Eine Ärztin präpariert eine Spritze mit dem Impfstoff AstraZeneca im Impfzentrum. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ronny Hartmann)

Impfungen mit AstraZeneca werden ausgesetzt

  15.03.2021 | 15:35 Uhr

Deutschland setzt die Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers AstraZeneca aufgrund mehrerer Fälle von Nebenwirkungen vorsorglich aus. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Montag mit. Auch im Saarland gibt es inzwischen einen Fall, in dem eine Patientin nach einer Impfung mit einem Blutgerinnsel behandelt werden musste.

Blutgerinnungsstörungen nach AstraZeneca-Impfung
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 15.03.2021, Länge: 02:11 Min.]
Blutgerinnungsstörungen nach AstraZeneca-Impfung

In mehreren Ländern waren Fälle von schweren Blutgerinnseln nach Impfungen mit AstraZeneca aufgetreten. Das Paul-Ehrlich-Institut hält nun weitere Untersuchungen für notwendig. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von sieben berichteten Fällen von Thrombosen der Hirnvenen bei mehr als 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland. Er bezeichnete die vorläufige Aussetzung der Corona-Schutzimpfungen mit dem Präparat von AstraZeneca als "reine Vorsichtsmaßnahme".

Erster Fall im Saarland bestätigt

Auch im Saarland gibt es inzwischen einen Fall, in dem eine Patientin, die zuvor mit AstraZeneca geimpft wurde, mit einem Blutgerinnsel in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Nach SR-Informationen war die Patientin am Freitag mit Blutungen in den Beinen und der Mundschleimhaut bei einem Arzt erschienen. Neun Tage zuvor hatte sie sich mit AstraZeneca impfen lassen. Bis dahin war die Frau gesund und hatte keine Vorerkrankungen.

Ministerium prüft Fall

Eine Blutanalyse habe das Ergebnis gebracht, dass die Thrombozyten, die die Blutgerinnung regeln, stark gefallen waren, schildert der Hausarzt der Patientin, Thomas Ullmann, dem SR den Fall. Im Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg sei dann die Diagnose "Gerinnungsstörung" bestätigt worden.

Chefarzt Daniel Grandt zu AstraZeneca-Nebenwirkungen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 15.03.2021, Länge: 04:07 Min.]
Chefarzt Daniel Grandt zu AstraZeneca-Nebenwirkungen

AstraZeneca-Impfungen gestoppt
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Kai Küstner, 16.03.2021, Länge: 06:20 Min.]
AstraZeneca-Impfungen gestoppt

Wegen der zeitlichen Nähe zur Impfung und der völligen sonstigen Gesundheit der Frau gehen sowohl der Hausarzt als auch der Chefarzt für Innere Medizin im Klinikum, Prof. Daniel Grandt, von einem Zusammenhang aus. Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass der Fall umfassend geprüft werde.

Auch in Dänemark, Norwegen, Island, Bulgarien, Irland und den Niederlanden wurden die Impfungen ausgesetzt. Luxemburg, Österreich, Estland, Lettland und Litauen setzten die Nutzung von einer bestimmten AstraZeneca-Charge aus, Italien und Rumänien stoppten die Nutzung einer anderen Charge.

Hersteller: "Kein Beweis für erhöhtes Risiko"

Der britisch-schwedische Hersteller AstraZeneca betonte, die Analyse von mehr als zehn Millionen Fällen habe "keinerlei Beweis für ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie oder Thrombose" ergeben. Mitentwickler Andrew Pollard, Leiter der Oxford Vaccine Group, erklärte am Montag, es gebe "sehr beruhigende Beweise", dass das Vakzin in Großbritannien - bislang sein Haupteinsatzgebiet in Europa - nicht zu einer Zunahme von Blutgerinnseln geführt habe.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 15.03.2021 berichtet.

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