Ein Nest von Eichen-Prozessionsspinnern (Foto: dpa/Bodo Marks)

Eichenprozessionsspinner plagen Lebach

Florian Possinger / Onlinefassung: Axel Wagner   15.07.2020 | 16:31 Uhr

Der Wald hat es nicht leicht: Der Borkenkäfer treibt schon seit Jahren sein Unwesen, und jetzt ist auch noch Saison für den Eichenprozessionsspinner, der auch für den Menschen gefährlich ist. In Lebach gibt es dieses Jahr so viele Nester, dass die Kommune nur noch an den dringendsten Stellen tätig wird.

Auf den ersten Blick wirkt die Landstraße zwischen Eidenborn und Falscheid in Lebach einfach nur hübsch: sanfte Hügel auf denen Heu eingefahren wird rechts der Straße, und links Eichen, soweit das Auge reicht. Allerdings: In den Bäumen hängen entlang der Straße mindestens zehn Nester des Eichenprozessionsspinners.

Nester in Häusernähe

Eichenprozessionsspinner überfallen Lebach
Audio [SR 3, Florian Possinger, 15.07.2020, Länge: 02:46 Min.]
Eichenprozessionsspinner überfallen Lebach

Für die Anwohner bedeutet das Stress. Denn nur rund 20 Meter vom nächsten Nest entfernt steht das Haus von Jürgen Reuter. Im vergangenen Jahr hatte er bereits unangenehmen Kontakt mit den Raupen, die für den Menschen gefährlich werden können. Die Härchen der Raupe enthalten ein Gift, das allergische Reaktionen auslöst. „Mit dem Prozessionsspinner hatte ich schon zweimal Kontakt, einmal sogar am ganzen Oberkörper“, sagt Reuter. „Das gibt so richtig dicke Pusteln, teilweise mit Eiter untersetzt, und sie kratzen sich die Haut vom Leibe.“

Jürgen Reuter fragte deshalb im Rathaus nach und bat darum, die Nester zu entfernen. Zu seiner Überraschung bekam er jedoch die Antwort, dass nicht alle Nester beseitigt würden, sondern nur solche, die an Kindergärten, Schulen oder öffentlichen Plätzen hingen.

Brill: Personell und finanziell nicht machbar

Lebachs Bürgermeister Klauspeter Brill weiß, dass das eigentlich nicht genug ist. „Die ideale Lösung wäre, wenn man überall den Eichenprozessionsspinner fachmännisch entfernen würde. Das heißt, dass dort die Nester mit Spezialausrüstung abgesaugt werden. Das ist im Zuge des großen Befalls in diesem Jahr einfach nicht möglich, zum einen personell, zum anderen aber auch finanziell.“ Rund 500 Bäume sind nach den Worten Brills in Lebach dieses Jahr befallen. Alle Nester wegzumachen könnte bis zu 100.000 Euro kosten.

Die Raupe ist zurzeit vielerorts im  Saarland ein Problem. Wer ein Nest findet, sollte es  auf jeden Fall melden, so das Umweltministerium. Entweder dem jeweiligen Forstrevier, oder in einer Gemeinde der Ortspolizeibehörde. Die Nester zu beseitigen ist etwas für den Profi.

Rathaus will nochmal prüfen

Und auch von alten Nestern geht noch Gefahr aus, denn die giftigen Härchen verschwinden nicht einfach nach dem Sommer. Das bereitet Jürgen Reuter und seinen Nachbarn viele Sorgen. „Hier fahren Busse und Lkw vorbei. Der Westwind treibt die Haare alle in Richtung Wohngebiet, auch an dem Haus vorbei, wo wir hinten sitzen. Und deshalb sehe ich hier die Gemeinde in der Pflicht, diese Nester zwingend zu entfernen.“

Es könnte sich aber doch noch alles zum Guten wenden: Im Rathaus denkt man laut Bürgermeister Brill nun doch darüber nach, zumindest die Nester, die in unmittelbarer Nähe zu Häusern sind, zu entfernen. 43 Bäume sollen davon betroffen sein, so Bürgermeister Brill. „Die Nester entlang dem kompletten Straßenverlauf werden wir definitiv nicht beseitigen können. Wir gucken uns das nochmal an und werden das dort im unmittelbaren Wohnbereich nochmal prüfen.“

Aber das dürfte noch einige Wochen dauern. Bis dahin nutzt Jürgen Reuter die schöne Straße nicht mehr beim Frühsport. Er nimmt lieber den Umweg über die Felder in Kauf.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 15.07.2020 berichtet.

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