elektronische Gesundheitsakte, die mit Hilfe der elektronischen Gesundheitskarte in Arztpraxen, Krankenhäusern oder an öffentlich zugänglichen Terminals abgefragt werden kann (Foto: picture-alliance/dpa/dpaweb | Thomas Frey)

Nur wenige Saarländer nutzen elektronische Patientenakte

Kristin Luckhardt   06.06.2021 | 08:55 Uhr

Im Saarland nutzen bisher nur wenige Krankenversicherte die elektronische Patientenakte (ePA). Das geht aus einer SR-Umfrage bei gesetzlichen Krankenkassen hervor. Auch in den Arztpraxen läuft die Einführung der ePA schleppend.

Die Kassenärztliche Vereinigung Saarland rechnet damit, dass sich die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in den Arztpraxen verzögert. Die KV teilte dem SR mit, der "Roll-out" laufe erst langsam an.

Viele Praxen können sich noch gar nicht anbinden

Gematik

Die Gematik GmbH ist für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens zuständig. Sie hat ihren Unternehmenssitz in Berlin.

So habe die Gematik bisher erst einen Anbieter für die in den Arztpraxen notwendige technische Ausstattung - die so genannten Konnektoren - zugelassen. Viele Praxen könnten sich daher noch gar nicht an die ePA anbinden.

Die KV habe noch keine Rückmeldung von Praxen über die ePA-Anbindung erhalten. Es sei nicht davon auszugehen, dass wie ursprünglich vorgesehen alle Praxen bis zum 1.Juli an die ePA angebunden sind.

Auch die Barmer betont, die Ärzte im Saarland hätten noch keinen Zugang zur ePA. Die Konnektoren würden noch in den beiden Pilotregionen Berlin/Brandenburg und Westfallen-Lippe getestet.

Anbindung der Kassen wichtig

Die Anbindung der Praxen ist aus Sicht der Krankenkassen aber ein wichtiger Schritt. So rechnet zum Beispiel die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland mit einer "signifikant verstärkten Nachfrage, sobald die Einbindung der ePA in die Praxisverwaltungssysteme der Leistungserbringer möglich sein wird".

Auch die DAK betont, dann werde der Mehrwert der ePA deutlich steigen und es sei mit "stetig steigenden Nutzerzahlen" zu rechnen. Die Barmer betonte, die ePA werde ihr "volles Potenzial" erst "mit der flächendeckenden Teilnahme der Ärzte" entfalten können.

Nutzerzahlen noch sehr überschaubar

Die Nutzerzahlen sind dementsprechend bisher noch ziemlich gering. So verzeichnete zum Beispiel die IKK Südwest Ende Mai im Saarland 47, die Barmer knapp 100 Versicherte. Die AOK teilte mit, im Saarland und in Rheinland-Pfalz hätten sich insgesamt 450 Versicherte für die ePA entschieden. Das entspricht einem Anteil zwischen 0,03 Prozent und 0,08 Prozent der Versicherten.

DAK, Knappschaft und TK konnten keine Zahlen fürs Saarland nennen.

Aufwändiger Anmeldeprozess

Ein Grund für die niedrigen Nutzerzahlen dürfte auch der Anmeldeprozess sein. Die IKK Südwest erklärt: Der "aufwändige Identifizierungsprozess, der den Datenschutz gewährleistet, scheint viele abzuschrecken". Die Identität des Versicherten müsse zweifelsfrei festgestellt werden. Dabei sei Anfang des Jahres noch gar nicht klar gewesen, welche Verfahren überhaupt zulässig seien. Der Registrierungsprozess beruhe auf komplexen Vorgaben und sei wenig intuitiv.

So hatten zum Beispiel bei der IKK bis Ende Mai insgesamt 1643 Versicherte die ePA-App heruntergeladen, aber erst rund 170 den Identifizierungsprozess durchlaufen. Auch die DAK teilte mit, dass sich die meisten der Versicherten, die sich für die ePA-Nutzung angemeldet haben, noch im "Prozess der Aktivierung" befinden.

Ab 2022 soll es mehr Funktionen geben

Krankenversicherte haben seit dem 1.Januar 2021 das Recht auf eine elektronische Patientenakte (ePA). Die Krankenkassen müssen das ihren Versicherten anbieten, z.B. als App fürs Smartphone.

Bisher können nur Versicherte selbst Dokumente in die elektronische Gesundheitsakte einstellen, zum Beispiel Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Rezepte, Röntgenbilder, OP-Berichte, Medikationspläne oder Notfalldaten.

Künftig können auch "Leistungserbringer" - also zum Beispiel niedergelassene Ärzte oder Medizinische Versorgungszentren - Daten speichern, wenn der Patient das möchte.

Im nächsten Jahr sollen auch Dokumente wie der Mutterpass, der Impfpass, das Untersuchungsheft für Kinder oder das Zahnbonusheft in die ePA gespeichert werden können.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja