Die Einstiegsseite zum Digitalen Bauantrag des Regionalverbandes der Stadt Saarbrücken auf dem Monitor eines Rechners (Foto: Imago/Westend61)

Ansturm auf digitale Bauanträge bleibt aus

Rebecca Wehrmann   28.08.2022 | 13:29 Uhr

Seit März können Bauanträge bei der Stadt und dem Regionalverband Saarbrücken auch digital eingereicht werden. Dieses Angebot wird aber seither nur zögerlich genutzt – für nur rund ein Fünftel der Anträge. Die Architektenkammer des Saarlandes ist darüber verwundert und will bei ihren Mitgliedern die Gründe erforschen.

Statistische Berechnungen, Zeichnungen, verschiedene Genehmigungen und vieles mehr - wenn alle Dokumente für einen Bauantrag zusammengestellt sind, ergibt das einen ansehnlichen Papierstapel. Dafür werden einige Unterlagen extra ausgedruckt, die ursprünglich schon digital bei Architekten- oder auch Ingenieurbüros angefertigt wurden.

Saarbrücken saarlandweit Vorreiter

Das ist im Jahr 2022 nicht mehr zeitgemäß. Dementsprechend hat die Landesregierung Ende 2021 auch für die saarländischen Behörden gesetzlich die Digitalisierung in die Wege geleitet.

Die Stadt Saarbrücken und der Regionalverband Saarbrücken haben diesen Schritt in Richtung Zukunft bereits gemacht und im März die digitale Einreichung von Bauanträgen ermöglicht. Zunächst nur für „vereinfachte“ Bauvorhaben. Dazu zählen zum Beispiel die Errichtung von Einfamilienhäusern aber auch Erweiterungen wie zum Beispiel die Ergänzung eines Balkons.

Nur ein Fünftel der Anträge digital

Das Internetportal der zuständigen Bauaufsichtsbehörden wird bislang allerdings nur wenig genutzt. Im Regionalverband sind seit der Freischaltung der digitalen Einreichung nur 28 von insgesamt 160 der vereinfachten Bauverfahren auf diesem Wege eingegangen. Das ist nur knapp ein Fünftel aller Anträge.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Stadt Saarbrücken. Hier wurden – ebenfalls seit es möglich ist, den Antrag in digitaler Form zu stellen – insgesamt 135 vereinfachte Bauanträge eingereicht. Davon erreichten die Landeshauptstadt nur 23 über das Netz. Damit wurde auch hier nur jeder fünfte Antrag digital übermittelt.

Architektenkammer will nachforschen

Über die geringe Nutzung der digitalen Lösung zeigt sich die saarländische Architektenkammer auf SR-Anfrage verwundert. „Wir sind überrascht, dass es so wenig genutzt wird“, sagt Geschäftsführerin Carmen Palzer. Man habe bei der Bekanntmachung, dass es endlich ein digitales Angebot gibt, enorme Rückmeldungen bekommen.

Die Reichweite bei der Ankündigung sei vergleichsweise hoch gewesen – und das generelle Feedback auf die Möglichkeit seitens der Architekten positiv. Gerade deshalb kann sich Palzer nicht erklären, weswegen der digitale Weg bisher nicht wirklich stark genutzt werde. Vielleicht liege es daran, dass es nur eine Insellösung für Saarbrücken und den Regionalverband sei, so Palzer.

Landesweites System gefordert

Die Architektenkammer setze sich auch schon seit Jahren für ein landesweit einheitliches System ein. Dafür gebe es auch schon ein gutes Vorbild: Mecklenburg-Vorpommern. Dort steht ein Portal zur Verfügung, das gut funktioniere und intuitiv bedienbar sei. Dieses Systems sei dem Wirtschaftsministerium auch bekannt und eine mögliche Umsetzung im Gespräch. Ob und wann es tatsächlich eingesetzt werde, sei aber noch nicht absehbar.

Dass bisher erst so eine geringe Anzahl von Anträgen digital eingereicht wurde, könne aber gegebenenfalls daran liegen, dass das Programm nicht so benutzerfreundlich sei. Beides seien aber nur Vermutungen. Um diesbezüglich eine genaue Aussage treffen zu können, will die Architektenkammer des Saarlandes nun aber eine Mitgliederbefragung starten.

Online-Bauakte bietet Einblicke in Bearbeitungsstand

Seit dem 22. August haben der Regionalverband und die Stadt Saarbrücken das Angebot der digitalen Einreichung noch einmal erweitert. Auch „normale“ Bauanträge – zum Beispiel für den Bau von größeren Gebäuden wie Kindergärten oder Mehrfamilienhäusern – sind seitdem möglich.

Zeitgleich damit wurde auch die Online-Bauakte für Bürgerinnen und Bürger eingerichtet. Mit ihr kann jederzeit der aktuelle Bearbeitungsstand des Bauantrags im Internet abgerufen werden. Zudem gibt es ein Ampel-System, das darüber informiert, welche Arbeitsschritte noch ausstehen oder welche Stellungnahmen von anderen Behörden bereits eingegangen sind.

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