Dr. Dirk Jesinghaus (Foto: imago/Becker&Bredel)

Gesundheitswesen digital im Rückstand

Axel Wagner   17.03.2019 | 09:42 Uhr

Mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen hat sich am Samstag der Saarländische Fachärztetag in Saarbrücken beschäftigt. In Deutschland ist das ein schwieriges Feld. Auch das neue Terminservice-Gesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stößt auf wenig Gegenliebe.

Dr. Dirk Jesinghaus, der Vorsitzende des Saarländischen Facharztforums, hält das neue Gesetz für eine komplette Fehlentscheidung. „Es gibt keinen Termin mehr, nur weil ich plötzlich eine neue Verwaltungsstelle dafür einrichte“, sagt er im SR-Interview

Bei der Tagung soll es darum gehen, wie man digitale Medien einsetzen kann, um die Flut von Patientendaten zeitgemäß verwalten zu können. Jesinghaus schwebt dabei eine „lebendige Datei“ vor, mit der man über diese Daten verfügen kann. „Das ist eigentlich der Hintergrund der Digitalisierung, nicht der Abgleich von Patientendaten mit der Krankenkasse oder sonstige Verwaltungsdinge. Da hat der Patient ja nichts von.“

Brauchbares System erst in zehn Jahren

Digitalisierung im Gesundheitswesen - Interview mit Dr. Dirk Jesinghaus
Audio [SR 3, (c) SR, 16.03.2019, Länge: 02:59 Min.]
Digitalisierung im Gesundheitswesen - Interview mit Dr. Dirk Jesinghaus

Das ist jedoch in Deutschland mit Problemen verbunden. „Der Haken hängt sicherlich einmal am Datenschutz. Aber in der Tat ist es einfach etwas zerredet worden, und danach wurde nichts gemacht“, sagt Jesinghaus. „Wir in Deutschland sind in Europa im unteren Drittel.“

Doch bis wann kann sich das ändern? Jesinghaus zögert bei der Antwort. „Realistisch würde ich sagen: In zehn Jahren haben wir vielleicht ein brauchbares System. Und das ist eigentlich zehn Jahre zu spät.“

Der Datenschutz ist dabei nicht das eigentliche Problem. „Den kann man ja eigentlich ganz gut klären“, meint Jesinghaus. „Ich kann ja auch nicht in Ihr Bankkonto gucken, wenn man es einigermaßen geschickt macht, und die Leute können ja auch mit PINs umgehen.“ Die Daten müssten aber irgendwo liegen, wo sie auch nach 30 Jahren noch geschützt sind.

Persönlicher Erstkontakt

Für die Telemedizin, also etwa die Behandlung von Patienten per Videotelefonie, sieht Jesinghaus nur eingeschränkt Nutzungsmöglichkeiten. „Die Kernfrage ist die: Kann und soll ich einen Patienten telemedizinisch behandeln, den ich gar nicht persönlich kenne? Ich persönlich bin da eher skeptisch.“ Wichtig sei der persönliche Erstkontakt. Aber: „Neue Medien muss man nutzen. So wie sie sinnvoll sind, werden sie genutzt.“

Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) sprach sich beim Fachärztetag für regionale Digitalprojekte aus. „Fast täglich entstehen, vor allem im telemedizinischen berich, neue Innovationen und Anwendungen. Hier müssen wir auch im Saarland ansetzen, um diese neuen Möglichkeiten zur Verbesserung der Behandlung zu nutzen.“ Es brauche Experimentierräume, in denen Versorgungs- und Unterstützungsangebote erprobt werden könnten.

Über dieses Thema hat auch SR 3 Guten Morgen vom 16.03.2019 berichtet.

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