Symbolbild: Polizei (Foto: SR / Felix Schneider)

Ehemaliger Polizeischulen-Chef weiter belastet

Thomas Gerber   29.01.2021 | 17:00 Uhr

Im Nötigungsprozess rund um den ehemaligen Chef der Göttlerborner Polizeischule, Christof Baltes, haben weitere Zeugen gegen ihn ausgesagt. In erster Instanz war Baltes bereits zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden, weil er Studierende zur Herausgabe ihrer Handys gezwungen haben soll.

Der ehemalige Chef der Göttelborner Polizeihochschule Christof Baltes ist im Revisionsprozess vor dem Landgericht weiter belastet worden. Baltes und ein Polizeirat waren in erster Instanz zu einer Bewährungsstrafe von acht beziehungsweise sieben Monaten verurteilt worden, weil sie zwei Studenten gezwungen haben sollen, ihnen ihre Privathandys auszuhändigen.

Der Polizeirat war zunächst ebenfalls in Berufung gegangen, hatte sich dann aber bei den Studenten entschuldigt. Das Verfahren gegen ihn wurde gegen Zahlung von insgesamt 10.000 Euro eingestellt. Im Prozess gegen Baltes wurden am Freitag mehrere Zeugen vernommen.

"Erschreckender Umgang"

Ein Dozent der Polizeihochschule, dem einer der Studenten das Tribunal bei Baltes und dem Polizeirat geschildert hatte, sprach von einem erschreckenden Umgang mit jungen Leuten. Die Rede war sogar von einer "Methode Karcherstraße", also jener Polizeiinspektion, die lange den Ruf hatte, nicht gerade zimperlich mit ihrer Klientel umzugehen.

Zwar bestätigte die Hochschulrektorin, dass Baltes durchaus in ihrem Namen herausfinden sollte, ob an den Gerüchten über angebliche Durchstechereien von Klausurinhalten durch eine Dozentin was dran sei. Die Umsetzung aber sei Sache von Baltes gewesen. Einer der Studenten berichtete dann, dass er vor der Herausgabe seines Handys massiv unter Druck gesetzt worden sei.

Prozess im Februar fortgesetzt

Mehrmals habe Baltes auf die Möglichkeit eines Diszplinarverfahrens oder sogar einer Entlassung hingewiesen. Baltes' Verteidiger sieht dennoch keine vorsätzliche Nötigung - im Protokoll sei schließlich vermerkt, dass der Student sein Handy "gerne" übergebe.

Einen großen Skandal hatte die Durchsicht der Nachrichten aus der studentischen Whats App Gruppe am Ende übrigens nicht gebracht. Zwar hatten alle Studenten gewußt, welche Dozentin die Klausurfragen stellen wird, aber es gab weder eine Wiederholungsklausur noch Ausreißer bei den Noten.

Der Prozess wird am 16. Februar fortgesetzt. Dann ist der ehemals mitangeklagte Polizeirat im Zeugenstand.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 29.01.2021 berichtet.

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