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Wie fühlen sich "Dorfkinder" im Saarland?

Daniel Dresen   22.01.2020 | 06:51 Uhr

Bundesagrarministerin Klöckner (CDU) hat für ihre Aktion #Dorfkinder einen Shitstorm geerntet. Die Kampagne sollte eigentlich für den ländlichen Raum und seine Menschen werben, stattdessen beschweren sich die Bewohner über die Lebensbedingungen auf dem Land.

Kollegengespräch: "Vor- und Nachteile des Dorflebens"
Audio [SR 3, Frank Hofmann/Carmen Bachmann, 22.01.2020, Länge: 01:52 Min.]
Kollegengespräch: "Vor- und Nachteile des Dorflebens"

Mit schönen Bildern von Menschen auf dem Land wollte Bundesagrarministerin Julia Klöckner für den ländlichen Raum werben. Sie zeigen Bürger, die im Fußballverein und bei der Feuerwehr zusammenhalten, Kinder, die die Sonne als Energieträger entdeckt haben und Visionäre, die in einem alten Bauernhof eine neue Geschäftsidee entwickeln. Vier Motive, die eine heile Welt widerspiegeln und laut Ministerium "positive Beispiele und innovative Ansätze der ländlichen Entwicklung" darstellen.

Viel Kritik an #Dorfkinder-Kampagne

Für viele Internetnutzer ist das Dorfleben allerdings keine heile Welt. In den Städten erhoffen sie sich eine bessere Zukunft. Aufgrund dessen nehmen sie den Tweet von Julia Klöckner unter dem Hashtag #Dorfkinder als Augenwischerei wahr. Sie vermissen auf dem Land insbesondere eine zuverlässige Infrastruktur, ein vielfältiges Freizeitangebot oder schnelles Internet. Dafür kritisieren die User die Ministerin scharf. Auch eine Studie des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass vor allem junge Menschen ihre ländliche Heimat aus Perspektivlosigkeit verlassen.

Viele "Dorfkinder" im Saarland

Die Debatte um die Licht- und Schattenseite im Leben der "Dorfkinder" dürfte auch viele Saarländer betreffen - immerhin gelten rund 80 Prozent der Gesamtfläche des Saarlandes laut Umweltministerium als ländlicher Raum. Hier lebt fast die Hälfte der Saarländer - oft in Ortsteilen mit weniger als 1000 Einwohnern.

"Man muss das Leben auf dem Dorf mehr unterstützen"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Gerd Heger / Dorothee Scharner, 22.01.2020, Länge: 04:05 Min.]
"Man muss das Leben auf dem Dorf mehr unterstützen"

Hinsichtlich der Lebensqualität hat das Land gewisse Vorzüge: Die Arbeitslosenquote in den ländlichen Regionen des Saarlandes ist laut Agentur für Arbeit niedriger als in den Zentren Saarbrücken und Neunkirchen und deren Speckgürtel. Auch in Sachen Kriminalität lebt es sich auf dem Land sicherer.

Anders sieht es bei der Digitalisierung aus: In den vergangenen zwei Jahren wurde der Breitbandausbau zwar vorangetrieben, in der Vergangenheit hatten aber vor allem die ländlichen Regionen hier das Nachsehen. Ähnlich beim Mobilfunk: Hier gibt es die "weißen Flecken" am ehesten auf dem Land. Auch bei der Nahversorgung gibt es im ländlichen Raum Probleme. Mancherorts hat der letzte Einzelhandel dicht gemacht - und auch eine Apotheke gibt es längst nicht mehr in jedem Dorf.

Doch nun sind Sie gefragt: Wie wohl fühlen Sie sich auf dem Land? Wir freuen uns auf Ihre Antwort in der Kommentarfunktion.

