Zwei Personen mit Smartphones in Händen (Foto: pixabay/terimakasih0)

Es wurde noch nie so viel geschrieben wie heute

Kasia Hummel   14.03.2019 | 06:30 Uhr

Nicht nur Industrie und Medizin setzen auf Digitalisierung – auch die Kommunikation findet zunehmend über Online-Plattformen statt. Möglichkeiten, um soziale Kontakte zu knüpfen oder sich mit Menschen auszutauschen, gibt es im Internet viele. Aber wie wirkt sich das auf das tägliche Miteinander aus?

Dr. Steffen Pappert, Uni Duisburg-Essen (Foto: Robert Wroblewski)
Dr. Steffen Pappert, Uni Duisburg-Essen

Egal ob auf der Suche nach Lebens- oder Freizeitpartner: Das Internet bietet für jeden Bereich die passende Plattform zum Kennenlernen oder zum Austausch. Aber besteht hier nicht die Gefahr, dass wir die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht vernachlässigen oder gar verlernen? Ganz so pessimistisch ist Privatdozent Dr. Steffen Pappert nicht. Er beschäftigt sich an der Uni Duisburg-Essen hauptsächlich mit Medienkommunikation und politischer Kommunikation. „Das face-to-face-Gespräch bleibt meines Erachtens grundlegend.“ Die Plattformen dienten lediglich erstmal dazu, Kontakte zu knüpfen.  

„Was aber definitiv der Fall ist: Vieles hat sich ins Netz verlagert, und das beeinflusst natürlich extrem unser alltägliches Leben“, erklärt Pappert. Und tatsächlich: Dinge werden inzwischen oft über soziale Medien anstatt im persönlichen Dialog geklärt. Eine Erklärung dafür ist in den Augen Papperts die Faulheit. „Wenn ich eine Möglichkeit habe, etwas auf effiziente Art und Weise zu regeln, was ich zu regeln habe, dann nutze ich die Möglichkeit.“ Im Moment sei es eben das Netz. In Zeiten, in denen Menschen ständig unterwegs seien, überall auf der Welt verteilt und Zeitnot hätten, sei das Internet prädestiniert dafür, Dinge zu regeln.

Neue Formen der Kommunikation

Das bringt Probleme mit sich: „Die Leute sind einfach nur noch abgelenkt. Ich bin kein Prophet, aber könnte mir vorstellen, dass die Leute ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen und es dann zu so einer Art Vereinsamung kommt – jeder für sich, aber keiner merkt es.“ Um diese Entwicklung zu stoppen, müsste man seiner Ansicht nach das Bewusstsein dafür schärfen, dass die reale Umwelt bisweilen wichtiger ist als das, was gerade auf dem Handy erscheint.

Prinzipiell ist Pappert aber zuversichtlich: „Die Welt wird sich mit dieser Entwicklung arrangieren.“ Schließlich entstünden auch ganz neue Formen der Kommunikation, die nicht schlecht seien. „Es wurde beispielsweise noch nie so viel geschrieben, wie heute - gerade von Kindern und Jugendlichen.“ Zudem lebe auch die face-to-face-Kommunikation von Handys. „Wir haben sie zur Hand und können jederzeit Fotos sowie Filme zeigen, so ergeben sich ja auch Gesprächsthemen“, erklärt Pappert.

Schnelligkeit, weltweite Erreichbarkeit, neue Möglichkeiten: Das seien durchaus Vorteile der Digitalisierung in der Kommunikation. „Egal, an welchem Ort auf der Welt sie sich befinden, sie können miteinander kommunizieren. Wenn das mal kein Vorteil ist.“