Die Preisträger des diesjährigen Deutsch-Französischen Journalistenpreises (2018) (Foto: DFJP)

Die Preisträger des diesjährigen DFJP

  04.07.2018 | 20:04 Uhr

Zum 35. Mal ist am Mittwochabend der Deutsch-Französische Journalistenpreis (DFJP) verliehen worden. Die Auszeichnung 2018 erfolgte im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin in den Kategorien Textbeitrag, Multimedia, Video, Audio und Nachwuchs. Zudem erhielt der Soziologe und Philosoph Prof. Dr. Jürgen Habermas den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis für sein Lebenswerk und sein Engagement für ein demokratisch verfasstes Europa.

In den journalistischen Kategorien wurden ausgezeichnet:

  • Kategorie Audio: Adèle Humbert und Emilie Denètre für "Les Petits Revenants", BoxSons
  • Kategorie Video: Karine Comazzi und Patrice Brugère für "Les Klarsfeld, chasseurs de ténèbres", France 2
  • Kategorie Multimedia: Annika Joeres, Simon Jockers, Jade Lindgaard, Donatien Huet und Felix Michel für "Steigende Meere", Correctiv/ Mediapart.fr/ Tageswoche
  • KategorieTextbeitrag: Stephan Maus für "Zwei Brüder", Stern
  • Kategorie Nachwuchspreis (gestiftet vom Deutsch-Französischen Jugendwerk): Anika Maldacker für "Der Kampf gegen das Vergessen", Badische Zeitung

Impressionen der DFJP-Preisverleihung

Der Deutsch-Französische Journalistenpreis gehört zu den wichtigsten Medienpreisen Europas. Die prämierten Beiträge stellen nach Auffassung der Jury exzellente Beispiele für Qualitätsjournalismus dar und tragen so zu einem besseren Verständnis von gesellschaftlichen Zusammenhängen in Deutschland, Frankreich und in ganz Europa bei. Die Veranstaltung wurde via Live-Stream übertragen. Unter dem Hashtag #JournalismMatters äußerten sich Teilnehmer und Gäste in Interviews mit dem Luxemburger Tageblatt zu Themen wie Pressefreiheit, Fake- News und der Bedeutung von Qualitätsjournalismus für die Demokratie.

Video [aktueller bericht, 05.07.2018, Länge: 4:31 Min.]
Verleihung des Deutsch-Französischen-Journalistenpreises

Deutsch-Französischer Medienpreis an Jürgen Habermas

In seiner Rede vor über 400 Gästen hob Habermas hervor, Europa brauche mehr Solidarität, die auf gegenseitigem Vertrauen basiere und nicht von vorne herein vor allem ökonomisch konditioniert sei: "Ich kann mir nicht erklären, warum die deutsche Regierung glaubt, die Partner zur Gemeinsamkeit in Fragen der für uns wichtigen Flüchtlings-, Außen- und Außenhandelspolitik gewinnen zu können, während sie gleichzeitig in der zentralen Überlebensfrage des politischen Ausbaus der Eurozone mauert."

Video [aktueller bericht, 04.07.2018, ab Min. 11:33]
Nachrichten

Zugleich lobte Habermas die Vorschläge des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, der das Ziel verfolgt, die europäische Währungsunion zu einer politischen Union auszubauen. "Ihn zeichnet der Mut zu einer gestaltenden Politik aus", so der Philosoph, und daran fehle es derzeit in den übrigen Mitgliedsstaaten. Der grassierende Rechtspopulismus verdanke sich in erster Linie der verbreiteten Wahrnehmung der Betroffenen, dass der EU der politische Wille fehle, handlungsfähig zu werden. Stattdessen versinke die politische Elite im Sog eines kleinmütigen, demoskopisch gesteuerten Opportunismus kurzfristiger Machterhaltung.

Europa befindet sich in einem Lernprozess

Der DFJP im Zeichen der Europa-Krise
Audio [SR 2, (c) SR - Carolin Dylla, 05.07.2018, Länge: 03:38 Min.]
Der DFJP im Zeichen der Europa-Krise

Der Philosoph und Soziologe, der zu den wichtigsten Denkern der Moderne gehört, forderte die Politik auf, angesichts der weltweiten Herausforderungen ihre Wähler nicht normativ zu unterfordern, "da es die solidaritätsbereiten Mehrheiten als eine 'fleet in being' längst gibt." Europa befinde sich historisch betrachtet in einem Lernprozess, wie er bei der Herausbildung des Nationalstaats im 19. Jahrhundert schon einmal stattgefunden habe. Nur seien die Herausforderungen heute andere: "Heute werden die nationalen Bevölkerungen von politisch unbeherrschten, funktionalen Imperativen eines weltweiten, von unregulierten Finanzmärkten angetriebenen Kapitalismus überwältigt. Darauf kann der erschrockene Rückzug hinter nationale Grenzen nicht die richtige Antwort sein."

Das Neue an der jetzigen Situation sei deshalb, dass sie bei vielen Menschen zunehmend ein Gespür für die Schwelle zu supra-nationalem Handeln erzeuge, das von Bürgern verlange, sich vor ihrer Stimmabgabe über Grenzen hinweg in die Lage des jeweils anderen zu versetzen. Habermas ging darüber hinaus mit wenigen Worten auch auf die aktuelle Regierungskrise in Deutschland und den von der CSU in Bayern angezettelten Streit über die deutsche Flüchtlingspolitik ein. "Der Schwarze Peter liegt bei der Sorte von Europafreunden, die sich ihre tatsächlich gehegten Vorbehalte gegenüber einem solidarisch handelnden Europa nicht eingestehen", so Habermas.

Durch die Veranstaltung führte die deutsch-französische Journalistin Susanne Freitag-Carteron. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.dfjp.eu.

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