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18 Kommentare

Nadine 22.01.2020, 20:56 Uhr

Nichts ist perfekt! Das Saarland hat viel Potenzial man müsste es lediglich besser nutzen, jedoch finde ich ist unser Dorfleben doch noch recht gut. Ich lebe gut in meinem Dorf und fühle mich auch gut versorgt. Man sollte auch das positive sehen und nicht alles klein reden

Anonym 22.01.2020, 19:24 Uhr

Kurzarbeit, Insolvenzen, Firmenpleiten....erst die Bergwerke, jetzt die Autoindustrie. Wenn jetzt die Welle der Arbeitslosigkeit anrollt ist das Leben im Saarland nicht mehr erstrebenswert. Perspektivlose Facharbeiter aus dem Saarland sind gezwungen auf kurz oder lang eine neue Heimat zu suchen. Kindergärten, Hortplätze, Krippenplätze teilweise so teuer, dass es sich als Frau mit Steuerklasse 5 nicht lohnt zu arbeiten zumal Benzin drastisch teurer werden soll. Im Dorf keine gescheiten Busverbindungen.... Alles ziemlich traurig.

Edmund Müller 22.01.2020, 18:54 Uhr

ge ich mich, ob der noch alle Tassen im Schrank hat. Wie würde denn die Landschaft aussehen ohne die Dörfer? Alles in allem fühle ich mich in der gesunden Luft im Dorf wohl und kann mit jedem mich unterhalten. Übrigens beklagt sich Herr Özdemir, dass seine Kinder in Stuttgart so viele Stickoxide einatmen. Ich würde das schon gar nicht als Grüner meinen Kindern zumuten.

Anonym 22.01.2020, 16:04 Uhr

Leider kein Geschäft zu Fuß erreichbar (Habkirchen) und Kriminalität aus Frankreich nimmt zu...

Anonym 22.01.2020, 13:46 Uhr

Völlige Verkennung der Realität, reine Schönfärberei der Wirklichkeit. Und, auch die Kriminalität macht sich mehr und mehr im "ländlichen Raum" breit.....

Anonym 22.01.2020, 13:29 Uhr

Ein Grund, warum der ländliche Raum im Saarland noch relativ attraktiv ist, sind die vielen vielen selbstverwalteten Jugendtreffs! Die übernehmen vielerorts die Organisation von Traditionsfesten übers Jahr und das ehrenamtliche Engagement in den Treffs führt auch dazu, dass die Dorfjugend auch mal was geboten bekommt und nicht immer zum Feiern nach Saarbrücken fahren muss. Ich denke, für viele auch ein Grund nach der Schule nicht direkt hier wegzuziehen!

Karl Bales 22.01.2020, 12:17 Uhr

Dorfleben ist so weit schön, aber bei uns in Überherrn gibt es keine Fachärzte. (Kinder Augen ...) Viele Geschäfte sind bei uns nur wegen den Franzosen da. Ansonsten wäre Überherrn auch ein totes Nest.

Anonym 22.01.2020, 11:45 Uhr

Ich wohne mit meiner Familie in einem Dorf mit 2.500 Einwohner. Wir haben Supermarkt, Getränkecenter, Apotheke, Arzt, Speiselokal und Dorfkneipen. Direkte Autobahnanbindung und rundum Wald. Wir wohnen mitten im Zentrum und haben ein großes Grundstück. Ich möchte nirgendwo anders wohnen als auf dem Dorf.

C.Monz 22.01.2020, 11:33 Uhr

Sind wir nicht alle "Dorfkinder" im Saarland? In der politischen Landschaft der Bundesregierung werden wir so wahrgenommen. Da nützt es auch nichts, dass wir durch Saarländern in den Ministerien stark vertreten werden. Vor Jahren wurde eine politische Entscheidung getroffen, dass das "Dorf" Saarland mit mehr Nahverkehr und weniger Fernverkehr an den Rest der Republik besser angebunden werden kann. Nicht nur zeitaufwendiges ständiges Umsteigen am Nadelöhr Mannheim hat das zur Folge. Nein, die "Dorfkinder" des Saarlandes zahlen auch noch höhere Ticketpreise. Die Preissenkungen der Deutschen Bahn gelten nur für Fernverkehrsverbindungen. All die schöne Werbung um CO2-Reduzierung und Sparangebote geht am Saarland vorbei. Der Nachverkehr bleibt weiterhin teuer und schlecht ausgebaut. Und die "Dorfkinder" gefrustet zu Hause oder ziehen weg.

