Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Wichtige Corona-Kennwerte weiter gesunken

Thomas Braun   25.05.2021 | 15:23 Uhr

Das Infektionsgeschehen im Saarland geht weiter zurück - vor allem in den älteren Jahrgängen. Bis auf den Kreis St. Wendel verzeichneten alle Kreise vergangene Woche sinkende Inzidenzen. Die positive Entwicklung schlägt sich jetzt auch deutlich auf die Zahl der Covid-Patienten im Krankenhaus nieder.

775 neue Corona-Fälle meldete das Robert-Koch-Institut in der vergangenen Woche für das Saarland. Das sind knapp elf Prozent weniger als eine Woche zuvor und der niedrigste Stand seit Mitte März.

Corona-Check: Prof. Sören Becker zu den sinkenden Infektionszahlen
Video [SR.de, (c) SR, 25.05.2021, Länge: 01:12 Min.]
Corona-Check: Prof. Sören Becker zu den sinkenden Infektionszahlen

Der Rückgang zeigte sich in fast allen Altersgruppen. Insbesondere bei den 50- bis 59-Jährigen, in denen es in den Wochen zuvor jeweils nur ein leichtes Minus gab, sind die Zahlen deutlich gesunken. Etwas mehr Fälle als eine Woche zuvor gab es bei Menschen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren.

Mehr Zweit- als Erstimpfungen

Generell verschiebt sich das Infektionsgeschehen zusehends in die jüngeren Altersgruppen - was auch ein Effekt der fortschreitenden Impfkampagne sein dürfte. Während bei den über 60-Jährigen mittlerweile nur noch knapp ein Viertel noch gar nicht geimpft ist, sind bei den Jüngeren noch über 70 Prozent ohne Impfung.

Die Erstimpfungen gerieten in der vergangenen Woche aber etwas ins Stocken, stattdessen standen deutlich mehr Zweitimpfungen an.

Anstieg im Kreis St. Wendel nicht besorgniserregend

Regional gab es in der vergangenen Woche teils gegenläufige Entwicklungen. Während die Inzidenz in den meisten Kreisen tendenziell weiter sank, gab es im Kreis St. Wendel ein deutliches Plus. Die Fallzahlen stiegen im Vergleich zur Vorwoche um fast 60 Prozent.

Für den Leiter des Landeskompetenzzentrums für Infektionsepidemiologie, Professor Sören Becker, ist das allerdings kein Grund zur Besorgnis. "Bei einem relativ kleinen Landkreis können auch kleine numerische Veränderungen durchaus zu großen Inzidenzveränderungen führen", so Becker. Konkret bedeutet das für St. Wendel: Nach 46 Fällen in der Vorwoche gab es dieses Mal 73. Die Inzidenz kletterte in dem nur 87.000 Einwohner zählenden Kreis dadurch von 49,4 auf 83,9.

Bei den zusätzlichen Fällen habe es sich um kleinere Ausbrüche im familiären Umfeld gehandelt, die aber vermutlich jetzt alle entdeckt seien. "Es ist nach unserer Einschätzung nicht damit zu rechnen, dass es hier noch zu einem starken Anstieg kommen wird", so Becker.

Meiste Kommunen unter 100er-Inzidenz

Nicht nur auf Landkreisebene, auch in den meisten Städten und Gemeinden ist das Infektionsgeschehen weiter rückläufig. Nur noch elf Kommunen lagen vergangene Woche über der 100er-Marke bei der Sieben-Tage-Inzidenz. Lediglich mit Ensdorf gab es einen Ausreißer mit einer Inzidenz über 400.

In Ensdorf zeigt sich aber der gleiche Effekt wie im Kreis St. Wendel. Bei kleinen Bevölkerungsgrößen schlagen sich schon geringe Fallzahlen sehr deutlich in der Inzidenz nieder. Und mit gerade einmal 6500 Einwohnern ist Ensdorf eine der kleinsten Gemeinden im Saarland.

Covid-Patientenzahl auf niedrigstem Stand seit Oktober

Die anhaltend positive Entwicklung der vergangenen Wochen schlug sich auch sehr deutlich auf die Belegungszahlen in den saarländischen Kliniken nieder. Die Zahl der Covid-Patienten ist innerhalb von sieben Tagen um 35 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Oktober gesunken. Auch bei den Intensivpatienten gab es einen sehr deutlichen Rückgang.

Für Sören Becker kommt das nicht überraschend: "Wir beobachten im Saarland seit etwa dreieinhalb Wochen einen deutlichen Abfall der Sieben-Tage-Inzidenz", so Becker. Da zwischen dem Zeitpunkt der Infektion und dem Ausbruch eines schweren Krankheitsverlauf aber mehrere Wochen liegen, dauere es immer, bis man den Rückgang des Infektionsgeschehens auch an den Krankenhauszahlen sehe. "Insofern ist es sicherlich so, dass ein großer Teil dieses Rückgangs durch die seit einem Monat deutlich sinkenden Inzidenzen zu erklären ist."

Eine Rolle spiele aber auch die fortschreitende Impfkampagne. "Wir wissen, dass bereits die einmalige Impfung vor schweren hospitalisierungsbedürftigen Verläufen sehr gut schützt." Und schon in ein oder zwei Wochen sei immerhin fast jeder Zweite im Saarland mindestens einmal geimpft.

Testzahl gestiegen, Positivrate gesunken

Beim Landeskompetenzzentrum für Infektionsepidemiologie, das Sören Becker leitet, laufen in der Coronakrise viele Fäden zusammen. Zur Einschätzung der aktuellen Lage schauen er und sein Team dabei nicht nur auf die Inzidenzwerte im Saarland, sondern auch auf die Entwicklung in den Nachbarregionen. Ebenfalls im Blick haben sie die Patientenzahlen, die Altersstruktur der Infizierten und zum Beispiel auch die Testzahlen.

Die Zahl der durchgeführten PCR-Tests ist im größten saarländischen Labor im Vergleich zur Vorwoche wieder etwas gestiegen, zeitgleich ist die Positivrate von 10,3 auf 8,9 gesunken. Das ist die niedrigste Rate seit Anfang April.

Lockerungen dosiert vornehmen

Insgesamt ist Becker zuversichtlich, dass sich der positive Trend weiter fortsetzt. "Man muss nur vorsichtig sein in den kommenden Wochen, dass nicht zu schnell in zu vielen Bereichen gelockert wird", so Becker. Stattdessen sollte es dosierte Lockerungen geben und deren Einfluss auf die Infektionsdynamik beobachtet werden. "Dann gibt es allen Anlass für Optimismus, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird."

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