Vega hebt mit Flug VV19 vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ab. (Foto: ESA/CNES/Arianespace-JM Guillon)

So sieht die Zukunft der Raumfahrt aus

Tabea Prünte   01.11.2021 | 16:22 Uhr

Wenn Matthias Maurer ins All fliegt, ist das eine Premiere. Erste Male wird es in der Raumfahrt auch in Zukunft noch viele geben: Von Astronauten mit körperlichen Einschränkungen über immer kleinere Raketen bis hin zu einem Weltraumbahnhof in Deutschland.

Matthias Maurers Flug zur ISS wird eine Weltpremiere: Er wird der erste Saarländer, der auf der Internationalen Raumstation (ISS) leben und forschen wird.

Von der Nordsee ins All

Eine weitere Weltpremiere könnte es schon in wenigen Jahren geben. Während Maurer zum Start der SpaceX-Raumkapsel, die ihn zur ISS bringen wird, zum Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida reisen musste, könnten kleinere Raketen wohl schon bald von Deutschland aus starten.

Allerdings nicht vom Festland aus, dafür ist Deutschland zu dicht besiedelt. Stattdessen soll eine Startplattform in der Nordsee entstehen. "Es ist schon alles da. Die neue Bundesregierung sollte jetzt zügig die Genehmigung erteilen", äußert sich dazu Matthias Wachter vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Als Abteilungsleiter ist er unter anderem für den Bereich Raumfahrt zuständig.

Raumfahrt wichtig für Industrie

Die Raumfahrt werde für Unternehmen immer wichtiger. Daten aus dem All machen technologischen Fortschritt möglich und auch die Vernetzung von Produktionsstätten weltweit läuft über Satelliten. Daher habe sich der BDI für einen deutschen Weltraumbahnhof eingesetzt.

Von dort aus könnten kleinere Trägerraketen, sogenannte Microlauncher starten, die Satelliten ins All bringen. "Ich bin überzeugt, dass das ein innovativer, flexibler Ansatz ist", sagt Wachter. Dadurch ließen sich Transport- und Logistikkosten vermeiden, da Satelliten nicht mehr ins Ausland zu bereits bestehenden Weltraumbahnhöfen exportiert werden müssten.

Startplattform bis 2023

Bis 2023 könnte das Projekt schon umgesetzt werden: „Die Investitionen sind im Vergleich zu Weltraumbahnhöfen an Land geringer.“ Mit einer Gesamtsumme von 30 Millionen Euro rechnet Wachter.

"Der Charme an dem Projekt ist, dass das Schiff und die Infrastruktur bereits vorhanden sind." Die Raketen würden von Schiffen starten, die normalerweise zum Aufrichten von Windrädern genutzt werden. "Sie verfügen über eine sehr große Ladefläche und liegen Dank Positionssystem wie ein Brett im Wasser. Selbst bei stärkerem Wellengang ist es damit möglich, kleine Raketen ins All zu starten", erklärt Wachter.

Raumfahrtforschung im Alltag wichtig

Auch der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) betont, dass es wichtig sei, Deutschland in der globalen Raumfahrt wettbewerbsfähig zu machen. Denn diese sei Teil eines wachsenden Wirtschaftsbereichs.

Die Raumfahrtforschung biete viele Chancen und ist "aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken", sagt Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des BDLI. Sie ist zum Beispiel fester Bestandteil der Medizin oder der Technik und vieler weiterer Alltagsbereiche. Weitere Trends sind die voranschreitende Kommerzialisierung sowie die Miniaturisierung der Raumfahrt, also dass Raketen immer kleiner werden.

Diese kleineren Raketen spielen für die deutsche Industrie eine wichtige Rolle und der Bedarf an einer Startplattform in Deutschland wachse somit erheblich. Um diesem gerecht zu werden, leiste ein nationaler Weltraumbahnhof einen wichtigen Beitrag.

Parastronaut Project

Eine weitere Neuheit kann es bald innerhalb der Ausbildung zur Astronautin oder zum Astronauten geben. Die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) kündigt dazu das "Parastronaut Project" an.

"Das Projekt soll zeigen, wie wir es möglich machen können, dass auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen Astronauten werden und eine wissenschaftliche Mission auf der Internationalen Raumstation durchführen können", erklärt Rüdiger Seine als Leiter der Astronauten-Ausbildung.

Weniger Einschränkungen im All

Prinzipiell spreche kaum etwas dagegen, denn: "Die kritischen Phasen sind natürlich der Start und die Landung. Aber wir sind der Meinung, dass sobald man auf der Raumstation ist, sehr viele Einschränkungen, die auf der Erde bestehen würden, völlig irrelevant sind."

Die Botschaft soll sein: "Auch ein Mensch mit körperlicher Beeinträchtigung kann eine komplette wissenschaftliche Mission bearbeiten und als Astronaut voll leistungsfähig sein. Das ist das Ziel des Projektes."


Der Maurer-Countdown

Das Saarland fiebert mit! Am 31. Oktober fliegt mit Matthias Maurer der erste Saarländer zur ISS und damit ins Weltall. Doch was erforscht Maurer auf der ISS überhaupt? Welche Deutschen waren schon vor ihm im All? Und wie wird man überhaupt Astronaut? Auf unserer Sonderseite sammeln wir alles Wissenswerte zur Weltraummission.

Ein Saarländer im All
Rund um den Weltraumflug von Matthias Maurer
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