Kühe und Kälber am Kirchheimer Hof (Foto: SR / Karin Mayer)

Unter zehn Euro für ein Mastkalb

Karin Mayer / Onlinefassung: Linda Grotholt   18.11.2019 | 10:25 Uhr

Die Landwirte im Saarland haben in diesem Herbst teilweise weniger als zehn Euro für ein Mastkalb bekommen. Für die Landwirte sei das nicht wirtschaftlich, bestätigte der saarländische Bauernverband dem SR. Insgesamt hat sich die Einkommenssituation der Landwirte im vergangenen Jahr verschlechtert.

Aktuell haben sich die Preise wieder etwas verbessert: Da die Kälber- und Bullenmäster vor dem Weihnachtsgeschäft viele Tiere geschlachtet hätten, müssten die Ställe jetzt wieder besetzt werden, sagte Richard Schreiner, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes im Saarpfalz-Kreis. Der Tiefstpreis an seinem Hof sei im Oktober 20 Euro für ein weibliches Kalb gewesen.

Video [aktueller bericht, 18.11.2019, Länge: 3:25 Min.]
Gewinne der Landwirte gehen zurück

An anderen Höfen waren es teilweise weniger als zehn Euro für ein Mastkalb. Das liegt deutlich unter dem Preis, der eigentlich gezahlt werden müsste: Nötig seien 100 bis 120 Euro für ein weibliches und 180 bis 200 Euro für ein männliches Kalb, sagte Hans Lauer vom saarländischen Bauernverband.

Im Saarland gibt es rund 150 Milchbetriebe mit 13.000 bis 14.000 Milchkühen. Die niedrigen Preise für Kälber haben mehrere Ursachen: Zum einen sind die Futterpreise durch die Trockenheit im Sommer gestiegen. Deshalb haben sich viele Landwirte entschieden, Tiere an Mastbetriebe zu verkaufen, was zu einem Überangebot geführt hat. Verstärkt wird diese Entwicklung dadurch, dass das Saarland seit dem Frühjahr zum Blauzungensperrgebiet gehört. Die Krankheit hat dazu geführt, dass die Mastbetriebe zeitweise keine Tiere abnehmen wollten.

Video [aktueller bericht, 18.11.2019, Länge: 3:30 Min.]
Interview mit Franz-Josef Eberl, Präsident der Landwirtschaftskammer

Bauern machen weniger Gewinn

Insgesamt hat sich die Einkommenssituation der Landwirte im Saarland im vergangenen Jahr verschlechtert. Das geht aus einer Befragung der Landwirtschaftskammer hervor. Präsident Franz-Josef Eberl sagte, die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region hätten im Durchschnitt knapp sieben Prozent weniger Gewinn gemacht. Die aktuelle Lage habe sich sowohl in den Milchbetrieben als auch im Ackerbau verschlechtert. Eberl begründete das mit der Trockenheit in den Jahren 2018 und 2019.

Billiger gehts kaum: Ein Kalb für unter 10 Euro?
Audio [SR 3, (c) SR 3 Karin Mayer, 18.11.2019, Länge: 02:14 Min.]
Billiger gehts kaum: Ein Kalb für unter 10 Euro?

Zusätzlich zu den stark gesunkenen Kälberpreisen müssten die Milchbetriebe inzwischen mehr Geld für Futter ausgeben. Die Preise für Schweine seien dagegen wegen der afrikanischen Schweinepest gestiegen. Die Landwirte profitieren von einer steigenden Nachfrage aus dem asiatischen Raum.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 18.11.2019 berichtet.

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