Dieter Thomas Heck (Foto: dpa/Martin Schutt)

Dieter Thomas Heck ist tot

Kai Forst   25.08.2018 | 08:58 Uhr

Der Fernsehmoderator Dieter Thomas Heck ist am Donnerstag im Alter von 80 Jahren gestorben. Das teilte der ihn vertretende Berliner Medienanwalt Christian Schertz am Freitag mit. Heck moderierte jahrelang die ZDF-"Hitparade". Der Saarländische Rundfunk blickt auf eine jahrzehntelange, erfolgreiche Zusammenarbeit mit Heck zurück.

Just als der Saarländische Rundfunk mit Rocksendungen im Radio Furore machte, hielt Dieter Thomas Heck dort die Fahne des deutschen Schlagers hoch. 1966 kam er zur jungen Europawelle Saar und moderierte die Schlagerparade. Die Sendung hatte Heck zusammen mit dem Chef der Unterhaltungsmusik, Reimund Hesse, entwickelt. Ende der 1960er Jahre waren über zwei Millionen Hörer dabei, wenn Heck die neuesten deutschen Schlager präsentierte. Drei Jahre später sprang auch das Fernsehen auf den "Schlager-Zug" auf. Zusammen mit Truck Branss entwickelte Heck die "ZDF-Hitparade", die er insgesamt 184 Mal moderierte und alle wichtigen deutschen Sänger und Gruppen zu Gast hatte - angefangen von der großen Schlagergeneration um Roy Black bis zu den Stars der Neuen Deutschen Welle wie Nena.

Untrennbar mit dem SR verbunden

Trotz seiner überaus erfolgreichen Fernsehkarriere blieb Heck ein Teil des SR. Bis zum Jahr 1982 war er Moderator und Reporter für die Europawelle Saar. Dabei sind auch die frühen Jahre der Goldenen Europa untrennbar mit seinem Namen verbunden. Diesen bedeutenden Musikpreis hatte er miterfunden und jahrelang moderiert. Den Saarländischen Rundfunk verließ er Anfang der 80er, kam aber 2004 für mehrere Jahre mit der Sendung „Hallo Heck“ auf SR 3 Saarlandwelle zurück.

Kleist: "Werden sein Andenken in Ehren halten"

SR-Intendant Kleist würdigte Heck als Moderator und Entertainer, der den Musikgeschmack einer ganzen Generation geprägt habe. "Selten war die Bezeichnung Urgestein treffender", sagte Kleist mit Blick auf die jahrzehntelange Verbindung mit dem Saarländischen Rundfunk. "Viele hier im Saarland freuten sich, als er 2004 mit "Hallo Heck" ein kleines SR-Comeback auf SR 3 Saarlandwelle gab. Nun ist er leider für immer verstummt. Der SR hat Dieter Thomas Heck viel zu verdanken, und wir werden sein Andenken in Ehren halten."

Vom Autoverkäufer zum Radio-DJ

400. Sendung der „Deutschen Schlagerparade“ 1974. V.l.n.r.: Peggy March, Gavin du Porter, Moderator Dieter Thomas Heck, John vom Schlagerduo Phil und John. (Foto: Reiner Oettinger)
400. Sendung der „Deutschen Schlagerparade“ 1974. V.l.n.r.: Peggy March, Gavin du Porter, Moderator Dieter Thomas Heck, John vom Schlagerduo Phil und John.

Geboren wurde Heck als Carl Dieter Heckscher am 29. Dezember 1937 in Flensburg. Er wuchs allerdings in Hamburg auf. Im Zweiten Weltkrieg erlebte er als Kind die Bombardierungen der Hansestadt und wurde dabei traumatisiert. "Ich war fünf, als ich im Keller verschüttet wurde, hatte einen Schock", erinnerte sich Heck in einem Interview. Fortan stotterte er. Von der Sprachstörung befreite er sich durch lautes Vorlesen der Tageszeitung und - nachdem sein Vater ein Tonband gekauft hatte - durch eigene Aufnahmen. "Dies ist die Sendung aus dem Bett...", fing der junge Heckscher an. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er vier Jahre lang als Autoverkäufer.

Allerdings hatte ihn schon damals der Rundfunk interessiert, und er profitierte davon, dass die Sender damals neue Stimmen und Gesichter suchten. So landete der junge Mann beim Südwestfunk (SWF), wurde als Sänger in einer Sendung von Peter Frankenfeld entdeckt und bekam 1964 einen DJ-Job bei Radio Luxemburg. Seine Hörer gaben ihm auch den zweiten Vornamen. Weil schon ein Dieter im Moderatorenteam war, durften die jugendlichen "Bravo"-Leser abstimmen. Sie machten aus ihm Dieter Thomas Heck.

"Langweilig war es nie"

Dieter Thomas Heck ist tot
Audio [SR 3, Katja Preißner, 25.08.2018, Länge: 02:48 Min.]
Dieter Thomas Heck ist tot
Sein Name ist untrennbar mit der Musik- und Unterhaltungsbranche in Deutschland verbunden - und ebenso mit der Entwicklung des Saarländischen Rundfunks: Dieter Thomas Heck. Er ist jetzt im Alter von 80 Jahren gestorben. Katja Preißner erinnert an ihn.

Im vergangenen Jahr wurde er für sein Lebenswerk mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet. Heck genoss das Leben rund um die "Hitparade". "Langweilig war es nie", berichtete er einmal über den Backstagebereich. So rauchte und trank er heimlich während der Shows. Seine Maskenbildnerin stand mit Zigarette und Bierglas hinter der Bühne - Heck ging auf der einen Seite raus, rauchte und trank und trat auf der anderen Seite wieder vor sein Publikum. "Das war schon heavy."

Dabei wusste Heck um die Schrecken des Alkoholismus. Seine erste Frau war Alkoholikerin, es kam zu dramatischen Szenen auch vor ihren beiden Söhnen. Skandalfrei blieb dagegen die zweite Ehe mit seiner Frau Ragnhild, mit der Heck seit 1976 verheiratet war. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Das Paar lebte lange zusammen auf einem Schloss im Badischen. Wegen gesundheitlicher Probleme von Hecks Frau verkauften sie es aber schon vor Jahren und zogen nach Spanien - in das Land, das in so vielen "Hitparade"-Schlagern sehnsüchtig besungen wurde.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 24.08.2018 berichtet.

Artikel mit anderen teilen