Campus-Center der Universität des Saarlandes (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Entscheidung über Ehrentitel von Obé und Röchling vertagt

Patrick Wiermer   21.07.2021 | 21:36 Uhr

Der Uni-Senat, zu dem Studenten und Professoren der Saar-Uni gehören, hat eine Abstimmung über die posthume Aberkennung der Ehrentitel des NS-Mediziners Max Obé und des Stahlunternehmers Ernst Röchling zum zweiten Mal vertagt. Es soll nun weitere Gutachten geben. An der Saar-Uni geht die Diskussion um die Aufarbeitung der NS-Zeit also weiter.

"Es gibt offenbar tiefere Gräben"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Simin Sadeghi/Patrick Wiermer, 22.07.2021, Länge: 04:06 Min.]
"Es gibt offenbar tiefere Gräben"

Der Uni-Senat hat laut offizieller Mitteilung beschlossen die Aberkennung der Ehrensenatorwürde von Ernst Röchling und der Ehrenbürgerwürde von Max Obé erst nach Vorliegen einer weiteren wissenschaftlichen Aufarbeitung zu diskutieren. Dazu soll es eine sogenannte universitätsöffentliche Sondersitzung des Senats geben. Wann diese stattfinden soll, ist noch unklar.

Max Obé war ab 1936 höchster Medizinalbeamter an der Saar. Er war in dieser Funktion letztlich auch mitverantwortlich für Zwangssterilisationen, Zwangsabtreibungen und Morde an Hunderten Kranken und Behinderten.

Ehrentitel von Ärztekammer aberkannt

Trotz der Verbrechen lehrte Obé nach 1945 noch an der Saar-Uni und wurde Präsident der saarländischen Ärztekammer, später ihr Ehrenpräsident. Dieser Titel wurde ihm jedoch vor einigen Wochen von der saarländischen Ärzteschaft wieder aberkannt.

Ernst Röchling wurde zusammen mit seinem Onkel Hermann 1949 als Kriegsverbrecher verurteilt. Er hat die Ausbeutung von Zwangsarbeitern in der Völklinger Hütte zumindest toleriert. Dennoch wurde er 1962 Ehrensenator der Saar-Uni, gründete ein Jahr später die Ernst-Röchling-Stiftung, die Stipendien an Studenten vergibt. 

Der Uni-Senat hat erstmals 2018 einen Ehrentitel posthum entzogen. Betroffen war damals der ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes, Heinrich Welsch, weil er Gestapochef von Trier war.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 21.07.2021 berichtet.

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