Elterntaxi zur Schule (Foto: dpa)

Schulen klagen weiter über Elterntaxis

Kai Forst   19.01.2020 | 10:07 Uhr

Sie sind vielen Städten und Schulen ein Dorn im Auge: Besorgte Eltern, die ihre Kinder bis zur Schulbank chauffieren. Das Ergebnis: Verkehrschaos beim Bringen und Abholen. Während die Stadt Saarbrücken gute Erfahrungen mit Elternhaltestellen macht, fehlt dafür an den meisten Schulen der nötige Platz.

Parken an Bushaltestellen, im Halteverbot, an Zebrastreifen oder in zweiter Reihe: Elterntaxis sorgen an Schulen tagtäglich für chaotische Szenen - und bringen damit die Kinder in Gefahr. Längst wurde in mehreren Studien nachgewiesen, dass jährlich mehr Kinder im Pkw der Eltern zu Schaden kommen als durch die selbstständige Mobilität zu Fuß. Die Lösung: Elternhaltestellen, die in einem gewissen Abstand zur Schule errichtet werden und so den Verkehr beim Bringen und Abholen entzerren sollen.

Elterntaxis an Schulen ein Problem
Video [SR.de, (c) SR, 17.01.2020, Länge: 02:00 Min.]
Elterntaxis an Schulen ein Problem

Fünf Elternhaltestellen in Saarbrücken

Saarbrücken machte im Frühjahr 2018 den Anfang und startete mit vier Schulen ein Pilotprojekt. Fast zwei Jahre später zieht die Stadt nun eine positive Bilanz. „Die Erfahrungen mit den Elternhaltestellen sind bisher überwiegend positiv“, teilte eine Sprecherin mit. Inzwischen sei neben den Schulen in Dudweiler, St. Arnual, St. Johann und auf dem Rotenbühl auch noch eine so genannte „Kiss & Go-Zone“ für die Marienschule in Alt-Saarbrücken errichtet worden.

Doch trotz des grundsätzlich positiven Feedbacks: Ganz aus der Welt geschafft hat man das Problem noch nicht. Vor allem an Nachmittagen nutzten Eltern die Bereiche oft zu lange zum Halten, während sie auf ihre Kinder warteten. „Insofern sind die Elternhaltestellen an Nachmittagen noch nicht so effektiv wie gewünscht.“

Der Frust ist groß

In anderen Saar-Kommunen ist die Problematik freilich noch größer. Denn abseits von Saarbrücken sind die Elternhaltestellen noch seltener. Allerdings nicht, weil die Städte und Schulen sich sperren – im Gegenteil. Es fehlt allerdings an den räumlichen Rahmenbedingungen. So teilte die Stadt Neunkirchen auf Anfrage mit, dass es am entsprechenden Parkraum in Schulnähe mangele. Und der sei zwingend notwendig, denn: „Eltern lassen ihre Kinder nicht einfach aussteigen, sondern tragen ihnen den Ranzen noch bis an die Schulbank“, so ein Sprecher. Das führe dazu, dass insbesondere zu Schulbeginn „der gesamte zur Verfügung stehende Verkehrsraum durch Elternfahrzeuge belegt wird“.

Eine ähnliche Situation in Völklingen: Auch hier führen die Elterntaxis zu Frust bei Schulen und Stadtverwaltung. Es sei längst zur Mode geworden, dass die Mehrheit der Eltern ihre Kinder mit dem Auto direkt bis zum Eingang der Schule bringen, heißt es aus der Stadtverwaltung. Grundsätzlich stehe man den Elternhaltestellen sehr positiv gegenüber. „Da sich die Grundschulen und angeschlossenen Kitas aber in der Regel in Wohngebieten befinden, besteht oftmals nicht die bauliche Möglichkeit, eigens eingerichtete Elternhaltestellen einzurichten.“ Dennoch prüfe man mit den zuständigen Fachdiensten, ob künftig an einigen Schulen Haltezonen möglich seien.

Alternativen in Eigenregie

Gleiches Bild in St. Wendel und Merzig: Probleme mit den parkenden Eltern gibt es auch dort, Haltezonen fehlen bislang allerdings – vor allem aus baulichen Gründen. Auch in Saarlouis haben die Schulen mit den Elterntaxis zu kämpfen. Offizielle Elternhaltestellen gibt es laut Stadt zwar nicht, allerdings hat die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit einigen Schulen nach Alternativen gesucht – und gefunden. So wurde am Gymnasium am Stadtgarten etwa ein separater Bereich zur An- und Abfahrt eingerichtet. An der Klosterschule im Stadtteil Fraulautern wurde ein Teil des Schulhofes abgetrennt, der nun als Absetzzone genutzt werden kann. Die Grundschule in Lisdorf hat in Eigenregie einen Eltern-Parkplatz eingerichtet.

Zu drastischeren Mitteln hatte jüngst eine niedersächsische Schule gegriffen: Weil die Eltern trotz jahrelanger Appelle nicht einsichtig waren, hat die Bürgermeisterin die testweise die Zufahrtsstraße zu einer Schule gesperrt. Mit der Aktion erhoffen sich Stadt und Schule ein Umdenken bei den Eltern. Wie wichtig das wäre, zeigt ein Beispiel aus Magdeburg. Dort wurde Erstklässlern jüngst verboten, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Der Grund: Zu groß ist die Gefahr für die Kinder durch die Massen an Elterntaxis.

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