Gottesdienst (Foto: dpa)

Tag der Einschulung: "Wir sehen uns beim Gottesdienst!"

Felicitas Fehrer   06.08.2018 | 07:00 Uhr

Heute beginnt für viele Kinder ein neuer, wichtiger Lebensabschnitt: die Einschulung steht bevor. Zu diesem Anlass führen die meisten saarländischen Grundschulen spezielle Gottesdienste durch - und die haben sich im Lauf der Jahre ganz schön verändert. Ein Pfarrer und zwei Schulleiter erzählen, wie aus der Mini-Messe für Gläubige ein großes Event für alle wurde.

Wenn die Kirchen im Saarland aus allen Nähten platzen, gibt es dafür ein paar mögliche Gründe: Weihnachten, Ostern, Kommunion - oder aber ein Einschulungsgottesdienst.

Erstklässler sitzen mit ihren Schultüten in der Grundschule (Foto: dpa)
Erstklässler sitzen mit ihren Schultüten in der Grundschule

"Früher waren es immer nur ein paar Erstklässler, die mit ihren Eltern den Einschulungsgottesdienst besucht haben - heute sind die Kirchen zu diesem Anlass teils voller als an Weihnachten", sagt Christian Heinz, Jugendpfarrer für das Saarland. Dabei gehe es weniger um den Glaubens-Aspekt, sondern eher um die Tradition. Eine Festlichkeit, die zeigt: Jetzt beginnt etwas Großes, etwas Neues.

"Da kommen Schüler mit Mama, Papa, Geschwistern und Paten - die meisten davon sind wahrscheinlich nicht mal gläubig", sagt Heinz. Letzteres mache sich auch in der Gestaltung des Gottesdienstes bemerkbar. Heinz weiß: Konfessionslose Menschen wollen nicht missioniert werden. Aber zu besonderen Anlässen kommen sie trotzdem in die Kirche - einfach weil es Tradition ist.

"Als Pfarrer ist die Kunst, wahrzunehmen, was bewegt die Leute, warum sind sie hier, und kann man vielleicht von Gott sprechen, ohne seinen Namen zu gebrauchen?", sagt Heinz. Deswegen wird alles immer kürzer, bunter und moderner. Für die Saarländer sind Einschulungs-Gottesdienste inzwischen eine richtige Tradition - und ein Großteil der Grundschulen zieht mit.

Andere Glaubensrichtung? Kein Hindernis

Aber ist es überhaupt möglich, einen Gottesdienst auf die Beine zu stellen, bei dem sich auf Grund unterschiedlicher Glaubensrichtungen niemand ausgeschlossen fühlt? Schließlich ist die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund gewachsen.

"Das ist kein Grund, nicht zusammen Gottesdienst zu feiern", sagt Christine Hirschauer, Schulleiterin der Philipp-Schmitt-Schule in Dillingen. Dort wird am Montag ein ökumenischer Einschulungs-Gottesdienst durchgeführt.

Christine Hirschauer, Schulleiterin der Philipp-Schmitt-Schule (Foto: Christine Hirschauer)
Christine Hirschauer, Schulleiterin der Philipp-Schmitt-Schule

Um den Gottesdienst inhaltlich möglichst offen zu gestalten, dürfen die Kinder das Programm mitbestimmen. "Die Schüler führen selbst Meditationen durch, es werden Lieder gesungen, mit denen sich jeder identifizieren kann und das Kreuzsymbol ist keine Pflicht", sagt Hirschauer. "Die ganze Schule kommt und wir freuen uns, diese schöne Tradition auch in diesem Jahr wieder durchzuführen."

Spielerisch ethische Werte vermitteln

Rosafarbene Gerbera (Foto: Pixabay/jill111)
Die Blume ist das Gottesdienst-Symbol der Grundschule Steinwald

Auch die Grundschule Steinwald in Neunkirchen vereint in ihrem Einschulungs-Gottesdienst verschiedene Glaubensrichtungen. Statt in einer Kirche findet der ökumenische Gottesdienst direkt auf dem Schulhof statt. "Wir nennen es einen 'multireligiösen Gottesdienst'", sagt Schulleiter Tobias Klee. "Uns geht es gar nicht so sehr um die christlichen Inhalte. Wir möchten den Kindern eher ethische Werte vermitteln." Deshalb steht eine Blume als Symbol für den Gottesdienst. "Es geht um das Thema 'Gemeinsam wachsen und gedeihen - und sich miteinander verändern'".

Artikel mit anderen teilen