Die abgesagte Weihnachtsmärkte (Foto: picture alliance / Flashpic | Jens Krick)

Händler im Saarland verlieren wichtigsten Teil ihres Jahresumsatzes

Tabea Prünte   05.12.2021 | 09:06 Uhr

Die Liste der Weihnachtsmärkte, die trotz Corona noch stattfinden, ist in den vergangenen Wochen immer weiter geschrumpft. Für viele Händler macht der Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt aber einen wichtigen Teil ihres Jahresumsatzes aus. Wie gehen sie damit um und was passiert mit Glühwein, Bratwurst und Weihnachtsartikeln?

"Wir leben ja davon - also wir haben mal davon gelebt", bringt Marion Henné auf den Punkt, was viele Schausteller, Händlerinnen und Händler im Moment denken. Henné ist Kunsthandwerkerin und verkauft normalerweise einen Großteil ihrer Ware in der Adventszeit. Im Moment wird sie diese aber nicht mehr los. Denn immer mehr Weihnachtsmärkte im Saarland wurden innerhalb der letzten Wochen und Tage wegen Corona abgesagt - für den Verkauf und das Weihnachtsgeschäft gibt es kaum Alternativen.

Für die Weihnachtsmarktbesucherinnen und -besucher fällt dadurch der ein oder andere Glühweinabend aus - für die Standbetreiberinnen und -betreiber bricht ein bedeutender Teil ihres Jahresumsatzes weg.

"Man fühlt sich überflüssig"

80 Prozent ihres Umsatzes für das gesamte Jahr nimmt Henné normalerweise in der Weihnachtszeit ein. Die Goldschmiedin verkauft in anderen Jahren auf verschiedenen Märkten im Saarland selbstgefertigten Schmuck.

Dieses Jahr wäre sie unter anderem in Schwemlingen gewesen, wo der Markt aufgrund steigender Corona-Fallzahlen abgesagt wurde. "Ich bin quasi seit zwei Jahren im Total-Lockdown", sagt die Solo-Selbstständige. "Man fühlt sich überflüssig."

Verkauf im Zoo

Sie hat sich daher auf die Suche nach einer Alternative gemacht. Und so hat sie zunächst einmal für ein Wochenende ihren Schmuck im Saarbrücker Zoo verkauft, vor dem Affengehege. "Das war eine Verzweiflungstat aber das ist kein Ersatz. Wieder reinholen kann man den Umsatz sowieso nicht."

Doch sie hofft, dort zumindest ein paar Menschen auf ihre Arbeit aufmerksam machen zu können. Werbung zu schalten sei viel zu teuer. "Man hat so viele Ideen, möchte so viel Neues machen. Aber es kostet erstmal alles Geld", sagt sie. "Für wen soll ich den Schmuck denn machen, wenn er hier dann eh erstmal nur herumliegt und anläuft?"

15.000 bis 20.000 Euro Verlust

Keramikartikel laufen unterdessen zwar nicht an, stapeln sich aber zunehmend in der Werkstatt von Stephanie Keller. Die Töpferin hat ursprünglich damit gerechnet, in der Weihnachtszeit in diesem Jahr auf fünf verschiedenen Kunsthandwerkermärkten zu verkaufen. "Aber ich hab fast alles in meinem Kalender schon durchgestrichen."

Müsste sie hochrechnen, wie viel sie dadurch weniger einnimmt, kommt sie auf 15.000 bis 20.000 Euro - "die definitiv weg sind."

Auf großen Märkten hohe Standgebühren

Stattdessen steht sie nun ein Mal pro Woche auf dem Grünmarkt in St. Ingbert. So mache sie im Moment zwar keine Verluste, aber es bleiben eben auch die Gewinne weg.

"Wir arbeiten eigentlich alle immer auf das Weihnachtsgeschäft hin", sagt Keller stellvertretend für die Kolleginnen und Kollegen aus dem Kunsthandwerk. Ein Online-Verkauf lohne sich nicht und "auf großen Weihnachtsmärkten können wir uns die Standgebühren nicht leisten."

Da der Verkauf in diesem Jahr erneut stark eingeschränkt ist, weichen einige schon von der weiteren Produktion ihrer Verkaufsstücke ab, berichtet Keller. Stattdessen geben sie nun Onlinekurse oder vermitteln in Kursen an der Volkshochschule ihr Handwerk.

Händler suchen Alternativen

Die Folgen der vielen Weihnachtsmarktabsagen hat auch Doris Gerz, Veranstalterin des Mittelalterlichen Adventsmarktes in Mettlach, gespürt. Dieser Markt wurde nicht abgesagt und bis zuletzt habe es noch Anmeldungen von Händlerinnen und Händlern gegeben, die auf der Suche nach kurzfristigen Alternativen waren, da andernorts ein weiterer Weihnachtsmarkt nicht stattfinden konnte.

"Die Not ist sicherlich groß. Aber nicht nur jetzt, sondern das ganze Jahr über", schätzt Gerz die Situation ein. Und auch sie hatte zunächst Bedenken: "Man weiß nie, was noch an Regelungen kommt. Deshalb war ich schon ein bisschen zappelig."

Wohin mit tausenden Litern Glühwein?

Diese Nervosität können sicherlich auch Betreiberinnen und Betreiber von Glühweinständen nachvollziehen. Für die Weihnachtsmarktsaison haben sie große Vorräte angeschafft - doch wohin nun mit den tausenden Litern Heißgetränken und kiloweise Bratwürstchen, wenn der Markt kurzfristig abgesagt wird?

Wer Glück hat, kann noch verschlossene Lebensmittel an den Großhandel zurückgeben. Bereits angebrochener Glühwein oder Milchpackungen müssen entsorgt werden, erklärt Thomas Sonnier, Sprecher des saarländischen Schaustellerverbands. Das können durchaus mehrere tausend Liter sein, die da zusammenkommen.

Haltbare und alkoholfreie Lebensmittel, die noch fest verschlossen sind, spenden viele an die Tafel. "Die Städte sollten sich jeweils darum kümmern, Anlaufstellen zu schaffen, wo sich um die übriggebliebenen Lebensmittel gekümmert wird", fordert Sonnier.

Auf ihren Waren sitzen bleiben wohl die Feuerwerker, die wegen des erneuten Böller-Verkaufsverbots ihre Lager wieder nicht leer können.

Überbrückungshilfen werden verlängert

Das Land unterstützt zumindest bereits finanziell. Die Überbrückungshilfen werden bis März 2022 verlängert, kündigt das Wirtschaftsministerium an. Dies gelte insbesondere auch für Aussteller auf Weihnachtsmärkten. Für sie ebenfalls relevant: Verderbliche Ware und Saisonware können sie abschreiben.

Solo-Selbstständige können pro Monat bis zu 1500 Euro an direkten Zuschüssen erhalten.

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