«Kostenlose Bürgertests» steht auf einem Plakat während Personen vorüber gehen (Foto: picture alliance/dpa | Annette Riedl)

Einigung bei Bürgertest-Abrechnung

  05.07.2022 | 08:57 Uhr

Im Streit um die Abrechnung der sogenannten Bürgertests haben sich das Bundesgesundheitsministerium und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) geeinigt. Seit Donnerstag sind die Bürgertests nur noch in Ausnahmen kostenlos. Der Saarbrücker Pharmazieprofessor Lehr rechnet damit, dass dadurch die Dunkelziffer bei den Coronafällen steigt.

Wie das Gesundheitsministerium und die KBV am Montagabend mitteilten, werden die Kassenärztlichen Vereinigungen weiterhin die Abrechnungen der Testzentren entgegennehmen und Auszahlungen vornehmen. Sie müssen aber nicht überprüfen, ob tatsächlich ein Anspruch auf einen kostenlosen Bürgertest besteht.

Die Plausibilitätsüberprüfung übernimmt nun das Bundesgesundheitsministerium. Der saarländische KV-Vorsitzende Gunter Hauptmann erklärte, dadurch entfalle die Haftung der Ärtzeorganisation.

KV geht von mehr Betrugsversuchen aus

Zuvor hatten die Kassenärzte angekündigt, die Abrechnung der Bürgertests abzulehnen. Zur Begründung hieß es, das System sei durch die Neufassung der Testverordnung noch betrugsanfälliger geworden. Sie verwiesen darauf, die Angaben zu den Testgründen nicht überprüfen zu können.

Die bislang für alle kostenlosen Bürgertests gibt es seit Donnerstag nur noch für bestimmte Gruppen wie Kinder bis fünf Jahre, Schwangere oder Krankenhaus- und Pflegeheimbesucher ohne Zuzahlung. Im Normalfall muss für einen Schnelltest nun eine Selbstbeteiligung von drei Euro gezahlt werden.

Experte geht von steigender Dunkelziffer aus

Der Saarbrücker Pharmazieprofessor Thorsten Lehr rechnet damit, dass dadurch die Dunkelziffer bei den Coronafällen steigt. "Wir haben momentan eine Sommerwelle, die gerade immer mehr an Dynamik zunimmt. Durch die neue Testverordnung gehe ich davon aus, dass wir momentan eher eine eine steigende Dunkelziffer haben und die tatsächlichen vielleicht gar nicht richtig reflektiert werden", sagte Lehr im ARD-Morgenmagazin.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.07.2022 berichtet.

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