Geldbörse eines Mannes und einer Frau (Foto: picture alliance/Bildagentur-online)

Einkommen: Traditionelle Rollenverteilung im Saarland

  07.01.2019 | 13:33 Uhr

Saarländer leben noch die alte Rollenverteilung von Mann und Frau - zumindest mit Blick auf das Geld. In keinem anderen Bundesland ist der Mann so häufig für das Haupteinkommen verantwortlich wie im Saarland.

Im Saarland teilen sich die meisten Paare ihre Erwerbstätigkeit immer noch nach traditionellem Muster auf. Bei rund 80 Prozent der Paare ist der Mann derjenige mit dem höchsten Einkommen im Haushalt. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil so hoch. Umgekehrt ist der Anteil der Haushalte, in denen die Frau das höhere Einkommen erzielt, im Saarland mit elf Prozent so gering wie in keinem anderen Bundesland (Bundesschnitt: 14,4 Prozent). Haushalte, in denen Männer und Frauen gleich verdienen, sind im Saarland mit acht Prozent ebenfalls seltener anzutreffen als im Bund (elf Prozent).

Der Osten macht den Unterschied

Die große Abweichung kommt vor allem durch die Zahlen in den ostdeutschen Bundesländern zustande. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise ist der Mann lediglich in 58 Prozent der Fälle der Hauptverdiener (24 Prozent bei den Frauen). Ähnlich sieht es in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin aus.

Eine mögliche Erklärung für die großen Unterschiede zu den neuen Bundesländern könnte die Betreuungsquote von Kleinkindern (null bis zwei Jahre) liefern. Die liegt im Osten durchschnittlich bei knapp 52 Prozent, im Westen hingegen nur bei 29 Prozent. Das heißt in den ostdeutschen Bundesländern ist mehr als jedes zweite Kind im Alter von bis zu zwei Jahre betreut, wodurch beide Elternteile wieder in den Beruf einsteigen können.

Frauenerwerbsquote im Saarland niedriger

Auch ein Blick auf die Frauenerwerbsquote macht deutlich, dass im Saarland noch häufiger die alte Rollenverteilung in puncto Einkommen gelebt wird. Nur 71 Prozent der Frauen im Saarland sind berufstätig, im Bundesschnitt sind es 74 Prozent. Im Osten liegt die Frauenerwerbsquote zwischen 76 und 79 Prozent. Laut der Industrie- und Handelskammer ist für die niedrige Gesamtquote im Saarland insbesondere der geringere Anteil der erwerbstätigen Frauen in der Gruppe der Ü55-Jährigen (62 Prozent) verantwortlich. Die IHK erklärt diesen Rückstand vor allem mit der montan-industriellen Vergangenheit sowie dem höheren Anteil an Schichtarbeit in der produktionsorientierten Saarwirtschaft. Dies seien wenig familienfreundliche Rahmenbedingungen.

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten vom 7.1.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen