Smartphone  (Foto: pixabay / JESHOOTS)

App als Hilfe gegen Corona-Ausbreitung?

Anne Staut   01.04.2020 | 11:15 Uhr

Die Bundesregierung diskutiert derzeit, ob Handydaten dazu beitragen könnten, die Corona-Pandemie einzudämmen. Denkbar wäre etwa eine App, mit der auf freiwilliger Basis Bewegungsdaten erfasst werden könnten, um so Kontaktpersonen schneller identifizieren zu können. Das saarländische Datenschutzzentrum sieht in dieser Möglichkeit Vorteile gegenüber anderen Konzepten.

Mit Handy-Tracking gegen das Corona-Virus
Audio [SR 1, (c) Julia Lehmann, Christopher Jähnert , 01.04.2020, Länge: 03:09 Min.]
Mit Handy-Tracking gegen das Corona-Virus

Die vorgeschlagene App soll wie eine Art digitales Tagebuch funktionieren und Begegnungen mittels Bluetooth erfassen. Dadurch könnten Kontaktpersonen bei einer möglichen Coronainfektion schneller informiert werden – etwa mittels anonymisierter Hinweise, die über die App versendet werden. Eine Nachricht würden nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aber wohl nur diejenigen erhalten, die eine solche App auf ihr Mobiltelefon geladen hätten.

System informiert Kontaktpersonen

Das saarländische Datenschutzzentrum sieht in diesem Grobkonzept aus datenschutzrechtlicher Sicht Vorteile gegenüber anderen Vorschlägen - etwa der Anforderung von Funkzellendaten von Mobilfunkanbietern. "Während bei der Funkzellenlösung auf Grund der derzeitigen Ausbreitung des Virus faktisch die Verkehrsdaten aller Bundesbürger an staatliche Stellen übermittelt werden müssten, erfolgt bei der Bluetooth-Lösung eine Erfassung personenbezogener Daten zunächst ausschließlich auf dem Mobiltelefon der Bürger und somit dezentral ohne Beteiligung einer staatlichen Stelle", sagte Marco Schömer, Sprecher des Datenschutzzentrums.

Nur im Falle einer Infektion werden die Daten aus dem Mobiltelefon des Patienten ausgelesen. Über das System können dann auch alle Kontaktpersonen mit einer Benachrichtigung informiert werden, dass sie sich möglicherweise infiziert haben könnten. Sie werden aufgefordert sich in Quarantäne zu begeben und sich testen zu lassen.

Standortdaten zu ungenau

Den ursprünglichen Vorschlag des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), dass Telekommunikationsanbieter unter bestimmten Voraussetzungen Verbindungsdaten von Mobiltelefonen herausgeben sollen, lehnt das saarländische Datenschutzzentrum hingegen ab. Die verwendeten Daten könnten nicht ihren Zweck – die Nachverfolgung von Kontaktpersonen – erfüllen. Eine gesetzlich vorgegebene Übermittlung dieser Daten durch die Telekommunikationsanbieter könne daher in datenschutzrechtlicher Hinsicht nicht überzeugen, erläuterte der Sprecher des Datenschutzzentrums.

Mit Hilfe der sogenannten Telekommunikationsverkehrsdaten ließen sich zwar Mobiltelefone innerhalb des Bereichs einer Funkzelle lokalisieren, allerdings viel zu ungenau, um tatsächlich Kontaktpersonen mit hinreichender Sicherheit ausmachen zu können.

Der ursprüngliche Vorschlag des Bundesgesundheitsministers hatte auch in der Opposition und in der SPD zu viel Kritik geführt. Spahn stellte diese Pläne deshalb vorerst zurück.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 01.04.2020 berichtet.

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