Stress am Arbeitsplatz gehört für viele Berufstätige zum Alltag (Foto: dpa / picture alliance / Jens Schierenbeck)

Eigene Fehler verzeihen und mit Schwächen versöhnen

Leonie Rottmann   20.06.2019 | 08:30 Uhr

Gestresst, ausgelaugt, niedergeschlagen: Wenn die Arbeit nicht weniger wird, der Chef Druck macht und man nach Feierabend nicht mehr zur Ruhe kommt, kann langfristig die Gesundheit darunter leiden. Um besser mit Arbeitsstress umgehen zu können, haben Masterstudenten der Saar-Uni ein Online-Training für mehr Selbstmitgefühl entwickelt.

Mit sich selbst so umgehen, wie man auch mit anderen umgehen würde – was einfach klingt, fällt vielen Menschen im Alltag schwer. Die eigenen Fehler werden drastischer bewertet, das eigene Scheitern schneller verurteilt. Es fehlt an Selbstmitgefühl.

„Viele Menschen gehen im Alltag sehr streng mit sich um“, sagt Isabell Funken, Psychologie-Masterstudentin der Universität des Saarlandes. „Selbstmitgefühl bedeutet, auf sich selbst zu achten, freundlich mit sich umzugehen und sich Fehler zu verzeihen.“

Viele Berufstätige können nach der Arbeit nicht abschalten und zur Ruhe kommen. Depressionen und Burnout treten als Folge immer häufiger auf. „Generell ist Selbstmitgefühl aber in jeder Situation wichtig, egal ob es ein Streit ist, ein Missgeschick oder der stressige Alltag“, sagt die Studentin. Die Psyche und der Körper reagieren unterschiedlich auf Stress. Häufig sei zu beobachten, dass sich Betroffene sehr angespannt fühlen. Sie erleben Unzufriedenheit und eine ständige Überforderung. Außerdem könne die Überlastung beispielsweise auch auf den Magen schlagen.

„Personen mit einem geringen Selbstwertgefühl haben hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Leistung“, sagt Julia Isar, Psychologiestudentin der Saar-Uni. Diese Menschen seien besonders gefährdet, ihre eigenen Emotionen zu vernachlässigen. „Wenn man dazu neigt, sich selbst zu kritisieren und alles perfekt machen zu wollen, kann das dazu führen, dass man sich schon bei geringem Stress stark belastet fühlt“, sagt die Masterstudentin.

Techniken für Selbstmitgefühl

Es gibt Techniken, um zu lernen, nachsichtiger mit sich zu sein. Im Rahmen ihrer Masterarbeit haben drei Psychologie-Studenten der Saar-Uni ein Online-Training entwickelt, das darauf abzielt, im stressigen Berufsalltag mehr Mitgefühl mit sich selbst zu entwickeln.

Auseinandersetzung mit sich selbst

Die Studenten sind noch auf der Suche nach Teilnehmern an der Studie, die Teil ihrer Masterarbeiten sein werden. Die Online-Trainings beginnen an zwei unterschiedlichen Terminen Ende Juni und gehen jeweils drei Wochen. Die Trainingseinheiten finden wöchentlich statt und dauern etwa eine Stunde. Die Teilnehmer können selbst entscheiden, wann sie die Module bearbeiten wollen.

Das Training besteht aus verschiedenen Übungen wie Entspannungstechniken oder Anwendungsaufgaben, aber auch Erklärungen und Anleitungen. So sollen sich die Teilnehmer zum Beispiel in einer Übung eine konkrete Situation mit einem Freund vorstellen. Dabei sollen sie sich verschiedene Fragen stellen, etwa wie sie in dieser Situation mit sich umgehen würden oder wie der Freund auf sie reagieren würde. Mit den erlernten Fähigkeiten sollen die Teilnehmer dann besser mit hohem Arbeitsstress umgehen können.

Die Auswertung der Ergebnisse des Trainings und der dazugehörigen Fragebögen sollen später als Grundlage für eine Studie dienen.

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