Fotomontage: Das Medikament Elotrans des Herstellers Stada vor Regalen mit Alkoholika (Foto: IMAGO / Gottfried Czepluch)

Elektrolyt-Lösungen in Saar-Apotheken ausverkauft

  17.09.2022 | 09:37 Uhr

In den sozialen Netzwerken werden Elektrolyt-Lösungen wie Elotrans als vermeintliche "Lebensretter" verkauft. Sie sollen dabei helfen, die Symptome eines Katers durch Alkohol zu lindern. In den Apotheken ist das Mittel deshalb seit Wochen nicht mehr erhältlich.

Ganze 7,5 Millionen Mal wurden kurze Clips zum Thema "Elotrans" auf der Videoplattform Tiktok, die vor allem junge Menschen nutzen, bisher aufgerufen. Die Faszination für ein Medikament, das eigentlich bei Durchfallerkrankungen helfen soll, mag zunächst erstaunen. In den Clips aber wird die Elektrolyt-Glucose-Mischung des Herstellers Stada als etwas anderes angepriesen – und zwar als vermeintliches Wundermittel gegen den Kater nach einer durchzechten Nacht.

Der Hype darum hat Folgen: In vielen Apotheken bundesweit sind Elotrans oder ähnliche Mittel anderer Hersteller seit Wochen nicht mehr erhältlich. So hat beispielsweise eine SWR-Umfrage in den Apotheken in der Westpfalz ergeben, dass Elektrolyt-Medikamente weitestgehend ausverkauft sind. Auch Bayerns Apotheken melden Engpässe.

Mittel im Saarland ausverkauft

Im Saarland sieht es ähnlich aus, wie eine Nachfrage bei Apotheken in Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen ergibt: Seit gut zwei Monaten seien die Regale leer, wann die Mittel wieder geliefert werden könnten, wisse man nicht. "Tatsächlich konnten wir davor auch eine erhöhte Nachfrage junger Menschen feststellen, die sich mit dem Mittel für Festivalbesuche eindecken wollten", erzählt eine Mitarbeiterin der Saar-Apotheke in Saarlouis.

In der Stengel-Apotheke in Saarbrücken habe das sogar dazu geführt, Elotrans – so lange es noch verfügbar war – zu rationieren. "Teilweise haben Jugendliche gleich zwei bis drei Packungen auf einmal gekauft, bis wir den Verkauf dann auf eine Packung pro Person beschränkt haben", berichtet ein Mitarbeiter. Aktuell sei es, so wie die Alternativpräparate, komplett ausverkauft. Ältere oder Eltern, die mit den Elektroyt-Mitteln die Magen-Darm-Beschwerden ihrer Babys oder Kinder behandeln wollen, hätten dadurch das Nachsehen.

Das ist besonders problematisch, weil Kinder einen drei- bis viermal höheren Flüssigkeitsumsatz haben als Erwachsene und entsprechend höhere Mineralstoff- und Flüssigkeitsverluste erleiden, wenn sie Durchfall haben.

Hilft Elotrans wirklich?

Dass Elektrolyt-Lösungen zur Vorbeugung oder Behandlung eines Katers eingesetzt werden, sei an sich nichts Neues, sagt Diana Eckert von der Süd-Apotheke in Saarbrücken-Dudweiler. "Elotrans war schon immer als Kater-Mittel bekannt". Aus medizinischer Sicht spreche auch nichts dagegen, wenngleich das rezeptfreie Medikament für die Einnahme bei Durchfallbeschwerden zugelassen sei – und eben nicht bei Symptomen, die nach einer alkoholträchtigen Nacht auftreten.

Elotrans wird in Wasser gerührt und soll bei Durchfallerkrankungen bzw. nach jedem Durchfall den Wasser- und Mineralstoffhaushalt ausgleichen. Dafür enthält es eine Mischung aus Zucker und Salzen. "Wer viel Alkohol trinkt, verliert neben Wasser auch Elektrolyte wie Natrium und Kalium. Da können solche Elektrolyt-Lösungen also tatsächlich die Symptome eines Katers abmildern", sagt die Vorsitzende des saarländischen Apothekervereins, Susanne Koch.

Das tue es aber nicht besser als bewährte Hausmittel – wie etwa ein Glas Orangensaft mit Traubenzucker oder Salz. "Man sollte die Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke denjenigen überlassen, für die sie wirklich bestimmt sind."

Liefertermin unbekannt

Auf seinem eigenen Instagram-Account befeuert der Hersteller Stada sogar selbst den Hype um sein Mittel Elotrans, indem er beispielsweise Fotos der Verpackungen von Nutzerinnen und Nutzern teilt und kommentiert: "Gut vorbereitet für's lange Wochenende".

Stada lässt bei der Plattform, die vor allem von 18- bis 34-Jährigen genutzt wird, zudem ausrichten, dass man mit "Hochdruck daran arbeitet, die Produktionskapazitäten auszuweiten und die Nachfrage bestmöglich zu bedienen." Man rechne damit, dass sich die Situation im Herbst wieder entspanne.

Über dieses Thema berichteten auch die SR-Hörfunknachrichten am 17.09.2022.

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