Das Hochwasser in Kleinblittersdorf in der Nacht (Foto: Julian Colbus)

Ein Jahr nach dem Unwetter: Ein Blick zurück

Leonie Rottmann / Mit Informationen von Simin Sadeghi   01.06.2019 | 08:30 Uhr

Autos, die eine Straße runterschwimmen, Pferde, die bis zum Bauch in Wassermassen stehen, und Häuser, die von Wasser geflutet sind: Vor genau einem Jahr ist die Welt untergegangen – nicht überall, aber in der Gemeinde Kleinblittersdorf und auch anderen Orten im Saarland. Betroffene und Gemeinde sind immer noch dabei, die Schäden zu beheben. 365 Tage nach dem Unwetter schauen wir zurück – aber auch nach vorne.

Von einem auf den anderen Tag standen viele Saarländer vor dem Nichts: Gewitter und Starkregen richteten in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 2018 im Saarland enorme Schäden an. Allein in der Gemeinde Kleinblittersdorf sorgte das Unwetter für einen Schaden von bisher rund 2,5 Millionen Euro – und es sind noch nicht alle Schäden beseitigt.

Innerhalb weniger Stunden gingen Hunderte Notrufe bei Polizei und Feuerwehren ein. Viele Straßen wurden über- und unterspült, Keller standen unter Wasser, Autos wurden von Schlamm und Wassermassen die Straßen hinunter geschoben. Bisher gab es mehr als 130 Maßnahmen, mit denen ein Großteil der Folgen des Starkregens beseitigt werden konnten. Dazu zählen unter anderem die Instandsetzung des Scherbachs und einiger Straßen sowie die Reinigung der Kanalsysteme.

Eine Viertelmillion Euro für Scherbach

Eine besonders große Baumaßnahme war im Scherbach notwendig, der durch den Starkregen zu einem reißenden Strom wurde: „Dafür sind rund 250.000 Euro verbaut worden“, sagt Stephan Strichertz, Bürgermeister von Kleinblittersdorf. In Bliesransbach sei für viel Geld ein Regenüberlaufbecken instand gesetzt worden. Auch in Auersmacher seien größere Maßnahmen durchgeführt worden oder in Planung.

Auch wenn bereits viel wieder aufgebaut wurde, hat das Unwetter bis heute Spuren hinterlassen. Der Sportplatz und die eingebrochene Brücke in Bliesransbach sind zum Beispiel noch nicht vollständig wiederhergestellt. Für die Brücke gibt es aber laut Stephan Strichertz jetzt konkrete Berechnungen eines Sachverständigen: „Wir wollen die Baumaßnahme noch in diesem Jahr ausschreiben, sodass wir die Brücke im Frühjahr 2020 wieder errichten können.“

Gefahren-Karten sollen zur Prävention beitragen

Unwetterschäden: Finanzhilfen insgesamt 40 Mal ausgezahlt
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 31.05.2019, Länge: 02:58 Min.]
Unwetterschäden: Finanzhilfen insgesamt 40 Mal ausgezahlt

Ein Expertenteam der Technischen Universität Kaiserslautern hat im Auftrag der Gemeinde Kleinblittersdorf eine „Starkregengefahrenkarte“ mit Straßen, Wegen und Gebäuden der Gemeinde erstellt. In verschiedenen Farben zeigt die Karte, welche Straßen und Gebäude in Kleinblittersdorf und Bliesransbach besonders gefährdet sind. Dementsprechend ist zum Beispiel die Scherbachstraße, die vom Hochwasser besonders betroffen war, dunkelblau gefärbt, während andere Straßen hellblau oder sogar weiß dargestellt sind.

In mehreren Gemeinden im Saarland wurden nach dem Unwetter bereits solche Starkregengefahrenkarten erstellt. Das Umweltministerium unterstützt das mit einem Zuschuss von 70 bis 80 Prozent der Kosten. Allerdings haben sich einige Gemeinden auch bewusst gegen derartige Karten entschieden, weil die Bürger Angst hatten, dass die Grundstückswerte dadurch fallen könnten.

Die Gemeinde Kleinblittersdorf hat davor keine Angst und möchte gemeinsam mit der TU Kaiserslautern konkrete Maßnahmen zu Starkregenschutz entwickeln. Dabei sollen auch die Bürger ihre Erfahrungen einbringen. So soll verhindert werden, dass sich das Unglück wiederholt. Im Herbst sollen die Ergebnisse vorliegen.

„Ich verspreche mir davon, dass wir durch einen intensiven Dialog mit den Bürgern die Erfahrungen für zukünftige Starkregenereignisse nutzen können“, sagt Bürgermeister Stephan Strichertz. „Und dass die Bürger auch erkennen, dass sie selbst teilweise Präventionsarbeit leisten können.“ Er spricht von kleineren oder größeren baulichen Maßnahmen am eigenen Grundstück. Ihm sei besonders wichtig, weitere Schutzmaßnahmen gemeinsam mit den Bürgern zu erarbeiten.

1,5 Millionen Euro für Betroffene

Viele Menschen waren oder sind zum Wiederaufbau auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Nach dem Unwetter vor einem Jahr wurden immer wieder weitere Orte auf die Liste aufgenommen, die einen Anspruch auf Soforthilfe haben. Insgesamt sind laut Finanzministerium 983 Soforthilfen beantragt worden.

Sofort- und Finanzhilfen

Jeder Betroffene, der im entsprechenden Gebiet wohnt, hat Anspruch auf Soforthilfe. Eine Finanzhilfe bekommen dagegen nur diejenigen, die keine Versicherung haben und die unterhalb einer Einkommensgrenze liegen.

„Bisher wurden insgesamt 880 Soforthilfen und 40 Finanzhilfen gebilligt“, sagt Lisa Fetzer, Pressesprecherin des Finanzministeriums. „Da sich die Finanzhilfe an die Soforthilfe anschließt, ist davon auszugehen, dass insgesamt 880 Betroffene Hilfen erhalten haben.“ Einige Anträge seien derzeit noch offen und müssten noch geprüft werden.

Insgesamt seien bisher knapp 1,5 Millionen Euro für die Sofort- und Finanzhilfen bewilligt, wovon das Land 40 Prozent finanziere.

Positiver Blick in die Zukunft

„Wir als Kommune sind noch mitten im Prozess, die Ereignisse aus dem vergangenen Jahr abzuarbeiten“, sagt Strichertz. In diesem Jahr sollen noch zwei oder drei größere Aufträge erteilt werden. „Es ist nicht nur Schadensbeseitigung, sondern auch Prävention und damit eine Verbesserung für die Zukunft.“

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten am 01.06.2019 berichtet.

Unwetter
Dossier: Unwetter im Saarland
In der Nacht zum 1. Juni hat ein Unwetter Millionenschäden in mehreren saarländischen Orten angerichtet. Betroffen waren vor allem Kleinblittersdorf, Bliesransbach und Bübingen. Die Anwohner und die Kommunen werden noch lange mit den Folgen zu kämpfen haben. Ein weiteres Unwetter ist am 11. Juni über das Saarland gezogen. In Heusweiler und Eppelborn waren die Einsatzkräfte fast 24 Stunden im Dauereinsatz.

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