Deutsche und französische Azubis in einer Ausbildungstätte für Kfz-Mechatroniker (Foto: picture-alliance/ ZB | Wolfgang Thieme)

"Eine große Chance für junge Menschen"

Johann Kunz / Mit Informationen von Sarah Sassou   31.05.2022 | 16:57 Uhr

2014 haben deutsche und französische Behörden sowie Wirtschaftsverbände ein Programm aufgelegt, um die grenzüberschreitende Ausbildung voranzubringen. Eine saarländische Firma mit Sitz in Rilchingen-Hanweiler bildet seitdem jährlich grenzüberschreitend junge Menschen aus - und macht damit sehr gute Erfahrungen.

Seit acht Jahren besteht es nun schon, das Ausbildungsprogramm, das den Austausch von Auszubildenen zwischen dem deutschen und französischen Arbeitsmarkt vorsieht. Seither wurden allerdings erst 77 Azubis im jeweiligen Land ausgebildet. Das ist wenig, dabei sind die Vorteile für beide Seiten – den Betrieb sowie den Lehrling – groß.

Arbeitsmarkt: Deutsch-Französische Kooperation in der Ausbildung
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 31.05.2022, Länge: 03:04 Min.]
Arbeitsmarkt: Deutsch-Französische Kooperation in der Ausbildung

Austausch interkultureller Kompetenzen

Die Firma Streetbuzz in Rilchingen-Hanweiler bildet zum Beispiel jedes Jahr zwei französische und zwei deutsche Lehrlinge aus – im kaufmännischen, IT- und Logistikbereich. Streetbuzz verkauft im Online-Shop Zubehör für Zweiräder wie Roller, Mofas und Mopeds. Das Kundennetzwerk erstreckt sich über ganz Europa.

Für die Firmen im internationalen Umfeld sind solche Mitarbeiter mit interkulturellen Kompetenzen wichtig. Doch im Saarland sei der Markt ziemlich leergefegt, sagt Streetbuzz-Geschäftsführer Philpp Lorenz: "Deshalb greifen wir auch unglaublich gerne auf dieses Angebot zurück, weil wir damit junge Leute fachspezifisch und auf unsere Kompetenzen zugeschnitten ausbilden können."

Angst vor Bürokratie unbegründet

Die 18-jährige Jessica Lillig macht bei Streetbuzz aktuell eine Ausbildung zur Kauffrau für E-Commerce. Sie lebt grenznah in Frankreich, spricht Französisch, Deutsch und Rumänisch. "Die französische Arbeitsagentur hat uns damals in der Schule auf die Möglichkeit einer deutsch-französischen Ausbildung aufmerksam gemacht und das hat mich direkt interessiert", erklärt Jessica, wie sie auf die Idee kam, sich für die Ausbildung in Deutschland zu bewerben.

Dass das grenzüberschreitende Ausbildungsprogramm bisher so wenig genutzt wurde, erklärt sich Streetbuzz-Chef Lorenz mit der Angst vor bürokratischen Hürden. Diese sei aber nicht begründet, ganz im Gegenteil, er motiviert andere Unternehmen sogar, davon Gebrauch zu machen.

Kooperation eine Win-Win-Situation

Eine grenzüberschreitende Kooperation auf dem Arbeitsmarkt Lorenz als eine Win-Win-Situation: "Das ist eine große Chance, für junge Menschen, aber auch für das Unternehmen, sich in anderen Sprachen und auf anderen Märkten weiterzubilden. Denn auch ein Auszubildener bringt neue Ideen mit ins Unternehmen".

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