saarlouis, wo er später auch sichergestellt wurde.

Ihn selbst brachten die Täter nach Saarbrücken in die Dudweilerstraße. Im Keller einer Gaststätte sollen sie den schwer verletzten Mann auf einen Stahlsessel gesetzt und Arme und Beine mit Klebeband fixiert haben. Die Entführer sollen erneut auf ihn eingeprügelt und 100.000 Euro gefordert haben.

All das spielte sich, so der Ermittlungsstand, am späten Abend des 23. Januar ab. Nachdem sich der 41-Jährige geweigert habe, das Geld zu zahlen, sollen die Täter ihm eine "Bedenkzeit" bis Mittwoch gesetzt haben.

Fast zwei Tage hätte der 41-Jährige also ausharren müssen – fixiert auf einem Stuhl, in einer zwei auf zwei Meter großen Kammer, wobei das Kühlaggregat eingeschaltet war und ständig Piepsgeräusche von sich gegeben haben soll. Die Raumtemperatur lag nach SR-Informationen bei 3,4 Grad.

Opfer gelingt Flucht aus Kühlraum

Nach rund drei Stunden konnte sich der Mann dann aber selbst befreien, das Klebeband lösen und auch die nur provisorisch mit einem Seil verschlossene Tür der Kühlkammer öffnen. In dem Kellerraum davor befand sich ein Lichtschacht. Der 41-Jährige konnte Passanten auf sich aufmerksam machen.

Polizei und Feuerwehr befreiten ihn aus dem mit einer Stahltür verschlossenen Kellerraum. Der Mann wurde mit heftigen Gesichtsverletzungen und Prellungen in eine Klinik gebracht. In der Kühlkammer fanden die Ermittler unter anderem blutverschmiertes Klebeband. Dieses und andere am Tatort sichergestellte Beweisstücke scheinen die Angaben des Opfers über seine eigene Entführung weitgehend zu bestätigen.

Die beiden Hauptverdächtigen wurden am 8. Februar von Spezialkräften der Polizei in Saarlouis beziehungsweise Saarbrücken festgenommen. Sie sitzen seither in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem erpresserischen Menschenraub vor. Die Suche nach den beiden mutmaßlichen Komplizen läuft laut Polizei auf Hochtouren.

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