Eine Ärztin präpariert eine Spritze mit dem Impfstoff AstraZeneca im Impfzentrum. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ronny Hartmann)

Keine Impfabsagen im Saarland geplant

  16.03.2021 | 07:00 Uhr

Im Saarland sollen trotz des Stopps der Impfungen mit dem Wirkstoff von AstraZeneca in dieser Woche keine Termine abgesagt werden. Gesundheits-Staatssekretär Kolling sagte dem SR, bis zum Ende der Woche werde man den Impfstoff von Biontech verwenden.

Deutschland setzt Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers AstraZeneca vorsorglich aus. In mehreren Ländern waren Fälle von schweren Blutgerinnseln nach Impfungen mit AstraZeneca aufgetreten. Das Paul-Ehrlich-Institut hält nun weitere Untersuchungen für notwendig. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von sieben berichteten Fällen von Thrombosen der Hirnvenen bei mehr als 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland. Er bezeichnete die vorläufige Aussetzung der Corona-Schutzimpfungen mit dem Präparat von AstraZeneca als "reine Vorsichtsmaßnahme".

Vorerst Umstieg auf Biontech und Moderna

Auch im Saarland wurden die Impfungen mit AstraZeneca vorerst ausgesetzt. Der Staatssekretär des Gesundheitsministeriums, Stephan Kolling (CDU), sagte im SR, man habe am Montag sofort in allen Impfzentren und bei den mobilen Teams die Impfungen gestoppt.

Bis Ende der Woche werde man die Menschen, die einen Termin für AstraZeneca hatten, nun stattdessen mit dem Impfstoff von Biontech oder Moderna impfen. Man habe noch kleinere Reserven und prüfe derzeit, wie viel man mit den anderen Impfstoffen abfangen, und ob man davon mehr Lieferungen erhalten könne. "Wir wollen so wenig Termine wie möglich absagen", so Kolling. Wie es mit längerfristigen Terminen in den kommenden Wochen weitergeht, ist derzeit noch offen.

Patientin nach Impfung in Klinik

Wie am Montag bekannt wurde, gibt es auch im Saarland inzwischen einen Fall, in dem eine Patientin, die zuvor mit AstraZeneca geimpft wurde, in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Nach SR-Informationen war die Patientin am Freitag mit Blutungen in den Beinen und der Mundschleimhaut bei einem Arzt erschienen. Neun Tage zuvor hatte sie sich mit AstraZeneca impfen lassen. Bis dahin war die Frau gesund und hatte keine Vorerkrankungen.

Eine Blutanalyse habe das Ergebnis gebracht, dass die Thrombozyten, die die Blutgerinnung regeln, stark gefallen waren, schildert der Hausarzt der Patientin, Thomas Ullmann, dem SR den Fall. Im Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg sei dann die Diagnose "Gerinnungsstörung" bestätigt worden.

Blutgerinnungsstörungen nach AstraZeneca-Impfung - Hausarzt schildert Fall
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 15.03.2021, Länge: 02:11 Min.]
Blutgerinnungsstörungen nach AstraZeneca-Impfung - Hausarzt schildert Fall

Wegen der zeitlichen Nähe zur Impfung und der völligen sonstigen Gesundheit der Frau gehen sowohl der Hausarzt als auch der Chefarzt für Innere Medizin im Klinikum, Prof. Daniel Grandt, von einem Zusammenhang aus. Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass der Fall umfassend geprüft werde.

Was ist mit den Zweitimpfungen?

Viele Menschen, die bereits eine erste Impfung mit dem Vakzin erhalten haben, fragen sich nun, ob sie die zweite noch erhalten werden. Der Homburger Virologe Jürgen Rissland gab im Gespräch mit dem SR Entwarnung: Er sehe es nicht als problematisch an, wenn man mit der zweiten Impfung aufgrund des Verfahrens nun länger warten müsse. Vorgesehen sei normalerweise ein Zeitraum von neun bis 12 Wochen zwischen erster und zweiter Impfung mit AstraZeneca. Dieser Zeitraum könne problemlos maximal ausgeschöpft werden.

Nun gelte es erstmal, den Behörden zu vertrauen. "Ich hoffe, dass die Bürger darin ein Signal sehen, dass die Behörden sehr verantwortungsvoll damit umgehen, Risiken ernst genommen werden und dann auch reagiert wird."

Mehrere Länder haben Impfungen ausgesetzt

Auch Frankreich setzte die Impfungen mit AstraZeneca aus. Das verkündete Präsident Emmanuel Macron am Montag. Vergangene Woche waren bereits Dänemark, Norwegen, Island, Bulgarien, Irland und die Niederlande diesen Schritt gegangen.

Luxemburg, Österreich, Estland, Lettland und Litauen hatten die Nutzung von einer bestimmten AstraZeneca-Charge ausgesetzt, Italien und Rumänien stoppten die Nutzung einer anderen Charge.

Hersteller: "Kein Beweis für erhöhtes Risiko"

Der britisch-schwedische Hersteller betont, die Analyse von mehr als zehn Millionen Fällen habe "keinerlei Beweis für ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie oder Thrombose" ergeben. Mitentwickler Andrew Pollard, Leiter der Oxford Vaccine Group, erklärte am Montag, es gebe "sehr beruhigende Beweise", dass das Vakzin in Großbritannien - bislang sein Haupteinsatzgebiet in Europa - nicht zu einer Zunahme von Blutgerinnseln geführt habe.

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