Ein Astronaut im Außeneinsatz (Foto: picture alliance/dpa/Nasa)

Mentale Gesundheit auch im Weltall wichtig

Tabea Prünte   30.10.2021 | 06:00 Uhr

Es ist eng, es gibt kaum Privatsphäre, mal eben rausgehen und frische Luft schnappen ist sowieso nicht möglich und ganz risikoarm ist so ein Aufenthalt im Weltall auch nicht. Das macht etwas im Kopf, mit der Psyche der Astronauten, erklärt Yvonne Pecena vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Um ins All zu fliegen, müssen Astronautinnen und Astronauten körperlich fit und gesund sein. Doch nicht nur das: "Wir beschäftigen uns mit dem Faktor Mensch", sagt Yvonne Pecena, promovierte Psychologin in der Abteilung für Luft- und Raumfahrtpsychologie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Denn die psychischen, kognitiven und sozialen Kompetenzen seien neben den körperlichen Kriterien sehr wichtig bei der Auswahl der Raumfahrenden.

Kognitive Kompetenzen

"Auf der psychologischen Ebene gehören dazu nicht nur die Stressresistenz, sondern auch alle möglichen kognitiven Kompetenzen, wie zum Beispiel die Konzentrationsfähigkeit und die Aufmerksamkeit", fasst Pecena zusammen.

Yvonne Pecena (Foto: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. )
Yvonne Pecena, Psychologin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Ausgewählt für die anstehende Mission "Cosmic Kiss" wurde der deutsche Astronaut und Saarländer Matthias Maurer. Auch er hat das Auswahlverfahren hinter sich, auch er wurde auf verschiedene Kriterien hin untersucht und überprüft.

Herausforderungen im All

Im All warten verschiedene Herausforderungen auf den saarländischen Astronauten. Der Platz auf der Internationalen Raumstation (ISS), auf der er leben wird, ist begrenzt. Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre gibt es kaum. Der Kontakt zum persönlichen Umfeld auf der Erde ist für die Zeit eingeschränkt.

"Es ist eine völlig neue Lebensumgebung auf der ISS", so die Raumfahrtpsychologin. Da braucht es eine Eingewöhnungsphase, um sich sowohl physisch, mental als auch psychisch umzustellen."

Astronauten brauchen Hobbies

Außerdem rät die Psychologin den Raumfahrenden, sich Strategien zu suchen, die den Aufenthalt im All erleichtern. "Sich abgrenzen, Hobbies suchen, sich regulieren außerhalb der Arbeitszeit, das sind Strategien, um mit den Herausforderungen gut umgehen zu können", nennt Pecena beispielhaft. "Viele Astronauten berichten auch davon, dass ins Weltall zu gucken eine beliebte Methode ist, um sich zu stabilisieren."

Soziale Kontakte sowohl zu Familie und Freunden auf der Erde als auch zu den Kolleginnen und Kollegen auf der ISS sind "die größte psychologische Unterstützung", sagt Pecena. "Soziale Events auf der ISS fördern die Gruppengemeinschaft, zum Beispiel regelmäßige gemeinsame Abende mit dem Team oder zu Anlässen wie Geburtstagen oder nationalen Feiertagen."

Starke Nerven

Auf besonders schwierige Situationen, die auch lebensbedrohlich sein können, werden die Astronautinnen und Astronauten bereits vor der Mission vorbereitet. Durch die Astronauten-Ausbildung der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) lernen sie, starke Nerven zu behalten, wenn sie konkrete Probleme lösen müssen.

Im Unterricht wird zum Beispiel eine Landung simuliert, die nicht am geplanten Ort stattfindet, sondern weit entfernt in der Kälte. Auch in so einer Situation muss die Crew wissen, wie sie überlebt - das ist neben einer körperlichen auch eine mentale Herausforderung.

Raumfahrtpsychologin Yvonne Pecena betont: "Der Zusammenhalt im Team ist dabei besonders wichtig." Der Grundsatz im Outdoortraining: "Jeder in der Crew stellt seine Kompetenzen und Ressourcen der Gesamtbesatzung bereit. Man muss das Ego herunterschrauben und sich dem Gesamtziel und dem Gesamtwohl unterstellen."

Rückkehr zur Erde

Nicht allein während der Ausbildung, auch während des Aufenthaltes im All können die Raumfahrenden psychologische Unterstützung bekommen. Ihnen ist jeweils ein Arzt oder eine Ärztin zugeordnet, an den oder die sie sich wenden können. Auch die Rückkehr zur Erde begleiten Psychologinnen und Psychologen, wenn die Raumfahrenden das möchten. Denn der Anpassungsprozess kann auch in diese Richtung notwendig sein, so Pecena.

"Nach Rückkehr zur Erde müssen die Astronauten den Schritt schaffen vom Leben auf der ISS, das sehr extrem und sehr fokussiert ist, wieder zurück auf die Erde, sich wieder integrieren im Freundes- und Familienkreis und auch im Beruf am Boden."

Bis Matthias Maurer diesen Schritt gehen wird, dauert es noch eine Weile. Zunächst hat er den Start der Mission und seiner Forschung vor Augen. Etwa sechs Monate verbringt er auf der ISS, bevor er seinen Rückflug antreten wird.


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Das Saarland fiebert dem Flug von Astronaut Matthias Maurer zur Internationalen Raumstation ISS entgegen! Auf dieser Sonderseite haben wir alles Wissenswerte rund um den Flug zusammengestellt.

Ein Saarländer im All
Rund um den Weltraumflug von Matthias Maurer
Matthias Maurer ist der erste Saarländer, der zur ISS und damit ins Weltall fliegt. Doch was erforscht Maurer auf der ISS überhaupt? Welche Deutschen waren schon vor ihm im All? Und wie wird man überhaupt Astronaut? Alles Wissenswerte zur Weltraummission.

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