Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern (Foto: picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Eltern sauer über reduzierte Kita-Öffnungszeiten

mit Informationen von Patrick Wiermer   21.09.2021 | 15:56 Uhr

In vielen Kitas im Land gelten seit Kurzem wieder verkürzte Öffnungszeiten. Grund ist eine Empfehlung der zuständigen Ministerien, dass Gruppen möglichst wieder getrennt betreut werden sollen, um Massen-Quarantänen zu vermeiden. Der Landeselternausschuss übt daran heftige Kritik.

Vor rund zwei Wochen hatten Sozialministerium und Bildungsministerium eine gemeinsame Empfehlung an die Kita-Träger herausgegeben. Der Inhalt: Um zu vermeiden, dass bei einem Infektionsfall gleich die komplette Einrichtung in Quarantäne muss, sollten die Träger die Betreuung wieder in voneinander getrennten Gruppen oder Gruppen-Tandems organisieren.

Eltern verärgert über reduzierte Kita-Öffnungszeiten
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 21.09.2021, Länge: 02:35 Min.]
Eltern verärgert über reduzierte Kita-Öffnungszeiten

Wie bei den Schulen wurde zudem auch in den Kitas die Möglichkeit einer "Freitestung" mittels PCR-Test geschaffen: Nach fünf Tagen konnten enge Kontaktpersonen einen PCR-Test machen, um die Quarantäne zu beenden.

Folgen für Öffnungszeiten

Diese Empfehlung hatte in vielen Einrichtungen zur Folge, dass die Öffnungszeiten wieder eingeschränkt wurden. Denn: Um Gruppen den ganzen Tag getrennt zu halten, bräuchte es insgesamt mehr Personal.

"Einige Eltern haben richtig Existenzsorgen"
Audio [SR 2, Holger Büchner / Patrick Wiermer, 22.09.2021, Länge: 03:45 Min.]
"Einige Eltern haben richtig Existenzsorgen"

Normalerweise werden in den meisten Einrichtungen während der Randzeiten, früh morgens oder spät abends die Kinder gruppenübergreifend von ein oder zwei Erziehern betreut. Wenn aber Gruppentrennung durchgängig während der kompletten Öffnungszeiten stattfinden soll, müssten dafür auch in den Randzeiten mehr Erzieher anwesend sein.

Weil die meisten Kitas das nicht umsetzen können, gibt es offenbar nur eine Lösung: Die Öffnungszeiten reduzieren. Nach Angaben des Landeselternausschusses haben das bereits viele Träger getan. Viele Kitas hätten nur noch in der Kernzeit zwischen 7.30 Uhr und 15.00 Uhr geöffnet, heißt es. Solche Einschränkungen gab es während der Corona-Pandemie schon mehrmals.

Elternsprecher üben Kritik

Die Vorsitzende des Landeselternausschusses für Kitas, Julie-Andrée Trésoret, kritisiert im Gespräch mit dem SR das Vorgehen von Trägern und Behörden auf Kosten der Eltern. "Bei vielen Eltern von Kita-Kindern ist die Geduld erschöpft. Vor allem der Wegfall der Randzeitenbetreuung setzt viele Familien zusätzlich unter Druck."

Viele Träger hätten die Öffnungszeiten gekürzt, ohne den tatsächlichen Betreuungsbedarf abzufragen. Zudem gebe es zwischen dem SPD-geführten Bildungsministerium und dem CDU-geführten Sozialministerium ständig Kompetenzgerangel im Hinblick auf die Kitas.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Martina Holzner, äußerte Verständnis dafür, dass die Situation Familien vor Probleme stelle: "Im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es jetzt dringend geboten, dass das Landesjugendamt gemeinsam mit den Trägern und den Eltern Lösungen zur Sicherstellung der Betreuung auch in den Randzeiten findet", sagte sie dem SR.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 21.09.2021 berichtet.

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