Matthias Maurer (Foto: Imago/Zuma Wire/ESA)

So wird man Astronaut der ESA

Tabea Prünte   22.10.2021 | 06:00 Uhr

Unter tausenden Bewerbern hat er sich durchgesetzt: Eine lange Ausbildung liegt hinter dem Saarländer Matthias Maurer, der schon bald als Astronaut ins All starten wird. Welche Schritte ESA-Raumfahrende dafür durchlaufen, erklärt der Leiter der Astronauten-Ausbildung, Rüdiger Seine.

Harte Arbeit war es für den Saarländer Matthias Maurer, um dort zu landen, wo er nun steht. Auf seinem Weg zum Astronauten musste er zunächst durch ein strenges Auswahlverfahren und schließlich durch ein eng getaktetes Ausbildungsprogramm der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA).

Bereits 2008 fing dieser Weg für Maurer bei der ESA an. 2010 hat er das Auswahlverfahren dann erfolgreich bestanden. Für seine Mission "Cosmic Kiss", für die er als Astronaut zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen wird, hat die ESA ihn Ende 2020 ausgewählt.

Voraussetzungen für die Ausbildung

Sein Studium der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik war dabei sehr hilfreich. Denn als Grundvoraussetzung für die Bewerbung bei der ESA ist mindestens ein Masterabschluss in einem naturwissenschaftlichen, mathematischen oder ingenieurwissenschaftlichen Fach Pflicht, erklärt Rüdiger Seine, Leiter der Astronauten-Ausbildung am Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln.

Interview mit Rüdiger Seine, Leiter des EAC
Audio [SR.de, Tabea Prünte, 21.10.2021, Länge: 05:10 Min.]
Interview mit Rüdiger Seine, Leiter des EAC

Auch gesund und körperlich fit sollte man sein. "Nicht übertrainiert, einfach nur normal fit", sagt er. "Man muss über eine gute Auffassungsgabe verfügen, man muss perfekt Englisch sprechen können und man muss vor allen Dingen auch gut mit Menschen umgehen können."

Teamfähigkeit besonders wichtig

Denn die Arbeit im All ist vor allem eines: Teamwork. So sollten die Astronautinnen und Astronauten auch in Stresssituationen in der Lage sein, im Team zu arbeiten. Und Stresssituationen gibt es im Weltall reichlich. Mehrere Monate verbringen die Raumfahrenden auf engem Raum miteinander, der Austausch mit Personen auf der Erde ist nur begrenzt möglich.

Hinzu kommt eine hohe Arbeitsbelastung und einen "ordentlichen Tag-Nacht-Rhythmus" gibt es auch nicht, denn etwa alle 90 Minuten geht für die Crew auf der ISS die Sonne auf und wieder unter, betont Rüdiger Seine vom Ausbildungszentrum.

Das Auswahlverfahren

Um für diese Art der Arbeit die richtigen Personen zu finden, erstreckt sich das Auswahlverfahren der ESA über einen langen Zeitraum und verschiedene Stufen. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen Intelligenztests machen, ihre Hand-Augen-Koordination wird überprüft, auch psychologische Tests und medizinische Untersuchungen gehören dazu. Insgesamt dauert so eine Auswahl dementsprechend meist etwa anderthalb Jahre.

"Zum anderen liegt das daran, dass wir einfach sehr, sehr viele Bewerber gehabt haben", so Rüdiger Seine. Rund 22.000 Bewerbungen seien es im aktuellen Auswahlverfahren, das voraussichtlich noch bis Ende nächsten Jahres andauern wird.

Nur vier bis sechs von ihnen werden am Ende von der ESA ausgewählt.

Stationen der Ausbildung

Sobald die ESA eine Auswahl getroffen hat, beginnt das Grundlagentraining für die angehenden Raumfahrenden. Zumeist bringen diese sehr verschiedene fachliche Hintergründe mit, erläutert Seine. Daher sei der Zweck dieses Grundlagentrainings zunächst, "die Vorkenntnisse anzugleichen und die wesentlichen astronautischen Fähigkeiten auszubauen."

Auch weitere Sprachen erlernen die Astronautinnen und Astronauten, vor allem Russisch für die Kommunikation mit den russischen Kosmonautinnen und Kosmonauten steht auf dem Plan. Außerdem Tauchtraining, Überlebenstraining, Vorbereitungen auf Außenbordeinsätze - also Einsätze, bei denen die Astronautinnen und Astronauten außerhalb der ISS sind.

Besondere Herausforderung

"Das ist also schon eine ganze Menge Holz, das da zusammenkommt“, findet Seine. Durchschnittlich 25 Stunden Unterricht erwarten die Raumfahrenden pro Woche und das über ein Jahr hinweg.

"Für alle Astronauten ist einfach die Dichte der Informationen und der neuen Dinge, die man lernen muss, eine Herausforderung. Das ist aber auch jedem bewusst, der sich bewirbt, denke ich." Etwa ein Jahr nehme diese Grundausbildung in Anspruch - erst danach folgt die Vorbereitung auf die tatsächliche Mission.

Internationale Zusammenarbeit

Bis zu diesem Punkt arbeiten die internationalen Raumfahrtagenturen größtenteils individuell. Zwar habe sich die ESA mit ihren Partnern, also der NASA, der russischen, japanischen und kanadischen Raumfahrtagentur auf einen gemeinsamen Nenner bei der Grundausbildung geeinigt und „da sind durchaus auch mal Besuche an den anderen Standorten vorgesehen", sagt Seine.

Allerdings finde die wesentliche Ausbildung in Europa mit europäischen Ressourcen statt, in Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Industrie.

Vorbereitung auf die Mission

Sobald diese einjährige Grundausbildung abgeschlossen ist, ändert sich dies laut Seine. „Im Missionstraining, das sich an die Grundausbildung anschließt, ist eine sehr enge Abstimmung zwischen den internationalen Partnern erforderlich."

Denn alle Astronautinnen und Astronauten, die zur ISS fliegen, müssen in die bestimmten Forschungsbereiche auf der ISS eingearbeitet werden. Die Raumstation ist in verschiedene Module eingeteilt. Für den europäischen Forschungsbereich ist es zum Beispiel das sogenannte "Columbus Modul". Das Missionstraining dauert weitere zwei Jahre.

Matthias Maurers Weg ins All

Auch der Saarländer Matthias Maurer hat diese Ausbildungsschritte geschafft. Er war Extremsituationen, wie zum Beispiel Minusgraden, ausgesetzt, hat gelernt, wie man ein Feuer auf der ISS bekämpfen würde oder was zu tun ist, wenn etwas an der ISS kaputt geht. Mehr über seinen Weg ins All erfahrt ihr hier:

Maurers Weg ins All
Video [SR.de, (c) SR, 22.10.2021, Länge: 03:37 Min.]
Maurers Weg ins All
Für seinen Flug ins All hat Matthias Maurer fünf Jahre harte Vorbereitung absolviert. Dazu zählte zum Beispiel Überlebenstraining bei Minusgraden.

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