Gastronomie ohne Gäste (Foto: Pixabay/cocoparisienne)

Diskussion um Sperrstundenregelung

mit Informationen von Lisa Krauser   20.10.2020 | 07:41 Uhr

Seit Sonntag dürfen Restaurants und Kneipen im Saarland nur noch bis 23.00 Uhr offen bleiben. Dann ist Sperrstunde. Viele Gastronomen sehen die Regelung erwartungsgemäß kritisch. Aber auch Politiker üben Kritik. Die Befürchtung: Feiern könnten sich wieder stärker ins Private verlagern.

Sperrstunde kommt bei vielen Gastronomen nicht gut an
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 20.10.2020, Länge: 03:54 Min.]
Sperrstunde kommt bei vielen Gastronomen nicht gut an

Bei vielen Gastronomen kommt die neue Sperrstunden-Regelung erwartungsgemäß nicht gut an. Die Regelung treffe die Branche hart, sagt Frank Hohrath vom Deutschen Hotel und Gaststättenverband, Dehoga. Dadurch gingen vielen Kneipen und Restaurants Gäste verloren. Auch könne man davon ausgehen, dass viele Menschen ihre Feiern jetzt nach Hause oder in den nicht kontrollierten öffentlichen Raum, wie etwa Parks, verlagerten.

Daher hofft der Dehoga, dass die Landesregierung noch einmal darüber nachdenkt, ob die Maßnahme einer Sperrstunde wirklich zielführend ist oder ob nicht auch ein Alkoholausschankverbot ab einer bestimmten Uhrzeit ausreichend sei.

Kritik von St. Wendler Landrat und den Jusos

Bereits am Wochenende hatte der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald erklärt, er sehe die Sperrstunde als Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie kritisch. "Ich glaube, dass die Sperrstunde eher zur Verdrängung ins Private führt, also genau das erreicht, was wir verhindern wollen." Es sei doch besser, wenn junge Menschen unter sozialer Kontrolle in den Gaststätten säßen, als unkontrollierbar im Privaten zu feiern. Das Hauptinfektionsgeschehen komme aus dem Privaten und nicht aus dem öffentlichen Leben, wo es Hygienekonzepte und Kontrolle gebe.

Auch die Saar-Jusos kritisieren die Sperrstundenregelung. Sie schade mehr als sie nütze, weil Treffen und Zusammenkünfte in den privaten Raum verlagert würden. Die Vorsitzende Kira Braun schlägt stattdessen eine Begrenzung der Personenzahl innerhalb von Gastronomiebetrieben vor.

Gericht kassierte Berliner Sperrstundenregelung

Auch in anderen Bundesländern wird über die Sperrstunden gestritten. In Berlin hatte das Verwaltungsgericht letzte Woche auf Antrag von elf Wirten die Regelung gekippt. Die Richter befanden, die Sperrstunde sei für eine nennenswerte Bekämpfung des Infektionsgeschehens nicht erforderlich. Auch in NRW klagen Wirte nun dagegen.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten vom 20.10.2020.

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