Anonym 22.01.2020, 10:22 Uhr

Ich wohne seit 7 Jahren (am Stadtrand) in Saarbrücken. Von dort aus ist der ÖPNV gut ausgebaut und sehr gut nutzbar. Die kulturellen Angebote sind vielfältiger als seinerzeit im Dorf. Außerdem erlebe ich die soziale Kontrolle nicht wie im Dorf, das ist sehr angenehm. In Vereinen und Organisationen kann sich auch der Stadtmensch engagieren wenn gewünscht.

Günter Simon 22.01.2020, 10:04 Uhr

Ich lebe mein ganzes Leben auf dem Land. Durch mein Berufsleben kenne ich auch Großstädte, aber leben möchte ich dort nicht. Was besser hier sein könnte ist der ÖPNV und die Krankenhaussituation. Dieses hat man vor rund 2 Jahren geschlossen.

Daeges Wolfgang, Leo 22.01.2020, 09:32 Uhr

Das ist doch sehr individuell, je nach Typ Mensch: Der "Waldbader" oder auch "Selbstbeschäftiger" ist eher/näher an & in der Natur. Eher dörflich. Der sich in der Masse -auch verstecken verstecken will- und der es einfacher, sprich leichter versorgt sein will, ist eher Städter. Natürlich spielt Beruf, Herkunft & Möglichkeiten eine Rolle.

Anonym 22.01.2020, 09:22 Uhr

Nicht in Saarland sehr sehr assozial das Volk

M L Herber 22.01.2020, 08:42 Uhr

Ich lebe sehr gerne auf dem Land und engagiere mich auch in Vereinen. Mit dem Zug komme ich auch schnell zur Arbeit nach Saarbrücken. Aber Saarbrücken ist ja eher auch ländlich. So ne richtige Großstadt haben wir im Saarland ja nicht? Der Unterschied ist , dass auf dem Land die Geschäfte zurückgehen und der Nahverkehr nicht so gut ist. Ich beobachte aber hier einen Rückwärtstrend; bei uns gibt es inzwischen ein paar regionale Anbieter mit Automaten und Verkaufsständen. Gute Entwicklung.

Peter Krächan,Illingen 22.01.2020, 08:25 Uhr

Landleben im Saarland heißt Leben in der TRA Lauter, heißt jeden Tag von morgens bis abends Kampfjetlärm, ständiges abartiges Gedröhne, Terror pur. Landleben heißt für mich, wohnen in einem Manövergebiet,in dem Militärs treiben,was sie wollen und unsere Politiker nichts dagegen unternehmen.

Anonym 22.01.2020, 08:01 Uhr

Guten Morgen ich lebe mit meiner Familie in Walsheim - dörflicher gehts bald nicht mehr. Mit einem rührigen Ortsvorsteher und endlich einem aktivem Bürgermeister in Gersheim läßt sich hier gut leben. Wir sind vor 19 Jahren hierher gezogen. Und wir wollen es nicht mehr missen. Es ist unser täglicher Urlaub. Wenn ich vom Außendienst in Zweibrücken oder Einöd von der Autobahn komme und durch das Bliestal fahre, beginnt mein Urlaub. Sicherlich es hat Jahre gedauert, Jahrzehnte, bis mal schnelles Internet hier war. Wir sind ja im Ansehen der städtischen Politiker nur eine Randerscheinung. Mehr Bus und Bahn etc. Blödsinn, läuft hier nicht. Das Land wird ausgegrenzt. Wer im Monat über 1.000 km für seinen Nachwuchs fährt, der weiß wie bei den Politikern Bus und Bahn geschrieben wird. Die Denke ändert sich auch nicht. Und - manchmal vermissen wir das Angebot einer Stadt. Theater, Oper, etc., Kultur geht hier auch nur mit dem Aufwand. Aber wir wohnen traumhaft!

M. Spies 22.01.2020, 07:53 Uhr

Ich lebe gerne auf dem Land. Aber die Probleme der Infrastruktur sind nicht zu übersehen. Breitband ist etwas besser geworden. Aber die Netzqualität ist furchtbar. Dabei ist das für Viele so wichtig wie Wasser und Strom, Grundversorgung eben. Die weißen Flecken müssen weg! Da muss noch viel passieren. Eine prima Aufgabe für Klöckner.

Anonym 22.01.2020, 07:33 Uhr

Wunderbar, das Landleben!

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