DHL-Zusteller mit Paket im Arm (Symbolbild) (Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa)

Paketzusteller im Weihnachtsstress

Julia Berdin / Onlinefassung: Axel Wagner   23.11.2018 | 19:20 Uhr

Weihnachtszeit ist Päckchenzeit: Der Online-Handel boomt. Inzwischen werden 15 Prozent des Weihnachtsumsatzes im Internet gemacht. Die Folge: Paketboten wie Lazlo Bakos sind jetzt so richtig im Stress. Die Paketmenge: ungefähr doppelt so groß wie sonst. Und das merkt auch der Kunde an der Haustür.

„Die haben sehr viel zu tun“, sagt ein Paketempfänger. „Das sehe ich schon an mir. Die kommen bis zu drei Mal die Woche. Aber ich finde, die machen das gut.“ Auch viele andere Kunden sehen das so, wenn Laszlo Bakos vorbeischaut.

Video [aktueller bericht, 23.11.2018, Länge: 3:30 Min.]
40 Prozent mehr Paketlieferungen bei DHL im Saarland

„Die größte Herausforderung, denke ich, ist die Zeit“, sagt der DHL-Paketzusteller. Sein Tag beginnt um 8.30 Uhr in der Zustellbasis in St. Ingbert – ein Umschlagplatz für Paketauslieferungen nach Kleinblittersdorf, Sulzbach, Quierschied, Dudweiler, St. Ingbert und Teile des Saarbrücker Stadtgebiets.

So viele Pakete wie nie

Zu Spitzenzeiten sind hier bis zu 94.000 Päckchen pro Woche unterwegs. „Weihnachten beginnt bei uns Ende September, Anfang Oktober“, so DHL-Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek. „Jetzt im November haben wir schon so viele Pakete wie niemals zuvor.“

Video [aktueller bericht, 23.11.2018, Länge: 2:57 Min.]
Interview mit Tanja Lauer, ver.di

Deshalb muss DHL übergangsweise Personal aufstocken – meistens mit befristeten Verträgen. Im Unternehmen werden die Mitarbeiter zwar nach Tarif bezahlt, in die Kritik ist die Post-Tochter zuletzt aber durch den Einsatz von Subunternehmern geraten, die häufig deutlich weniger zahlen – zu schlechteren Arbeitsbedingungen.

„Wir haben Partner, das ist richtig“, sagt Thomeczek. „Bei allen Partnerverträgen achten wir darauf, dass der Mindestlohn eingehalten wird. Ich kann das mal in Relation setzen: Wir haben 999 Subunternehmer, also Partner, die für uns Touren fahren, und insgesamt 120.000 eigene Mitarbeiter, die in der Zustellung sind.“ Diese DHL-Mitarbeiter verdienen mindestens 13,50 pro Stunde.

Enormer Druck

Trotz zusätzlicher Mitarbeiter stehen die Zusteller aktuell deutlich stärker unter Druck – vor allem Zeitdruck. Deshalb sortiert Zusteller Bakos die Pakete schon beim Einladen nach der Reihenfolge, in der er sie ausliefert.

Seine Tour beginnt morgens gegen 10 Uhr. 200 Päckchen am Tag können es in der Vorweihnachtszeit schon mal werden. Ziel ist es, möglichst keines mehr mitzunehmen, also alle zuzustellen. Doch das ist nicht so einfach. Laszlo Bakos schätzt, dass er in 70 Prozent aller Fälle umsonst klingelt. Gut, wenn da der Nachbar was annimmt. Das klappt oft, aber nicht immer, und es kostet den Paketzusteller manchmal auch einfach zu viel Zeit. „Wenn ich das jetzt bei jedem Paket mache, wenn ich so ein einzeln stehendes Haus habe, dann komm ich nicht vorwärts. Dann schaffe ich das nicht.“

Und das obwohl er im Weihnachtsgeschäft wie er sagt, sogar eine halbe Stunde länger arbeitet als sonst. 

Über dieses Thema wurde auch im „aktuellen bericht“ vom 23.11.2018 im SR Fernsehen berichtet.

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