Prozess gegen den Wirtschaftsdetektiven (Foto: Becker & Bredel)

„Robin Hood der Kleinanleger“ schweigt vor Gericht

Thomas Gerber   15.01.2020 | 14:50 Uhr

Vor dem Landgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen einen bundesweit als „Robin Hood der Kleinanleger“ bekannten Ottweiler Wirtschaftsdetektiv begonnen. Der Angeklagte schwieg am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen.

Prozess gegen Ottweiler Wirtschaftsdetektiv hat begonnen
Audio [SR 3, Simin Sadeghi / Thomas Gerber, 15.01.2020, Länge: 03:12 Min.]
Prozess gegen Ottweiler Wirtschaftsdetektiv hat begonnen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 55-Jährigen gewerbsmäßige Untreue in rund 200 Fällen sowie Insolvenzverschleppung und Urkundenfälschung vor. Krankheitsbedingt war der Prozess bisher zweimal geplatzt: Im April 2019 erschien Medard Fuchsgruber aufgrund einer Blutdruckkrise nicht vor Gericht. Vor einer Woche war der Wirtschaftsdetektiv aus Ottweiler dem Prozess wegen einer Nabel-OP ferngeblieben. Das Landgericht ließ ihn daraufhin Ende vergangener Woche in einer Duisburger Klinik festnehmen. Es bestehe die Gefahr, dass er sich dem Prozess in Saarbrücken entziehen wolle. Fuchsgruber sitzt seither wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Zwei Stunden brauchte die Staatsanwältin am Mittwoch, um die Anklage zu verlesen. Endlose Zahlenkolonnen über Geldbeträge, hinter denen Schicksale stecken. Schicksale von Anlegern, die zunächst dubiosen Risiko-Fonds und dann - laut Anklage - ihrem mutmaßlichen Retter auf den Leim gegangen waren.

Untreue, Urkundenfälschung, Insolvenzverschleppung

Mit einer beitragspflichtigen Inkassogemeinschaft hatte Fuchsgruber unter anderem zunächst erfolgreich gegen eine Augsburger Bank geklagt und Rückzahlungen von 75 Prozent der Anlagesumme erstritten. Statt der vereinbarten Erfolgsprämie von sieben Prozent soll Fuchsgruber aber weitaus mehr für sich abgezweigt haben. Der Untreueschaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf insgesamt 940.000 Euro. Hinzu kommen Urkundenfälschungen und dreifache Insolvenzverschleppung von Fuchsgrubers Firmen. Bei diversen Gläubigern hat der 55-Jährige noch Schulden: Vom Notar bis zum Containerdienst sind es insgesamt rund 400.000 Euro.

Zum Prozessauftakt schwieg Fuchsgruber sowohl zur Person als auch zur Sache. Über seine Haftbeschwerde will das Gericht erst nach einem medizinischen Gutachten entscheiden. Das soll klären, ob die Nabel-OP, wegen der vergangene Woche der Prozess geplatzt war, tatsächlich unaufschiebbar oder lediglich vorgeschoben war.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 15.01.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja