Obdachlose Person schläft im Schlafsack unter freiem Himmel (Foto: dpa)

Steigende Obdachlosenzahlen befürchtet

mit Informationen von Lisa Betzholz   12.11.2019 | 07:12 Uhr

Die Zahl der Wohnungslosen ist in Deutschland im vergangenen Jahr laut Schätzungen um 4,2 Prozent gestiegen. Auch im Saarland könnte das Problem wachsen, warnt das Diakonische Werk. Es wünscht sich mehr Sozialwohnungen.

Im Jahr 2018 waren nach einer Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe bundesweit 678.000 Menschen wohnungslos. Im Jahr davor waren es noch knapp 30.000 weniger. Im Saarland sind die Zahlen laut Diakonischem Werk seit Jahren konstant hoch, vor allem in Ballungsgebieten wie dem Regionalverband Saarbrücken. Allein in Saarbrücken seien derzeit schätzungsweise etwa 1000 Menschen wohnungslos. "Die Zahlen werden mit Sicherheit nicht sinken. Ich glaube eher, dass sie noch mal leicht nach oben steigen, da immer mehr Leute in den Sozialleistungsbezug abrutschen und dann auch Probleme auf dem Wohnungsmarkt bekommen", sagt Diakonie-Mitarbeiter Achim Ickler.

Video [aktueller bericht, 11.11.2019, Länge: 2:33 Min.]
Die Situation der Obdachlosen im Saarland

Als Wohnungslose gelten Menschen, die keinen Mietvertrag haben. Oft leben sie in Notunterkünften, stationären Einrichtungen oder bei Freunden. Besonders betroffen sind junge Menschen, Alleinerziehende und alleinstehende Männer. Hinzu kommen immer mehr Geflüchtete.

Obdach- und Wohnungslose im Saarland
Audio [SR 3, Frank Hofmann/Lisa Betzholz, 12.11.2019, Länge: 03:25 Min.]
Obdach- und Wohnungslose im Saarland

Die Ursachen sind vielfältig, aber eine große Rolle spielt laut Armutskonferenz der knappe soziale Wohnraum und steigende Kosten. "Wir stellen fest, dass immer mehr Menschen, die von ihrem geringen Regelsatz auch Leistungen für die Wohnung zahlen müssen, langfristig sehr gefährdet sind, in die Wohnungslosigkeit abzugleiten", sagt Wolfgang Edlinger, Vorsitzender der saarländischen Armutskonferenz.

Vermieter bevorzugen Studenten

"Ich wünsche mir, dass der soziale Wohnungsbau stärker ausgebaut wird" - Wolfgang Höfner, Leiter des Bruder-Konrad-Hauses in Saarbrücken, im SR-Interview
Audio [SR 3, Interview: Karin Mayer, 12.11.2019, Länge: 03:48 Min.]
"Ich wünsche mir, dass der soziale Wohnungsbau stärker ausgebaut wird" - Wolfgang Höfner, Leiter des Bruder-Konrad-Hauses in Saarbrücken, im SR-Interview

Dabei sei eine eigene Wohnung oft der Schlüssel zu einem stabilen Leben, sagt Achim Ickler. "Wenn jemand keine eigene Wohnung hat, ist er auch nicht in der Lage, seine Lebensumstände auf die Reihe zu kriegen. Eine eigene Wohnung ist ein sehr wichtiges Moment bei der Integration in die Gesellschaft."

Ein Problem: Viele Vermieter schrecken davor zurück, Sozialwohnungen anzubieten. Besonders gebraucht werden Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. Doch die sind auch bei Studenten beliebt, die viele Vermieter bevorzugen. Ickler wünscht sich darum eine Kooperation zwischen Wohnungslosenhilfe und Wohnungswirtschaft. Diese sollte systematisch geeigneten und angemessenen Wohnraum zur Verfügung stellen.

Über diese Thema hat auch der aktuelle bericht am 11.11.2019 berichtet.

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